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Freitag, 2. Januar 2026

Gregor von Nazianz - unsterblich durch Gottes Gnade

 

Gregor von Nazianz, Nikolauskirche in Prag

Ich bin ein Wesen von doppelter Natur,
aus Erde gebildet und doch zum Himmel berufen.

Ich trage den Leib, der mich nach unten zieht,
und den Geist, der nach oben strebt.

Staub bin ich durch meine Geburt,
göttlicher Hauch durch die Gnade.

Ich weiß nicht recht, was ich bin:
sterblich durch mich selbst,
unsterblich durch Gottes Gnade.

Zwischen Vergänglichem und Ewigem stehend,
schwanke ich,
bis Gott mich ganz zu sich zieht.

(Gregor von Nazianz - de humana natura)

Nikolauskirche, Prag


Donnerstag, 2. Januar 2025

Gleiche Hoffnung auf Erkenntnis bestimmte uns beiden den Weg

 

Basilius der Große und Gregor von Nazianz, Kölner Dom

Eine Seele lebt in zwei Körpern
 
In Athen fanden wir beide, Basilius und ich, uns vereint. Athen hatte uns wieder! Wie wenn sich ein Gewässer an der einen heimatlichen Quelle teilt, so hatte uns das Verlangen nach Bildung in verschiedene Richtungen auseinandergetrieben; nun waren wir wieder in Athen beieinander, als ob wir es so verabredet hätten, in Wirklichkeit aber, weil Gott es so gefügt hatte. Damals verehrte ich meinen großen Basilius, weil ich seine ernste Lebensauffassung sah und die Reife und Klugheit seiner Reden. Aber ich verehrte ihn nicht allein, sondern ich gewann auch andere für ihn, jüngere, die ihn noch nicht kannten. Ich gewann sie, dass sie ihn wertschätzten wie ich. Aber die meisten schenkten ihm gleich ihre Verehrung, weil sie ihn vom Hörensagen schon kannten. Nach einiger Zeit gestanden wir einander unsere gemeinsame Neigung: die Philosophie, um die es uns ging. Damals schon bedeuteten wir uns alles: wir lebten unter demselben Dach, aßen am gleichen Tisch, arbeiteten zusammen, hatten die gleichen Interessen, und einer weckte stets im andern wärmeres und festeres Verlangen. Gleiche Hoffnung auf Erkenntnis bestimmte uns beiden den Weg, Hoffnung auf Erkenntnis, um die doch die Menschen einander am meisten beneiden. Aber zwischen uns gab es den Neid nicht. Und doch war uns ein Wettkampf wichtig: Das war der Streit zwischen uns, nicht, wer den ersten Preis gewänne, sondern wer ihn den andern gewinnen lasse. Denn jeder hielt den Ruhm des andern für seinen eigenen. Eine Seele lebte in zwei Körpern. Wenn auch die Philosophen keinen Glauben verdienen, nach denen alles in allem gegenwärtig sein soll, so darf man doch uns glauben, dass jeder im andern und beim andern war.
Unser beider Wirken und Streben galt der Tugend, auf die künftige Hoffnung hin zu leben und uns so einzustellen, dass wir schon vor dem Scheiden aus dieser Welt Abschied von ihr nahmen. Das stand uns vor Augen, und danach richteten wir das Leben und alles Tun. Wir hielten die Gebote Gottes und eiferten einander an zum Ringen um das Gute. Wenn es nicht zu anmaßend scheint, möchte ich sagen: einer war dem andern Norm und Richtmaß, nach dem er das Rechte vom Falschen unterschied. Der eine hat diesen, der andere jenen Zunamen. Er hat ihn von den Eltern geerbt oder ihn durch eigenes Mühen und Arbeiten erworben. Uns aber war es die eine große Wirklichkeit und der eine große Name: Christen zu sein und Christen zu heißen.

Dienstag, 2. Januar 2018

Gregor von Nazianz über die Geburt Christi

Basilius von Caesarea und ...

Gregor von Nazianz, Bischof und Kirchenlehrer. Gregor wurde um 330 in Arianz bei Nazianz geboren, er lernte während seines langen Studiums in Athen Basilius kennen, mit dem er um 360 am Schwarzen Meer in der Einsamkeit lebte. Nachdem Basilius Erzbischof geworden war, weihte er Gregor 372 zum Bischof von Sasima. Doch hat Gregor dieses „Fuhrmannsdorf“ nie betreten. Gregor verwaltete in der Folge mehrere Bischofssitze. Zuletzt lebte er in Arianz, wo er die meisten seiner Briefe und Gedichte verfasste. Gregor war ein hervorragender Kanzelredner, begeisterungsfähig und selbst begeisternd, aber ohne Ausdauer und schnell entmutigt. In seinen Schriften zeigt er sich als der erste große Vertreter eines christlichen Humanismus. In seiner Theologie bewahrte er die überkommene Lehre der Väter. Für die spätere Zeit galt er als die Richtschnur für den rechten Glauben. Gregor starb 390 in seinem Geburtsort Arianz.
(Martyrologium Sancrucense)

Predigt des hl. Basilius über die Geburt Christi 
Lebensbeschreibung und Deckenfresko des hl. Basilius in S. Maria sopra Minerva in Rom

Katechese von Papst Benedikt VI. über Basilius Teil 1 Teil 2

Katechese von Papst Benedikt XVI. über Gregor Teil 1 Teil 2



Gregor von Nazianz, gemeinsam gefeiert am 2. Jänner

Auf mannigfache Weise wurde der Mensch früher erzogen: durch Vernunft und Gesetz, durch Propheten, durch Wohltaten, Drohungen, Unglücksfälle, Verheerungen durch Wasser und Feuer, durch Kriege, Siege, Niederlagen, durch Zeichen vom Himmel, durch Zeichen in der Luft, auf dem Lande, auf dem Meere, durch unerwartete Veränderungen an Menschen, Städten und Völkern. Dadurch sollte die Sünde vernichtet werden.
Zuletzt aber war ein kräftigeres Heilmittel nötig gegen die schrecklicheren Krankheiten wie Mord, Ehebruch, Meineid, unnatürliche Wollust und, was das letzte und erste aller Übel, gegen Götzendienst und die Übertragung der Anbetung vom Schöpfer auf die Geschöpfe. Hiefür war stärkere Hifle nötig.
Und sie trat ein: Es war das Wort Gottes selbst, das vorzeitliche, unsichtbare, unbegrenzte, unkörperliche, der anfang vom Anfang, das Licht vom Lichte, die Quelle des Lebens und der Unsterblichkeit, der Abdruck der urbildlichen Schönheit, das unbewegliche Siegel, das unveränderliche Abbild, die Grenze und Erkenntnis des Vaters.
Dieses steigt zu seinem Ebenbild hernieder, wird Fleisch um des Fleisches willen, verbindet sich mit der vernünftigen Seele um meiner Seele willen, um so mit dem Gleichen das Gleiche zu reinigen. In allem, die Sünde ausgenommen, wird es Mensch, empfangen aus der Jungfrau, die zuvor durch den Geist gereinig worden ist an Seele und Leib, hervortretend als Gott mit der Menschheit, eine Einheit aus zwei entgegengesetzten Dingen, aus Fleisch und Geist, wovon das eine göttlich machte, das andere göttlich wurde.
O neue Verbindung, o wunderbare Vereinigung! Der Seiende wird, der Unerschaffene wird geschaffen, der Unendliche wird umschlossen in Gottheit und Stoff des Fleisches durch Vermittlung der vernünftigen Seele. Und der reich war, wird arm; er nimmt die Armut meines Fleisches an, damit ich den Reichtum seiner Gottheit empfange. Der die Fülle besitzt, entäußert sich seiner Herrlichkeit eine Zeitlang, damit ich teilnehme an seiner Fülle. Welch ein Reichtum der Güte! Welch ein Geheimnis, das mich angeht! Ich empfing das Ebenbild und bewahrte es nicht, und er nimmt mein Fleisch an, damit er das Ebenbild rette und das Fleisch unsterblich mache. Er geht eine zweite Gemeinschaft ein, eine wunderbarere als die frühere. Wie er fürher das Bessere gespendet hat, so nimmt er jetzt teil am Schlimmeren. Das ist noch göttlicher als das frühere, das ist noch erhabener in den Augen der Verständigen.

Und was sagen uns darauf die ränkevollen Ankläger und die bitteren Prüfer der Gottheit, die Tadler lobwürdiger Dinge, die blind sind gegen das Licht, die sich von der Weisheit nicht belehren lassen, für die Christus vergeblich gestorben ist, die undankbaren Geschöpfe, die Gebilde des Bösen?
Machst du es Gott zum Vorwurf, daß er mildtätig ist? Ist er deshalb klein, weil er um deinetwillen in Niedrigkeit erschienen ist? Weil der gute Hirte, der sein Leben hingibt für seine Schafe, dem verirrten nachging auf die Berge und Höhen, auf denen du opfertest, und das verirrte fand und das gefundene auf die Schulter nahm und es zurückbrachte zum höheren Leben und es dann den Nichtverirrten beizählte? Weil er eine Leuchte anzündete in seinem Fleisch und das Haus ausfegte, indem er die Welt von der Sünde reinigte, und den Groschen suchte, das königliche, durch die Leidenschaften verschüttete Bild, und seine lieben Nächsten zusammenrief, nachdem der Groschen sich gefunden hatte, und sie zu Genossen seiner Freude machte, sie, die er auch in seinen Heilsplan eingeweiht hatte.
Tadelst du das an Gott? Hältst du ihn darum für geringer, weil er sich mit einem leinenen Tuche umgürtet, seinen Jüngern die Füße gewaschen und als besten Weg zur Erhöhung die Demut gezeigt hat? Weil er sich um der am Boden liegenden Seele willen erniedrigte, um mit sich auch zu erhöhen, was wegen der Sünde sich nach unten neigt? Machst du ihm nicht auch das zum Vorwurf, daß er mit Zöllnern und bei Zöllnern speiste und Zöllner zu seinen Jüngern machte, um Sünder zu gewinnen. Dann müßte man auch den Arzt tadeln, daß er sich zu den Leidenden herabläßt, um Kranken die Gesundheit zu schenken.

(Gregor von Nazianz, Über die Geburt Christi 13-15, in: Texte der Kirchenväter 2, 179ff)


Christus mit den vier morgenländischen Kirchenvätern, Kathedrale von Ely, Bishop West´s Chantry Chapel