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Freitag, 28. August 2026

Wie wir sind, so sind die Zeiten (Augustinus)

 


an den vier Ecken des neugotischen Chorgestühls stehen in etwa zwei Meter Höhe rundplastische Holzfiguren
 der lateinischen Kirchenväter, St. Martin, Kaufbeuren

 

"Tempora mala sunt, tempora molesta sunt, tempora misera sunt. Sic dicunt homines.
Nos sumus tempora: quales sumus, talia sunt tempora." Sermo 8,8

„Böse Zeiten, schwierige Zeiten, elende Zeiten – so sagen die Menschen.
Wir sind die Zeiten: Wie wir sind, so sind die Zeiten.“
Augustinus


Augustinus, St. Martin, Kaufbeuren

Dienstag, 5. April 2016

Am Grab der hl. Cresentia Höss von Kaufbeuren

Christus erscheint der von inneren Leiden bedrängten Sr. Crescentia


Über der Mittelachse der Klosterkirche St. Franziskus erhebt sich der 1471/1472 erbaute zierliche quadratische Turm.



Von der Straße führt eine einfache Tür in das Innere der Kirche



Die drei spitzbogigen Fenster des einjochigen Chorraumes reichen vom Boden bis zum Gewölbe. 1877 wurde er im neugotischen Stil umgestaltet mit drei Altären, Figuren und Gestühl, 1967 wurde die Kirche lt. Kirchenführer den Erfordernissen der nachkonziliaren Zeit angepaßt, d. h. gevolxaltart. Über dem Volxaltar hängt ein Kreuz (um 1700).




Der Reliquienschrein, der sich früher unter der Mensa des Hochaltars befand, ist eine Stiftung von Bischof Julius Meszleny von Szathmar im damaligen Königreich Ungarn (heute in Rumänien). Kaufbeurer Goldschmiede stellten ihn anlässlich der Seligsprechung von M. Crescentia Höß (7. Oktober 1900) her, er besteht aus echt vergoldeter Bronce und belgischem Spiegelglas, mit Glassteinen und echten Edelsteinen, die von Verehrern eigens dafür geschenkt worden waren.


Die Figur Crescentias wurde in München gefertigt. Rumpf, Armen und Beine sind aus Holz. In neun Vertiefungen wurden Kapseln eingelassen, die Gebeine Crescentias enthalten. Das Gesicht ist aus Silberblech getrieben und bemalt.


Die Klosterfrauenkleidung besteht aus kostbaren Stoffen. In Filigran-Faßarbeit ließ man aus Gold und Edelsteinen, von Wohltätern gestiftet, das Kränzlein herstellen. In der Hand hält Crescentia ein Kreuz aus schwarzem Hartholz und vergoldeter Christusfigur. Kissen und Polster aus Silberstoff sind mit Goldstickerei verziert. (aus dem Führer Crescentiakloster, Kaufbeuren)




Die aufgebahrte Crescentia, 1744, mit dem Text: Wahre Abbildung der Fromen Schwester Maria Crescentia, des Heiligen
Ord. S. F. welche in diesem Jahr 1744: den 5. April zu Kauffbeuren Selig entschlaffen in dem 62: Jahr Ihres Alters,
Bild in der Gedenkstätte der hl. Crescentia




Gott, ich verlange aufgelöst zu werden und bei dir zu sein,
sobald du alles an mir vollbracht hast;
keinen Augenblick früher, keinen Augenblick später,
denn dein göttlicher Wille ist mein Himmel auf Erden.
(M. Crescentia Höß)

Sonntag, 5. April 2015

Crescentia Höss von Kaufbeuren


Crescentia Höss von Kaufbeuren, bayrische Mystikerin. Crescentia wurde 1682 in Kaufbeuren im Allgäu geboren, sie konnte erst nach Intervention des Bürgermeisters 21-jährig bei den Franziskaner-Terziarinnen in Kaufbeuren eintreten, nachdem sie wegen Armut mehrmals abgelehnt worden war. Die Oberin ließ sie ihre Abneigung durch viele Quälereien spüren, die Crescentia heldenhaft ertrug. Schließlich wurde die Oberin abgesetzt. Crescentia war dann durch 25 Jahre Novizenmeisterin und wurde schließlich selbst Oberin.
Ihr Leitspruch war: „Es gibt kein größeres Kreuz als wenn man ohne Kreuz lebt.“ Sie war eine gesuchte Ratgeberin und eine weithin bekannte Mystikerin.
Crescentia Höss starb am 5. April 1744 in Kaufbeuren. Sie wurde 1900 selig gesprochen, und von Papst Johannes Paul II. im Jahr 2001 in den Kanon der Heiligen aufgenommen. Ihr Leib ruht in einem gläsernen Prunksarg in der Klosterkirche von Kaufbeuren.
(Martyrologium Sancrucense)

Crescentia-Gedenkstätte. Im Kloster, wo Crescentia eintritten will, werden reiche Bewerberinnen vorgezogen. Ihre Aufnahme als Novizin scheint aussichtsslos. Im Kloster hört Crescentia im Gebet die Stimme des Gekreuzigten:
"Hier wird deine Wohnung sein!"

Crescentiakloster, Innenhof, Blick auf die Kirche,
in der die Heilige begraben liegt

"Crescentia wusste sich seit ihrer Kindheit mit Jesus verbunden. Er hatte ihr in schweren Zeiten Kraft geschenkt. Mit einem Mal war er nicht mehr da. War er jemals dagewesen oder hatte ihre Phantasie ihr das alles nur vorgegaugelt? Weder in ihren Gedanken noch in den schönen Heiligenbildern, die im Klostergang hingen, noch in des Worten des Priesters oder der Mitschwestern fand sie Jesus, den sie doch so tief zu lieben meinte. Große Verwirrung und Traurigkeit überfielen sie.
Nach außen hin versuchte Crescentia zwar ausgeglichen zu wirken, aber innerlich krampfte sich ihr Herz oft zusammen. Die Gebetszeiten wurden ihr fast zur Qual, alle Worte und Gesänge schienen ins Leere zu laufen, bei den Mahlzeiten bekam sie oft keinen Bissen hinunter. Sie konnte diese innere Verfassung kaum ertragen, wie jemand, der schrecklichen Liebeskummer hat.
Eines Nachts, kurz vor dem Morgengrauen, erhob sich draußen ein heftiger Sturm. der laut heulend ums Haus fegte. Crescentia konnte in diesen Monaten sowieso oft nicht schlafen, kniete wieder einmal verzweifelt neben ihrem Bett und versuchte zu beten: "Herr, wo bist du? - Ach, es ist alles so sinnlos! Ich fühle mich so allein und nichts mehr macht mir Freude."

Der starke Wind rüttelte wild am Fenster, als wollte er es eindrücken.Da stand Crescentia auf, um die Verriegelung zu sichern. Als sie aber durch die Scheiben die Birnbaum vor ihrem Fenster erblickte, wie so durchgeschüttelt wurde, meinte sie dort eine Gestalt zu erkennen. Erschrocken öffnete sie das Fenster, um besser sehen zu können. Der Sturm peitschte ihr ins Gesicht, die Baumkrone wurde unbarmherzig hin- und hergezerrt. Ihre Augen waren voller Tränen. Wie durch einen Schleier hindruch glaubte sie Jesus zu erblicken. Mitten in den Zweigen stand er, hielt sich kräftig an den wildbewegten Ästen fest und lächelte ihr zu.
Da wurde es ihr plötzlich ganz warm ums Herz und sie rief laut: "Jesus, ich erkenne dich! Was machst du denn da in dem Baum?"
Dan antwortete er freundlich: "Crescentia, wie kannst du meinen, ich habe dich verlassen! Schau! So sicher und ruhig, wie du mich bei diesem tobenden Wetter im Baum siehst, so sicher stehe ich in deinem Herzen. Lass dich doch nicht verwirren von den inneren Stürmen. Ich liebe dich und bin bei dir, auch wenn du es nicht spürst! Denk´ daran, wenn dich wieder Leere und Verzweiflung überfallen! Auch diese Zeit geht vorbei. Ich habe in meinem Leben Ähnliches durchgemacht: in der Wüste und später im dunklen Garten am Ölberg kurz vor meinem Tod. Weißt du das nicht mehr?"

Crescentia war sprachlos und stand reglos da. Plötzlich schlug der Wind das Fenster zu. Durch die Scheiben erkannte sie, dass die Gestalt Jesu verschwunden war: Sie sah nur noch den sturmgeschüttelten Birnbaum im dunklen Klosterhof. Sogleich kniete sie nieder, weinte und dankte Gott für diesen wunderbaren Trost.

Am nächsten Morgen aber stellten sich Empfindungen von Sinnlosigkeit und Leere mit doppelter Wucht ein. Arbeit und Gebet fielen ihr unsagbar schwer, ihre Glieder schienen wie Blei. "Das hast du nun von deinen Träumereien!" flüsterte es hämisch in ihrem Inneren.
Crescentia aber hielt sich beherzt fest an den Worten Jesu und wehrte sich entschieden gegen Traurigkeit und Verzweiflung. Ruhig ließ sie die niederdrückenden Gedanken an sich abgleiten und meisterte mit der Zeit auch diese schwere Krise."
(Auf dem Weg ins Geheimnis, Das Leben der Crescentia Höß von Kaufbeuren, 28ff)




Crescentiafahne in der Crescentia-Gedenkstätte


"Mit großer Freude heiße ich die Gläubigen aus Deutschland willkommen, die zur Heiligsprechung gekommen sind. Besonders grüße ich Kardinal Friedrich Wetter sowie Bischof Viktor Josef Dammertz, der den Pilgerzug in die Ewige Stadt begleitet hat.
Die hl. Maria Crescentia Höß  ist ein großes Geschenk. Auf diese Frau dürft ihr stolz sein. Sie ist ein Aushängeschild nicht nur für die Stadt Kaufbeuren, sondern auch für die Diözese Augsburg, die Kirchenprovinz München und Freising sowie für die ganze Kirche in Deutschland.
Wenn uns auch eine lange zeitliche Distanz von ihr trennt, so spricht die neue Heilige doch in das soeben begonnene dritte Jahrtausend hinein.
An ihrem Grab vertrauen täglich Beter verschiedener Konfessionen ihre Sorgen der Heiligen an. Schon zu Lebzeiten hat Maria Crescentia Höß die Menschen an jemanden erinnert, den auch wir dringend brauchen: den Heiligen Geist.
Große Dinge kann der Heilige Geist an uns und in der ganzen Kirche wirken, wenn wir ihn nur lassen! Mit diesem Wunsch erteile ich euch und allen, deren Anliegen ihr nach Rom mitgetragen habt, den Apostolischen Segen."

ANSPRACHE VON JOHANNES PAUL II.  AN DIE PILGER, DIE ZUR HEILIGSPRECHUNG VON MARIA CRESCENTIA HÖSS NACH ROM GEKOMMEN SIND, Montag, 26. November 2001