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Freitag, 28. Juni 2019

Hirten nach dem Herzen Jesu




Liebe Weihekandidaten!
Liebe Brüder und Schwestern!

Nur eines erwartet Jesus von Euch! Nur eines ist wirklich wichtig für die Kirche, für die Gemeinden, in denen ihr Dienst tun werdet, nur eines ist letztlich bedeutsam für eine Sendung zu den Menschen: dass ihr Hirten nach dem Herzen Jesu seid.

Das Presbyterium unserer Erzdiözese ist bunt. Da gibt es Diözesanpriester und Ordenspriester, im Verhältnis von etwa 55 zu 45 Prozent, und es gibt hier an die 60 verschiedenen männlichen Ordensgemeinschaften, etwa ebenso viele weibliche. Welch große Vielfalt an Charismen! Und nicht wenige gemeinsame Sorgen. Was wäre unsere Diözese ohne diesen großen bunten Garten an geistlichen Gemeinschaften! Dazu kommen die neuen geistlichen Bewegungen mit ihren geistlichen Früchten. Eine ist der neokatechumenale Weg, dem einer unserer Kandidaten seine Priesterberufung verdankt. Das Presbyterium ist auch bunt bezüglich der Herkunftsländer. Schon fast ein Drittel der Diözesan- und Ordenspriester kommen aus anderen Ländern, Sprachen und Kulturen. Aber auch eine weitere Buntheit zeigt sich bei uns: es gibt ehelose und verheiratete Priester. Die Priester des lateinischen Ritus sind ehelos, die der östlichen Riten sind zum Teil verheiratet. Unter den heutigen Weihekandidaten ist einer, der evangelischer Pfarrer war und der, wie das in den letzten Jahrzehnten immer wieder geschehen ist, vom Heiligen Vater die Zulassung zur Priesterweihe erhielt, wohl auch ein Zeichen dafür, dass sein langjähriges evangelisches Pfarramt von der Katholischen Kirche als geistliches Amt eine gewisse Anerkennung erfährt.

Ja, bunt ist auch die Gruppe unserer sieben Weihekandidaten: Österreich, Polen, Brasilien, unterschiedlichste Wege hin zum gemeinsamen Ziel.

Ist diese Vielfalt nicht auch verwirrend? Wohin führt der Weg unserer Kirche? Wird die Vielfalt noch größer? Dazu zwei Worte der Orientierung:

1.) Ja, die Vielfalt wird größer. Wir leben und erleben Weltkirche im Kleinen: die anderssprachigen Gemeinden sind in unserer Erzdiözese ein wachsender Anteil. Sie sind Teil der Kirche von Wien. Sie sind zum Teil die Zukunft der Kirche bei uns. Sie bringen uns viel. Sie empfangen auch manches von uns. Wir gehören zusammen und wollen mehr zusammenwachsen.

2.) Die Kirche kann nicht leben ohne Priester. Wir wollen Priester! Wir suchen sie und hoffen auf sie. Auch aus unseren Gemeinden. Auch aus unseren Familien. Ich hoffe auf Seminaristen auch aus unseren anderssprachigen Gemeinden.

Das allerwichtigste aber ist etwas anderes. Nicht In- oder Ausländer, Diözesan- oder Ordenspriester ist das Entscheidende. Auch nicht ob jung oder alt, Früh- oder Spätberufener. Nur eines ist wichtig: Dass er ein Hirte nach dem Herzen Jesu ist. Wenn er ein Hirte ist wie Jesus ihn sich wünscht, wird er die Sprache der Herzen finden, auch wenn sein Deutsch noch unvollkommen ist. Wenn er mit dem Herzen Jesu die Menschen sieht, wird er die Wege zu ihnen finden, auch wenn er aus einem anderen Kulturkreis kommt. Kulturen sind keine geschlossenen Welten. Sie sind zueinander offen. Vor allem aber: die Kultur, um die es geht, ist nicht ein vorgegebenes "Model", in das die "Fremden" hineingepresst werden müssen. Der Glaube schafft Kultur. Hirten nach dem Herzen Jesu bauen mit den Gläubigen eine andere Kultur, eine Kultur eines anderen Menschen- und Gemeinschaftsbildes. Immer deutlicher wird es: Christliche Gemeinschaften "kopieren" nicht eine bestehende Kultur, sondern "generieren" Kultur aus der Kraft des Glaubens.

Hirten nach dem Herzen Jesu werden aber auch auf die Herzenstöne der Kultur unseres Landes achten und sie aufgreifen.

Ja, Hirten nach den Herzen Jesu: das ist die wirkliche Herausforderung an uns Priester und auch an Euch, liebe Gläubige. Diese Hirten wachsen aus dem Glaubenszeugnis ihrer Familien, aus dem Vorbild anderer Priester, aus den Erfahrungen mit den Menschen und vor allem aus dem immer tieferen Hinhören auf den guten Hirten. "Auf Christus schauen" - das ist das Motto des Papstbesuches. Auf Christus schauen - das ist der Weg zu einer erfüllten, gelebten Hirtenschaft nach dem Herzen Jesu.

Gerne würde ich mit Euch, liebe Weihekandidaten, jetzt ausführlicher über den Hirtendienst nach Jesu Herz betrachten. Aber die große Hitze heute mahnt mich zur Barmherzigkeit. So will ich Euch eine "Hausaufgabe" mitgeben: das so starke und klare Kapitel von "Josef Ratzinger - Benedikt XVI., Jesus von Nazareth" über den Hirten zu lesen (317-331).

Auch ein Bischof darf für seine Predigt beim Papst Anleihen machen, was ich nun auch tue, indem ich nur abschließend Euch drei Betrachtungspunkte mitgebe:

1. Jesu große Hirtenrede beginnt mit dem überraschenden Wort: "Amen, Amen: Ich sage Euch: ich bin die Tür zu den Schafen" (Joh. 10,7). Der Hl. Vater schließt daraus: "Ob jemand ein wirklicher Hirte ist, zeigt sich darin, dass er durch Jesus als die Tür eintritt" (S. 321). Wer als Hirte der Herde Jesu vorangehen will, muss selber Jesus „nachfolgen" (Joh. 21,19).

2. Hirte und Herde müssen einander kennen: "… die Schafe folgen ihm, sie kennen seine Stimme" (Joh. 10,31). Die Herde ist nicht Eigentum des Hirten im Sinne Jesu. Je lebendiger die Gemeinschaft mit Christus, desto weniger "Klerikalismus" auf Seiten der Hirten, oder auch auf Seiten der Laien. Je deutlicher die Stimme des Hirten nicht seine, sondern die Christi ist, desto vertrauter klingt sie den Menschen.

3. Jesus ist Hirte und Lamm in eins: Sein Geheimnis ist, dass er nicht Leben nimmt, sondern gibt. Er hat uns geliebt, als wir noch Feinde waren, sagt Paulus heute. Es gibt kein Hirtenamt ohne das Kreuz Jesu und unsere Kreuzesnachfolge Jesu. Das ist wohl das schwerste am Hirtenamt nach dem Herzen Jesu. Es ist aber auch das Glaubwürdigste und das Stärkste, das Wirksamste! Nie ist Jesus mehr Hirte als am Kreuz, da er, von der Erde erhöht, alle an sich zieht. Fürchtet Euch deshalb nicht vor dem Kreuz in Eurem Hirtenleben. Es ist oft der Schlüssel zum pastoralen Erfolg. Es bildet in uns das Herz nach dem Herzen Jesu. Nichts braucht unsere Zeit so sehr als wirkliche Hirten nach den Herzen Jesu. Wir bitten jetzt den Hl. Geist, dass er Euch dazu präge. Amen.

(Predigt von Kardinal Schönborn zur Preisterweihe 2007)


Dreifaltigkeit mit Herz-Jesu und Herz-Mariä Darstellungen, Kathedrale von Malaga

Montag, 2. März 2015

13. Erscheinung in Lourdes am 2.3.1858 - Botschaft an die Priester

Die Dame wünscht, dass eine Kapelle erbaut wird, Basilika der UE, Lourdes

Am Ende der Erscheinung, es war ein Dienstag, fragte man Bernadette, was ihr die Dame gesagt habe: "Sie hat mich um eine Prozession am Donnerstag gebeten."

Bernadette berichtet: "Sie sagte mir: "Sie werden den Geistlichen sagen, sie sollen an dieser Stelle eine Kapelle erbauen lassen."
Ich begab mich zum Pfarrer, um ihm die Mission zu übermitteln. Er starrte mich einen Augenblick an und fragte mich dann in einem keineswegs beruhigenden Ton: "Wie heißt diese Dame?" Ich erwiderte, ich wisse es nicht. Er sagte, ich solle fragen. Das tat ich am nächsten Tag. Sie lächelte, ohne zu antworten.

Erst am Abend kehrt Bernadette zum Pfarrer zurück und überbringt ihm den zweiten Teil der Botschaft: die Bitte um die Wallfahrt zur Grotte. Pfarrer Peyramale will erneut den Namen der Dame wissen und fordert als Beweis für die Wahrheit des Erzählten, dass der wilde Rosenstrauch an der Grotte mitten im Winter erblühen soll.
(vgl. Bernardo, Lourdes, 35f)

Bernadette bei Pfarrer Peyramale, Pfarrkirche Lourdes

Donnerstag, 26. Juni 2014

Josemaria Escriva de Balaguer

Josemaria Escrivá de Balaguer, Priester und Gründer des Opus Dei. Geboren 1902 in Barbastro in Nordspanien empfing Escrivá 1925 die Priesterweihe. Danach unterrichtete er neben seiner Tätigkeit als Hilfspfarrer 1927 Kirchenrecht an der Universität in Madrid, wirkte aber auch als Seelsorger in den Armenvierteln. Am 2. Oktober 1928 gründete er das „Opus Dei“ mit dem Ziel, ein Werk für Christen aller sozialen Schichten zu schaffen, das einen „Weg der Heiligung“ bietet. 1933 gründete Escrivá die Akademie DYA in Madrid. Der Name bedeutet: Gott und Mut. 1934 erschien erstmals sein Buch „Weg“ mit 999 Gedanken der geistlichen Leitung, das Millionenauflagen erreicht. 1936 brach der Spanische Bürgerkrieg aus. Escrivá floh wie viele andere westwärts, nach seiner Rückkehr promovierte er in Rechtswissenschaft. 1943 gründete er die „Priestergesellschaft vom Heiligen Kreuz“. Nach dem 2. Weltkrieg verbreitete sich das Opus Dei rasch über die ganze Welt. In der Folge des 2. Vatikanischen Konzils erhielt das Opus Dei auch kirchenrechtlich eine Aufwertung, weil das Konzil die Laienspiritualität betonte. Escrivá unternahm in der Folgezeit ausgedehnte Reisen vor allem in seine Heimat Spanien und nach Mittel- und Südamerika. Als Escrivá am 26. Juni 1975 in Rom an Herzversagen starb, zählt das Opus Dei bereits weltweit 60.000 Mitglieder. An der Heiligsprechung am 6. Oktober 2002 in Rom nahmen 200.000 Gläubige teil.
(Martyrologium Sancrucense)

Josemaria Escrivá de Balaguer, Peterskirche, Wien

Ist es nicht seltsam, daß viele  Christen, die sonst in ihrem gesellschaftlichen Leben gemessen und beinahe feierlich auftreten (ohne jede Eile), die bei ihrer wenig anstrengenden Berufsausübung und bei Tisch und am Feierabend ebensowenig Eile zeigen, sich plötzlich gedrängt fühlen und in ihrem Eifer sogar auf den Priester einwirken, die Zeit, die dem heiligen Opfer am Altar gewidmet ist, abzukürzen und zusammenzudrängen? (530)

Die Messe ist lang, sagst du, und ich füge hinzu: weil deine Liebe kurz ist. (529)

(Josemaria Escriva de Balaguer, Der Weg)

Montag, 30. September 2013

Lust an Gottes Wort

Heißt es nicht schon den Himmel auf dieser Welt besitzen, wenn man zwischen solchen Schriften leben, sie betrachten, sie allein durchforschen darf?

Du wirst ja doch keinerlei Anstoß nehmen an der Einfachheit und Schlichtheit des Ausdrucks, wie er dir in den Heiligen Schriften begegnet, der sich zum Teil zurückführt auf die Unzulänglichkeit der Übersetzer, zum Teil aber auf die Absicht, auch einer ungebildeten Gemeinde Belehrung zu bringen, so daß der Gebildete und der schlichte Mann ein und dieselbe Stelle jeder in seiner Weise auffassen kann.

Ich bin keineswegs so anmaßend oder stumpfsinnig, daß ich mir schmeichle, die ganze Schrift zu verstehen und ihre Früchte auf Erden sammeln zu können, wo doch ihre Wurzeln in den Himmel gewachsen sind.
Aber ich bekenne, daß ich sie gern verstehen und mich hindurcharbeiten möchte. Nicht dein Lehrer will ich sein, aber mit Freuden dein Gefährte. Dem, der bittet, wird gegeben, dem Klopfenden wird aufgetan, der Suchende findet. Wohlan, sichern wir uns auf Erden eine Kenntnis, die uns auch im Himmel bleiben wird!

(Hieronymus: Brief an den Priester Paulinus, in: Texte der Kirchenväter 4, 318f)

Hl. Hieronymus, bitte für uns, Kathedrale Burgos, Spanien

Montag, 1. Oktober 2012

Bitte für uns Priester, hl. Therese

O Jesus, ewiger Hoherpriester, / bewahre deine Priester im Schutze deines Heiligsten Herzens, / wo ihnen niemand schaden kann.
Bewahre unbefleckt ihre gesalbten Hände, / die täglich deinen heiligen Leib berühren. / Bewahre rein die Lippen, / die gerötet sind von deinem kostbaren Blute. / Bewahre rein und unirdisch ihr Herz, / das gesiegelt ist mit dem erhabenen Zeichen deines glorreichen Priestertums.
Laß sie wachsen in der Liebe und Treue zu dir / und schütze sie vor der Ansteckung der Welt. / Gib ihnen mit der Wandlungskraft über Brot und Wein / auch die Wandlungskraft über die Herzen. / Segne ihre Arbeiten mit reichlicher Frucht / und schenke ihnen dereinst / die Krone des ewigen Lebens. Amen. (Theresia vom Kinde Jesu)


Basilika Lisieux

Da wurde mein Herz trunken von höchster Freude, und ich rief aus: "Jesus, meine Liebe, endlich habe ich meine Berufung gefunden: Mein Beruf ist die Liebe! Ja, ich habe meinen Platz in der Kirche gefunden. Du hast ihn mir gegeben, mein Gott. Im Herzen der Kirche, meiner Mutter, will ich die Liebe sein, und so werde ich alles sein (Inschrift Glasfenster), und meine Sehnsucht wird gestillt. (Aus der Selbstbiographie)

Samstag, 26. Mai 2012

"Kommt, ruht euch ein wenig aus"

lädt Jesus seine Jünger ein (Joh 6,30).

Danke, Herr, dass ich bei dir
im Gebet
und in der Feier der Hl. Messe
 Ruhe und Erholung finde.

Sakristei Pfarrkirche Pöllau, Steiermark

Pater Philipp ermahnte seine Mitbrüder jeden Tag zu zelebrieren.

Er sagte: "Die Priester, die - obwohl sie könnten - nicht jeden Tag zelebrieren, machen einen großen Fehler. Auch die, welche um ihrer Erholung willen, die Erlaubnis erbäten, nicht täglich zelebrieren, begingen einen großen Irrtum.

Er sagte auch: jene, die Trost außerhalb des wahren Ortes suchen, suchen ihre Verurteilung. Wer weise sein will ohne die wahre Weisheit, ohne den Heiland, ist nicht heil, sondern krank, nicht weise, sondern verrückt."

(aus: P. Bernhard Wodrazka, Philipp Neri, Der Apostel der Freude und das Oratorium, 79.)

Mittwoch, 9. November 2011

Priester im Lateran

1. Treffen in der Lateranbasilika zum Abschluss des Priesterjahres im Juni 2010 (hier gibts nur ein Bild):


2. Homilie von Kardinal Angelo Sodano in der Lateranbasilika  am 15. Mai 2000 beim Priestertreffen anlässlich des Jubiläumsjahres 2000.
 
Eine Botschaft der Hoffnung für die Priester des Dritten Jahrtausends

Verehrte Mitbrüder, die Basilika Sankt Johannes im Lateran hat ihre Türen und Tore geöffnet, um Euch willkommen zu heißen, ganz so wie eine Mutter ihre Arme ausbreitet, um all ihre Kinder an sich zu drücken. Hier hat der Oberste Bischof von Rom am Ende einer langen Reihe an Verfolgungen seine Kathedrale gewollt und das ist auch der Grund, weshalb sie später «mater et caput omnium Ecclesiarum» (die Mutter und das Haupt aller Messfeiern) genannt wurde. Im Angesichte dieser Basilika lebten die Päpste fast ein Jahrtausend lang: wir befinden uns daher an einer heiligen Stätte, die eng mit dem Priesteramte des Nachfolgers des Heiligen Petrus verbunden ist.

1. Die Bedeutung einer Begegnung
Liebe Priester, Ihr seid heute aus allen Erdteilen hier zusammengekommen, um anlässlich des Großen Jubiläums des Jahres 2000 Euer Priesteramt zu erneuern, wo immer Euch die Göttliche Vorsehung auch dazu berufen hat, im Weinberge des Herrn zu arbeiten.
Am kommenden Donnerstag, dem 18. Mai, werdet Ihr dann gemeinsam mit dem Heiligen Vater die Heilige Messe feiern, und ihm dabei anlässlich seines 80. Geburtstages all Eure Sohnesliebe entgegen bringen. Es erwarten Euch also Tage einer intensiven geistigen Erneuerung, damit Ihr immer eingehender die Größe und die Schönheit des Geschenkes entdecken könnt, das uns Christus gemacht hat, als Er uns dazu berufen hat, Ihm zu folgen und uns Ihm anzuschließen, um gemeinsam das Werk der Bekehrung zu vollenden.
Ich möchte Euch meinerseits an diesem ersten Tag Eures Jubiläumsweges ein paar ganz einfache Worte sagen, die einem Mann aus dem Herzen hervorbrechen, der ebenso wie Ihr an einem fernen Tag jene geheimnisvolle, doch verführerische Stimme des Herrn vernommen hat, der uns einlud, den Pflug in die Hand zu nehmen und zu arbeiten, um sein Reich zu erweitern. 

2. In Christus vereint
Ihr seid nach Rom gekommen, um die zweitausend Jahre der Fleischwerdung des Sohnes Gottes zu feiern, und da geht der erste Gedanke zu Ihm hin, der das Wesen und Sein unseres christlichen Lebens und mehr noch unseres Priestertums ist. «Manete in dilectione mea» (Jh 15, 9), seid eins in meiner Liebe: dies ist die eindringliche Aufforderung, mit der sich Jesus täglich an uns wendet, so wie er sich einst an die Apostel gewandt hat, die mit ihm beim Abendmahl saßen.
Die vitale Vereinigung mit Christus ist bestimmt das Lebensideal eines jeden Gläubigen, doch für uns Priester muss es sich hierbei ganz besonders um eine gelebte Wirklichkeit handeln. Und diese innige Vereinigung mit dem Herrn ist es, die das Leben vieler heiliger Priester auf der ganzen Welt geprägt hat.
Diese innere Kraft, die von der Berührung mit Jesus herrührte, war das Geheimnis, das vielen Märtyrern in ihrer Qual geholfen hat und vielen Dienern des Herrn Trost gespendet hat, die manchmal durch Einsamkeit, Krankheit oder Unverständnis jeder Art gepeinigt waren.
«Omnia possum in Eo qui me conforta» (Phil 4, 13): alles vermag ich, wenn Er mir die Kraft schenkt, so kann ein jeder von uns die Worte des Heiligen Paulus wiederholen, wenn er in einer engen Einigkeit mit Christus lebt, wie der Trieb, der am Rebstock sitzt.

3. Die Liebe zur Kirche
Die Einigkeit mit Christus wird Euch, liebe Mitbrüder, dazu führen, auch die Kirche zu lieben, die Sein Erlöserwerk auf Erden fortführt. Die Kirche hat jeden von uns zum Leben in der Gnade beschaffen. Sie ist daher unsere Mutter, eine Mutter, die wir verehren, lieben und der wir mit der Hingabe eines Sohnes dienen müssen. Die Kirche zu lieben, heißt, auch ihre Hirten zu lieben und in erster Linie ihren Papst, den Oberhirten der Kirchengemeinschaft.
Auch Eure Wallfahrt nach Rom anlässlich des Großen Jubiläums trägt dazu bei, dieses Feuer der Liebe zu nähren. Ihr werdet Euch so von Tag zu Tag immer mehr als ein lebendiger Teil der großen katholischen Familie fühlen, die im Nachfolger des Heiligen Petrus das sichtbare Zentrum dieser Einigkeit hat. In diesem Heiligen Jahr entdecken viele Gläubige zunehmend das mütterliche Antlitz der Kirche und wollen in Einklang mit ihr leben.
«Sentire cum Ecclesia» (mit der Kirche fühlen) war die Botschaft, die der Heiligen Ignatius von Loyola den Mitgliedern der Gemeinschaft Jesu in seinen Exerzitien mitgab.
«Den Sinn für die Kirche haben», das ist die Botschaft, die dieses Jubiläum jedem Christen geben will und insbesondere uns, den Dienern Christi und seiner Heiligen Kirche.
Wenn die Kirche eine Mutter ist, so müssen wir sie lieben, unterstützen und verteidigen. Wie oft haben wir unseren Gläubigen den berühmten Satz des Heiligen Märtyrers Zyprian ins Gedächtnis gerufen: «Wer die Kirche nicht zur Mutter haben will, der kann Gott nicht zum Vater haben». Und dies gilt umso mehr für uns, die wir alles von dieser Mutter erhalten haben.

4. Ein Blick auf die Geschichte
Liebe Freunde, nachdem ich Euch nun dazu eingeladen habe, Euren Blick auf Christus und Seine Heilige Kirche zu werfen, möchte ich Euch nun zum Abschluss vorschlagen, ihn in eine andere Richtung zu wenden, zum geschichtlichen Horizont.
Vor uns haben im Laufe der zwanzig Jahrhunderte des Kirchenbestehens viele Menschen im Weinberg des Herrn gearbeitet. Wir sind nicht die Ersten. Aus diesem Grund müssen wir auch demütig sein und all das kostbare Erbe schätzen, das uns unsere Vorgänger hinterlassen haben. Ihre Erfahrungen können uns nützlich sein. Ihre Schriften können uns eine Quelle des Lichtes auf unserem Wege sein und uns helfen, das Alte und das Neue zu schätzen: «nova et vetera» (vgl. Mt 13, 52). Die Kirchengeschichte wird daher auch uns «magistra vitae» sein, eine Lehrerin auch für unseren apostolischen Dienst.
Wir sind nicht die Ersten, die den Pflug in die Hand genommen haben, sagten wir. Doch wir werden auch nicht die Letzten sein. Andere werden nach uns kommen und unser Werk fortsetzen, auch weil das Feld, das sich täglich der Missionstätigkeit der Kirche öffnet, immer weiter wird. Unsere Aufgabe ist es, denjenigen, die nach uns kommen, das lebendige Feuer des Evangeliums Christi weiter zu reichen, heller als je zuvor.
Wie bei den Olympischen Spielen werden wir so jenen, die nach uns kommen, jenes Licht des Glaubens übergeben, das dazu bestimmt ist, jeden Menschen dieser Erde zu erleuchten (vgl. Jh 1,9).

5. Die Überraschung des Sämannes
Diese Anschauung der Geschichte hilft uns, auch dann nicht den Mut zu verlieren, wenn es Schwierigkeiten gibt, denn wir wissen, dass der Samen des Wortes Gottes im Herzen der Menschen keimt, auch wenn er nur langsam aufgeht. Es stimmt, dass auch heute, wie im evangelischen Gleichnis, die Saat manchmal auf unfruchtbaren Boden fällt oder von Dornen erstickt wird, doch stimmt es auch, dass immer ein Teil da ist, der auf guten und fruchtbaren Boden fällt, und der kann auch hundertfache Ernte bringen (vgl. Mt. 13,23).
Wenn wir mit freiem Sinne auf die zweitausend Jahre Christentum zurückblicken, so gestattet uns das, uns nicht über die Schwierigkeiten zu wundern und uns stets daran zu erinnern, dass das Gottesreich nur graduell wächst, nach dem geheimnisvollen Plan der Vorsehung.
Wenn wir eingehend über die Kirchengeschichte nachdenken, so wird uns klar werden, dass sie ein Zusammenwirken der Gnade Gottes und der Freiheit des Menschen ist und dass dieser mit seinem Werke die Ankunft des Reiches Gottes beschleunigen oder verzögern kann. Diese Ansicht mahnt uns an unsere Verantwortung, wenn wir ausgiebig am Aufbau des Reiches Gottes teilnehmen wollen. Diese Ansicht wird uns die Überraschung des Sämannes aus dem Evangelium ersparen: er hatte doch gutes Saatgut auf seinem Acker ausgesät und fragte sich dann erstaunt, wieso auch Unkraut gewachsen sei. Er hatte nicht mit jenem «inimicus homo» (vgl. Mt. 13,25), dem Feind, gerechnet, der nachts auf sein Feld geschlichen war. Er hatte nicht mit der menschlichen Realität gerechnet, mit dem mysteriösen Drama seiner Freiheit, mit dem Werk des Bösen auf dieser Welt. 

6. Das Schiff treibt voran
Mit meinen einfachen Worten wollte ich Euch bitten, Euren Blick in vier verschiedene Richtungen zu werfen: auf Christus, auf Seine Heilige Kirche, auf die Vergangenheit und auf die Zukunft der Menschheitsgeschichte. Wenn Ihr Rom wieder verlasst, so sollt Ihr vom heiligen Vorsatz bewegt sein, weiterhin würdige Diener Christi und großzügige Verkünder Seines Reiches zu sein. Wie zu Pfingsten möge Euch auch jetzt die Heilige Muttergottes beistehen und den Gnadenreichtum des Heiligen Geistes für Euch erbitten. Das Schiff bewegt sich bereits jetzt dank der Anstrengungen Eurer Ruder, doch wenn von oben der Wind des Heiligen Geistes kraftvoll Eure Segel bläht, dann wird Euer Schiff noch schneller und sicherer vorantreiben.
Amen!
(Quelle: Kleruskonkregation)

LASST UNS WIE MARIA UND DIE APOSTEL AUF CHRISTUS SCHAUEN,
DER UNS GERUFEN HAT,
UND LASST UNS IHN LOBEN IN ALLE EWIGKEIT
Apsismosaik, Lateranbasilika

Freitag, 4. November 2011

So könnte die Reform durch die Priester beginnen

1. Auf den auferstandenen, lebendigen Herrn schauen
2. Die Glaubenswahrheit des Himmels glauben und lieben
3. Die Glaubenswahrheit der Hölle glauben und fürchten

Und was 4. besonders wichtig ist: auch ich komme vor das Gericht Gottes


Das jüngste Gericht, Luegerkirche zum Hl. Karl Borromäus, Wiener Zentralfriedhof
Der hl. Bischof Karl Borromäus findet eindringliche Worte in seiner Sorge um Kirche und Priester:

"Ich gestehe: wir alle sind schwach. Aber Gott, der Herr, hat uns Mittel gegeben, die uns leicht helfen können, wenn wir nur wollen. Da ist ein Priester, er weiß, daß von ihm Unversehrtheit und Enthaltsamkeit verlangt wird und daß er, wie es sich gehört, das Leben eines Engels führen muß: Er wollte das alles vielleicht. Aber er denkt nicht daran, die Mittel zu gebrauchen: zu fasten, zu beten, sowie schlechte Unterhaltungen, schädliche und gefährliche Vertraulichkeiten zu meiden.

Er beklagt sich: Wenn er zum Chorgebet schreitet, wenn er die Messe feiert, begegnen ihm tausend Dinge, die seine Gedanken von Gott ablenken. Aber was macht er vorher in der Sakristei, ehe er zum Chor oder zur Messe geht?

Wie bereitet er sich vor, welche Mittel wählt und wendet er an, um seine Aufmerksamkeit zu wahren?
Soll ich dich lehren, wie du von Kraft zu Kraft fortschreiten und, wenn du schon im Chor aufmerksam warst, wie du das nächste Mal noch aufmerksamer sein kannst und dein Dienst Gott noch wohlgefälliger werden kann? Höre, was ich dir sage!

Wenn in dir schon ein kleines Feuer der Gottesliebe brennt, zeig es nicht gleich und setze es nicht dem Wind aus; halte den Ofen geschlossen, daß er nicht abkühlt und seine Glut verliert; fliehe - natürlich, wenn du kannst - die Zerstreuungen; bleibe gesammelt bei Gott und meide unnütze Gespräche.

Hast du die Aufgabe zu predigen und zu lehren? Studiere und bemühe dich um all das, was zur rechten Amtsführung nötig ist; mach, daß du vor allem durch Leben und Tat predigst; man soll nicht sehen müssen, daß du anders sprichst, als du tust, und darum über deine Worte spotten und den Kopf schütteln.

Bist du Seelsorger? Vernachlässige darüber nicht die Sorge für dich selbst und sei andern gegenüber nicht so freigebig, daß für dich selbst nichts übrigbleibt. Du mußt zwar an die Seelen denken, deren Vorsteher du bist, aber nicht so, daß du dich selbst vergißt.

Erkennt, Brüder, daß nicht allen Männern der Kirche in gleicher Weise dasselbe notwendig ist.
Es gibt das innere Gebet, das allen unseren Handlungen vorausgeht, sie begleitet und ihnen folgt: "Ich will dir singen", sagt der Prophet, "und erkennen."

Spendest du die Sakramente, lieber Bruder, so bedenke, was du tust.
Feierst du die Messe, so bedenke, was du darbringst.
Singst du im Chor, bedenke, mit wem du sprichst und was du sagst.
Leitest du Seelen, so bedenke, mit wessen Blut sie reingewaschen sind, und "alles, was ihr tut, geschehe in Liebe".

Alle Schwierigkeiten, die wir notwendig Tag für Tag in großer Zahl erfahren - wir sind ja in sie hineingestellt -, werden wir leicht überwinden können.
Auf diese Weise gewinnen wir die Kraft, Christus in uns und in anderen zu gebären.

(Karl Borromäus, aus der Predigt auf seiner letzten Synode, Stundenbuch)

Bildausschnitt, Jüngstes Gericht, Luegerkirche
Luegerkirche, im Vordergrund Gruft der Bundespräsidenten Österreichs

Donnerstag, 3. November 2011

So schlicht sind Gräber nur

für Mönche (schlicht und schön):


Klosterfriedhof, Heiligenkreuz

für Priester (auch der Grabstein blickt himmelwärts):


Priestergräber, Wiener Zentralfriedhof
Der aufgeschüttete Erdhaufen im Vordergrund des Bildes zeigt das Grab des kürzlich verstorbenen Stanislaus Kluz. Er war Hochschulseelsorger in Wien, Schriftsteller und Freund von Johannes Paul II.

und für Soldaten:

Sowjetische Kriegsopfer d. 2. Weltkrieges, Wiener Zentralfriedhof

Am Abend werde ich zum Friedhof gehen, um die Zeit der Ablässe gut zu nützen. "Herr, gib ihnen die ewige Ruhe. Und das ewige Licht leuchte ihnen. Lass sie ruhen in Frieden. Amen"

Mittwoch, 5. Oktober 2011

Nachkonzilspriester, JP II. und Faustyna auf einer Wellenlänge

Während des Konzils habe ich das Licht der Welt erblickt, als Spätbekehrter bin ich Gott sei Dank nicht in die Wirren der Nachkonzilszeit geraten. Als mir das Licht des Glaubens geschenkt wurde, war Johannes Paul II. schon einige Jahre Papst. Wie bin ich froh, dass mich die beiden Päpste Johannes Paul II. und Benedikt XVI. geprägt haben.

Eingang zur Klosterkirche d. Hl. Faustyna Kowalska in Polen

Danke, seliger Johannes Paul II., dass du Schwester Faustyna heiliggesprochen und so die Botschaft von der Barmherzigkeit verbreitet hast.

Heilige Schwester Faustyna, erbitte uns vom Herrn ein tiefes Verstehen Seiner Barmherzigkeit.


Ewiger Vater, ich opfere Dir auf den Leib und das Blut, die Seele und die Gottheit Deines über alles geliebten Sohnes, unseres Herrn Jesus Christus, zur Sühne für unsere Sünden und für die Sünden der ganzen Welt. Durch Sein schmerzhaftes Leiden, hab Erbarmen mit uns und mit der ganzen Welt.

Reliquienschrein der Hl. Faustyna Maria Kowalska