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Sonntag, 24. Mai 2026

Pfingsten ist Erfüllung von Tod und Auferstehung Jesu

Polychromes Relief in der Krakauer Marienkirche, Redemptoris mater 27,28 

Glasfenster in St Giles, Cambridge, Redemptoris mater 26 

Glasfenster im Kölner Dom, Hymnus Und wieder führt das Jahr.... 

Teppich in der Kathedrale von Como, Tagesgebet 

Glasmalerei in der St Aloysius R. C. Church, London (B16, Regina Coeli, 15. Mai 2005)

Glasfenster im Stift Lambrecht (Gebet von Johannes Baptist von la Salle) 

Glasfenster in Our Lady and the Martyrers, Cambridge (JP II. Gebet in Altötting)

Holzrelief in der Kathedrale von Orleans,  JP II, Gebet aus vita consecrata

 
 
Pfingsten, Kölner Dom

PAPSTMESSE AM HOCHFEST PFINGSTEN PREDIGT VON PAPST BENEDIKT XVI.

Vatikanische Basilika Sonntag, 12. Juni 2011

Liebe Brüder und Schwestern!

Wir feiern heute das bedeutende Hochfest Pfingsten. Wenn in einem gewissen Sinn alle liturgischen Hochfeste der Kirche bedeutend sind, so ist es Pfingsten in einer einzigartigen Weise, da es am fünfzigsten Tag die Erfüllung des Paschaereignisses, des Todes und der Auferstehung Jesu, des Herrn, durch die Gabe des Geistes des Auferstandenen bezeichnet. Auf Pfingsten hat uns die Kirche in den vergangenen Tagen mit ihrem Gebet vorbereitet, mit der wiederholten und innigen Anrufung Gottes, um eine neue Ausgießung des Heiligen Geistes über uns zu erlangen. Die Kirche hat so erneut erlebt, was an ihren Anfängen geschehen ist, als die im Abendmahlssaal von Jerusalem versammelten Apostel »dort einmütig im Gebet [verharrten], zusammen mit den Frauen und mit Maria, der Mutter Jesu, und mit seinen Brüdern« (Apg 1,14). Sie waren in demütiger und vertrauensvoller Erwartung versammelt, daß sich die ihnen von Jesus mitgeteilte Verheißung des Vaters erfülle: »Ihr aber werdet schon in wenigen Tagen mit dem Heiligen Geist getauft […] ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch herabkommen wird« (Apg 1,5.8).

In der Pfingstliturgie entspricht dem Bericht der Apostelgeschichte über das Entstehen der Kirche (vgl. Apg 2,1–11) der Psalm 104, den wir gehört haben: ein Lobpreis der ganzen Schöpfung, die dem Schöpfergeist huldigt, der alles mit Weisheit gemacht hat: »Herr, wie zahlreich sind deine Werke! Mit Weisheit hast du sie alle gemacht, die Erde ist voll von deinen Geschöpfen … Ewig währe die Herrlichkeit des Herrn; der Herr freue sich seiner Werke« (Ps 104,24.31). Was uns die Kirche sagen will, ist folgendes: Der Geist, Schöpfer aller Dinge, und der Heilige Geist, den Christus vom Vater auf die Gemeinde der Jünger herabsteigen hat lassen, sind ein und derselbe: Schöpfung und Erlösung gehören zueinander und bilden in der Tiefe ein einziges Geheimnis der Liebe und des Heils. Der Heilige Geist ist vor allem Schöpfergeist, und somit ist Pfingsten auch ein Fest der Schöpfung. Für uns Christen ist die Welt Frucht einer Liebestat Gottes, der alles gemacht hat und sich darüber freut, da es »gut«, »sehr gut« ist, wie der Schöpfungsbericht sagt (Gen 1,1–31). Daher ist Gott nicht der ganz Andere, unnennbar und geheimnisvoll. Gott offenbart sich, er hat ein Antlitz, Gott ist Vernunft, Gott ist Wille, Gott ist Liebe, Gott ist Schönheit. Der Glaube an den Schöpfergeist und der Glaube an den Geist, den der auferstandene Christus den Aposteln geschenkt hat und einem jeden von uns schenkt, sind untrennbar ineinander verschränkt.

Die zweite Lesung und das Evangelium von heute zeigen uns diese Verbindung. Der Heilige Geist ist es, der uns in Christus den Herrn erkennen läßt, und er läßt uns das Glaubensbekenntnis der Kirche sprechen: »Jesus ist der Herr« (vgl. 1 Kor 12,3b). »Herr« ist der Gott im Alten Testament gegebene Titel, ein Titel, der in der Lesung der Bibel den Platz seines unaussprechlichen Namen einnahm. Das Credo der Kirche ist nichts anderes als die Entfaltung dessen, was mit diesem einfachen Satz gesagt wird: »Jesus ist der Herr.« Von diesem Glaubensbekenntnis sagt uns der hl. Paulus, daß es sich gerade um das Wort und das Werk des Heiligen Geistes handele. Wenn wir im Geist sein wollen, so müssen wir diesem Credo zustimmen. Indem wir es uns zu eigen machen, indem wir es als unser Wort annehmen, haben wir Zugang zum Wirken des Heiligen Geistes.

Der Ausdruck »Jesus ist der Herr« kann in seinem zweifachen Sinn gelesen werden. Er bedeutet: Jesus ist Gott, und zugleich: Gott ist Jesus. Der Heilige Geist erhellt diese Gegenseitigkeit: Jesus besitzt göttliche Würde, und Gott hat das menschliche Antlitz Jesu. Gott zeigt sich in Jesus und schenkt uns damit die Wahrheit über uns selbst. Sich in der Tiefe von diesem Wort erleuchten zu lassen ist das Pfingstereignis. Wenn wir das Credo beten, treten wir in das Geheimnis des ersten Pfingsten ein: gegenüber der Unordnung Babels, gegenüber jenen Stimmen, die sich gegenseitig anschreien, vollzieht sich eine radikale Verwandlung: die Vielfalt wird zu einer vielgestaltigen Einheit, der einenden Macht der Wahrheit entwächst das Verstehen. Im Credo, das uns auf der ganzen Erde vereint, das es durch den Heiligen Geist möglich macht, daß man sich durch den Glauben, die Hoffnung und die Liebe auch in der Verschiedenheit der Sprachen versteht, bildet sich die neue Gemeinschaft der Kirche Gottes.

Der Abschnitt aus dem Evangelium bietet uns dann ein wunderbares Bild, um die Verbindung zwischen Jesus, dem Heiligen Geist und dem Vater zu erhellen: der Heilige Geist wird als der Hauch des auferstandenen Jesus Christus dargestellt (vgl. Joh 20,22). Der Evangelist Johannes nimmt hier ein Bild des Schöpfungsberichtes auf, wo es heißt, daß Gott in die Nase des Menschen den Lebensatem blies (vgl. Gen 2,7). Der Hauch Gottes ist Leben. Nun haucht der Herr in unsere Seele den neuen Lebensatem, den Heiligen Geist, sein innerstes Wesen, und auf diese Weise nimmt er uns in die Familie Gottes auf. Mit der Taufe und der Firmung hat er uns dieses Geschenk in einer spezifischen Weise gemacht, und mit den Sakramenten der Eucharistie und der Buße wiederholt es sich ständig: der Herr haucht in unsere Seele einen Lebensatem. Alle Sakramente, jedes auf seine Weise, teilen dem Menschen dank des Heiligen Geistes, der in ihnen wirkt, das göttliche Leben mit.

In der heutigen Liturgie nehmen wir noch eine weitere Verbindung wahr. Der Heilige Geist ist Schöpfer, er ist gleichzeitig Geist Jesu Christi, derart jedoch, daß der Vater, der Sohn und der Heilige Geist einer und ein einziger Gott sind. Und im Licht der ersten Lesung können wir hinzufügen: der Heilige Geist beseelt die Kirche. Sie entstammt nicht dem menschlichen Willen, dem Nachdenken, der Geschicktheit des Menschen oder seiner organisatorischen Fähigkeit, denn wäre dem so, so wäre sie schon seit langem untergegangen, wie alles Menschliche vergeht. Die Kirche ist vielmehr der vom Heiligen Geist beseelte Leib Christi. Die Bilder des Sturmes und des Feuers, die der hl. Lukas benutzt, um das Kommen des Heiligen Geistes darzustellen (vgl. Apg 2,2–3), erinnern an den Sinai, wo Gott sich dem Volk Israel offenbart und ihm den Bund mit ihm gewährt hatte. »Der ganze Sinai war in Rauch gehüllt«, so lesen wir im Buch Exodus, »denn der Herr war im Feuer auf ihn herabgestiegen « (19,18). Tatsächlich feierte Israel den fünfzigsten Tag nach dem Paschafest, nach dem Gedenken der Flucht aus Ägypten, als das Fest des Sinai, das Fest des Bundes. Wenn der hl. Lukas von Feuerzungen spricht, um den Heiligen Geist darzustellen, wird damit jenes alte Bündnis in Erinnerung gerufen, das auf der Grundlage des von Israel auf dem Sinai empfangenen Gesetzes besiegelt worden war. So wird das Pfingstereignis als ein neuer Sinai dargestellt, als die Gabe eines neuen Bündnisses, in dem der Bund mit Israel auf alle Völker der Erde ausgeweitet wird, in dem alle Beschränkungen des alten Gesetzes fallen und dessen heiligstes und unveränderliches Herz zutage tritt, das heißt die Liebe, die gerade der Heilige Geist mitteilt und ausgießt, die Liebe, die alle Dinge umfaßt. Gleichzeitig wird das Gesetz weiter, es öffnet sich und wird dabei dennoch einfacher: Es ist das neue Bündnis, das der Heilige Geist in die Herzen all derer einschreibt, die an Christus glauben. Die Ausweitung des Bündnisses auf alle Völker der Erde wird vom hl. Lukas durch eine für jenes Zeitalter beachtenswerte Aufzählung von Völkern dargestellt (vgl. Apg 2,9–11).

Damit wird uns etwas sehr Wichtiges gesagt: daß die Kirche vom ersten Augenblick an katholisch ist, daß ihre Universalität nicht das Ergebnis einer späteren Aufnahme verschiedener Gemeinschaften ist. Vom ersten Augenblick an hat sie nämlich der Heilige Geist als Kirche aller Völker geschaffen; sie umfaßt die ganze Welt, sie überwindet die Grenzen von Rasse, Klasse und Nation; sie reißt alle Schranken nieder und vereint die Menschen im Bekenntnis des einen und dreifaltigen Gottes. Von Anbeginn ist die Kirche die eine, katholische und apostolische Kirche: dies ist ihr wahres Wesen und als solche muß sie anerkannt werden. Sie ist nicht dank der Fähigkeiten ihrer Glieder heilig, sondern weil Gott selbst sie mit seinem Geist schafft, reinigt und immer heiligt. Schließlich schenkt uns das heutige Evangelium diesen wunderschönen Ausdruck: »Da freuten sich die Jünger, daß sie den Herrn sahen« (Joh 20,20). Diese Worte sind zutiefst menschlich. Der verlorene Freund ist wieder gegenwärtig, und wer vorher fassungslos war, freut sich nun. Doch er besagt viel mehr. Denn der verlorene Freund kommt nicht von irgendwo her, sondern aus der Nacht des Todes; und er hat sie durchschritten! Er ist nicht irgendeiner, sondern er ist der Freund und zugleich jener, der die Wahrheit ist, die die Menschen leben läßt; und was er schenkt, ist nicht irgendeine Freude, sondern die Freude schlechthin, Gabe des Heiligen Geistes. Ja, es ist schön zu leben, da ich geliebt bin, und es ist die Wahrheit, die mich liebt. Die Jünger freuten sich, daß sie den Herrn sahen. Heute, am Pfingstfest, gelten diese Worte auch uns, da wir ihn im Glauben sehen können; im Glauben kommt er unter uns und zeigt auch uns die Hände und die Seite, und wir freuen uns darüber. Daher wollen wir beten: Herr, zeige dich! Schenke uns deine Gegenwart, und so werden wir das schönste Geschenk haben: deine Freude. Amen!



Johannes Klein Fenster, Jesus von Nazareth, Kölner Dom

Samstag, 23. Mai 2026

Einmütig im Gebet mit Maria

 

Altar der Schmuckmadonna, Kölner Dom, oben die Anbetung der Könige

Die prächtige Altarwand aus schwarzem Marmor und hellem Alabaster bildete ehemals die Schauseite des barocken Dreikönigenmausoleums in der Achskapelle, um 1668-83 von Heribert Neuss geschaffen.

Nach dem Abbruch 1889 wurde die Vorderfront 1920 leicht verändert als Dreikönigenaltar wiederaufgebaut. Über dem säulengeschmückten Hauptgeschoß erhebt sich ein Giebel mit dem Stern von Bethlehem als Bekrönung. Die flankierenden Alabasterstatuen der hll. Felix und Nabor wurden 1699 von Michiel van der Voort aus Antwerpen hinzugefügt. Vor dem Gitter inmitten der Schauwand, hinter dem bis 1948 der Dreikönigenschrein in der Schatzkammer sichtbar war, steht seit 1963 die Schmuckmadonna.
Hildegard Schäfer M.A., Kunsthistorikerin, Quelle

 

Die Jünger verharrten einmütig im Gebet,
zusammen mit den Frauen und mit Maria, der Mutter Jesu,
und mit seinen Brüdern. Halleluja.

Eröffnungsvers vom Samstag vor Pfingsten

Maria, erbitte uns die Fülle des hl. Geistes

Montag, 6. Oktober 2025

Freut euch

 

Dreifaltigkeit mit Evangelisten, Maria und Johannes d. Taufer; Kölner Dom 

Bruno in Fatima

Der Tod des hl. Bruno, St. Severin, Köln

Statue im Petersdom

Glasfenster im Kölner Dom

Seitenaltar der ehemaligen Kartäuserkirche von S. Maria degli Angeli e dei Martiri, Rom

Statue von Bruno von Köln in S. Maria degli Angeli e dei Martiri, Rom UND Altarbild Maria erscheint dem hl. Bruno, ebendort

Heute gedenkt die Kirche auch des hl. Adalbero von Würzburg.

Ordensgründer unter dem Richterfenster, Kölner Dom
Erklärung HIER

Bruno (+ 1101)

Aus einem Brief an seine Söhne, die Kartäuser

Mein Geist juble im Herrn

Durch die wiederholten Berichte unseres heiligen Bruders Landowin weiß ich von dem unbeugsamen Ernst eurer klugen und lobenswerten Lebensordnung. Ich habe von eurer heiligen Liebe gehört und von eurem Eifer für alle, die lauter und ehrbar sind. Darüber jubelt mein Geist im Herrn. Ich juble wirklich, und es drängt mich, dem Herrn Lob und Dank zu sagen. Dennoch muss ich bitter seufzen. Ich juble zwar, wie es recht ist, über die wachsende Frucht eurer Tugend. Doch über mich selbst empfinde ich Schmerz und Scham, weil ich untätig und träge im Elend meiner Sünden verharre.

Freut euch also, meine lieben Brüder, dass ihr ein glückliches Los habt und dass die Hand Gottes für euch voll von Gnade ist. Freut euch, dass ihr den vielfältigen Gefahren und dem Schiffbruch auf den Wogen dieser Welt entgangen seid. Freut euch, dass ihr den stillen und sicheren Hafenplatz der inneren Welt erreicht habt. Viele wollten schon dahin gelangen, viele gaben sich auch einige Mühe, versuchten es, kamen aber nicht hin. Viele hatten es schon erreicht, wurden aber ausgeschlossen. Es war ihnen nicht vergönnt.

Haltet es für sicher und bewiesen: Wer dieses begehrenswerte Gut genießen darf, aber etwas davon wieder verliert, der wird es bis zum Ende beklagen – wenn ihm das Heil seiner Seele überhaupt noch etwas bedeutet und irgendeiner Mühe wert ist. Euretwegen, meine lieben Laienbrüder, sage ich: „Meine Seele priest die Grüße des Herrn,“1 Denn euer lobenswerter Prior und Vater beglückwünscht sich euretwegen sehr und freut sich. Ich sehe aus seinem Bericht, wie groß die Barmherzigkeit Gottes über euch ist. So will also auch ich mich freuen. Ihr könnt zwar nicht schreiben, aber Gott kann mit seinem Finger nicht nur die Liebe in euer Herz einzeichnen, sondern auch die Kenntnis seines heiligen Gesetzes. Denn durch die Arbeit zeigt ihr, was ihr liebt und was ihr wisst. Mit aller Sorgfalt und allem Eifer beobachtet ihr wahren Gehorsam, und so ist es offenbar, dass es euch gegeben ist, mit Weisheit im Garten Gottes die süßen und lebensspendenden Früchte der Heiligen Schrift zu lesen.

(1) Lk 1,46.


Benedikt, Dominikus, Franzikus, Bruno, Ignatius, Theresa von Avila

Donnerstag, 2. Januar 2025

Gleiche Hoffnung auf Erkenntnis bestimmte uns beiden den Weg

 

Basilius der Große und Gregor von Nazianz, Kölner Dom

Eine Seele lebt in zwei Körpern
 
In Athen fanden wir beide, Basilius und ich, uns vereint. Athen hatte uns wieder! Wie wenn sich ein Gewässer an der einen heimatlichen Quelle teilt, so hatte uns das Verlangen nach Bildung in verschiedene Richtungen auseinandergetrieben; nun waren wir wieder in Athen beieinander, als ob wir es so verabredet hätten, in Wirklichkeit aber, weil Gott es so gefügt hatte. Damals verehrte ich meinen großen Basilius, weil ich seine ernste Lebensauffassung sah und die Reife und Klugheit seiner Reden. Aber ich verehrte ihn nicht allein, sondern ich gewann auch andere für ihn, jüngere, die ihn noch nicht kannten. Ich gewann sie, dass sie ihn wertschätzten wie ich. Aber die meisten schenkten ihm gleich ihre Verehrung, weil sie ihn vom Hörensagen schon kannten. Nach einiger Zeit gestanden wir einander unsere gemeinsame Neigung: die Philosophie, um die es uns ging. Damals schon bedeuteten wir uns alles: wir lebten unter demselben Dach, aßen am gleichen Tisch, arbeiteten zusammen, hatten die gleichen Interessen, und einer weckte stets im andern wärmeres und festeres Verlangen. Gleiche Hoffnung auf Erkenntnis bestimmte uns beiden den Weg, Hoffnung auf Erkenntnis, um die doch die Menschen einander am meisten beneiden. Aber zwischen uns gab es den Neid nicht. Und doch war uns ein Wettkampf wichtig: Das war der Streit zwischen uns, nicht, wer den ersten Preis gewänne, sondern wer ihn den andern gewinnen lasse. Denn jeder hielt den Ruhm des andern für seinen eigenen. Eine Seele lebte in zwei Körpern. Wenn auch die Philosophen keinen Glauben verdienen, nach denen alles in allem gegenwärtig sein soll, so darf man doch uns glauben, dass jeder im andern und beim andern war.
Unser beider Wirken und Streben galt der Tugend, auf die künftige Hoffnung hin zu leben und uns so einzustellen, dass wir schon vor dem Scheiden aus dieser Welt Abschied von ihr nahmen. Das stand uns vor Augen, und danach richteten wir das Leben und alles Tun. Wir hielten die Gebote Gottes und eiferten einander an zum Ringen um das Gute. Wenn es nicht zu anmaßend scheint, möchte ich sagen: einer war dem andern Norm und Richtmaß, nach dem er das Rechte vom Falschen unterschied. Der eine hat diesen, der andere jenen Zunamen. Er hat ihn von den Eltern geerbt oder ihn durch eigenes Mühen und Arbeiten erworben. Uns aber war es die eine große Wirklichkeit und der eine große Name: Christen zu sein und Christen zu heißen.

Sonntag, 19. Mai 2024

Sende aus Deinen Geist und das Antlitz der Erde wird neu

 

Und wieder führt das Jahr herauf
der sel’gen Freude hohen Tag:
Der Beistand, den der Herr verhieß,
wird seinen Jüngern heut geschenkt.

In Flammen stürzt das Licht herab
und strahlt in Feuerzungen auf,
dass Glut der Liebe sie durchströmt
und ihrem Worte Macht verleiht.

In allen Sprachen reden sie,
die Menge staunt und steht gebannt,
man glaubt vom Weine sie berauscht,
die doch vom Geiste trunken sind.

Wir bitten dich, du guter Gott,
mit tief geneigtem Angesicht:
Des Geistes Gabe gieße nun
auch über uns in Gnaden aus.

Dir, Gott und Vater, sei der Ruhm,
dem Sohne, der vom Tod erstand,
dem Geist, der unser Beistand ist,
durch alle Zeit und Ewigkeit. Amen.

Donnerstag, 21. Oktober 2021

Ursula im Kölner Dom

 

Heilige Ursula, bitte für uns!

Gott, du hast der heiligen Ursula und ihren Gefährtinnen

Kraft und Standhaftigkeit im Martyrium gegeben

und sie so zur Schau deiner Herrlichkeit geführt.

Stärke uns auf ihre Fürbitte im Glauben und in der Liebe

und gib uns ewige Gemeinschaft mit ihnen.

Darum bitten wir durch Jesus Christus.

 

Die aus Holz geschnitzte Figur der hl. Ursula gelangte erst 1893 aus der Sammlung des Frankfurter Stadtpfarrers Ernst Franz August Münzenberger in den Dom. Über einer Wappenengelkonsole stehend, hält die modisch gekleidete Heilige in ihrer linken Hand einen Pfeil, der auf ihr in Köln erlittenes Martyrium hinweist. Ihre Rechte streckt sie schützend über eine Gruppe von zehn Jungfrauen aus, die unter ihrem weiten Mantel Zuflucht gefunden haben. Der Typus der Schutzmantel-Ursula fand innerhalb der Kölner Ursulaverehrung des 15. und 16. Jahrhunderts besonders große Verbreitung. In ihrer Elfzahl nimmt die Skulptur Bezug auf die Ursulalegende.
(Quelle: kölnerdomde)

Der Schrein der hl. Ursula

Fenster der Ursula mit ihren Gefährtinnen (Kölner Ursulakirche) und der Hymnus zu Ehren der elftausend Jungfrauen von Hildegard von Bingen

Am Grab der hl. Ursula in Köln, Ursulalegende

Schutzmantelursula und Leben der hl. Ursula

 

Heute gedenkt die Kirche auch des sel. Karl von Österreich

Kraft aus der Anbetung (Reliquiar des sel. Karl)
 
Ein Kaiser nach dem Herzen Jesu (Glasfenster in Maria Taferl mit Karl und Zita als Fürsprecher)

Donnerstag, 7. Januar 2021

Krippe und Kreuz (Das Anbetungsfenster aus dem Bayernfensterzyklus im Kölner Dom)

 

Hirten und Könige beten Christus den Herrn an, Anbetungsfenster, Kölner Dom


 

Das Licht, das in der Weihnachtsnacht erstrahlt ist und die Grotte von Betlehem erleuchtet, wo Maria, Josef und die Hirten in stiller Anbetung verharren, erstrahlt und offenbart sich heute allen. Epiphanie – Erscheinung des Herrn – ist ein Lichtmysterium, symbolisch angezeigt von dem Stern, der den Weg der Sterndeuter lenkte. Die wahre Lichtquelle, »das aufstrahlende Licht aus der Höhe« (Lk 1,78), ist jedoch Christus. Im Geheimnis von Weihnachten erstrahlt das Licht Christi über die ganze Erde, indem es sich gleichsam in konzentrischen Kreisen ausbreitet. Zunächst über der Heiligen Familie aus Nazaret: Die Jungfrau Maria und Josef werden von der göttlichen Anwesenheit des Jesuskindes erleuchtet. Das Licht des Erlösers offenbart sich dann den Hirten aus Betlehem, die nach dem Hinweis des Engels sogleich zur Grotte eilen und dort das ihnen angekündigte »Zeichen« finden: ein Kind, das in Windeln gewickelt in einer Krippe liegt (vgl. Lk 2,12). Die Hirten verkörpern, zusammen mit Maria und Josef, jenen »Rest Israels«: die Armen, die »anawim«, denen die Frohe Botschaft verkündet wird. Schließlich erreicht der Glanz Christi die Sterndeuter, welche die Erstlinge der heidnischen Völker darstellen. Im Schatten bleiben die Paläste der Mächtigen von Jerusalem, wohin die Nachricht von der Geburt des Messias paradoxerweise gerade von diesen Sterndeutern gebracht wird und dort keine Freude weckt, sondern Furcht und feindselige Reaktionen auslöst. Geheimnisvoller göttlicher Plan: »Das Licht kam in die Welt, und die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht; denn ihre Taten waren böse« (Joh 3,19).

Aber was ist dieses Licht? Ist es lediglich eine eindrucksvolle Metapher oder entspricht dem Bild eine reale Gegebenheit? Der Apostel Johannes schreibt in seinem ersten Brief: »Gott ist Licht, und keine Finsternis ist in ihm« (1 Joh 1,5); und später fügt er hinzu: »Gott ist Liebe«. Zusammengenommen verhelfen uns diese beiden Aussagen zu einem besseren Verstehen des Geschehens: Das zu Weihnachten erschienene Licht, das sich heute den Völkern zeigt, ist die Liebe Gottes, die in der Person des fleischgewordenen Wortes offenbar geworden ist. Angezogen von diesem Licht treffen die Sterndeuter aus dem Osten ein. Im Geheimnis der Epiphanie zeigt sich also neben einer Bewegung der Ausstrahlung nach außen eine Bewegung der Anziehung hin zum Zentrum, welche die schon in den Alten Bund eingeschriebene Bewegung vollendet. Die Quelle dieses Dynamismus ist Gott – ein einziger in seinem Wesen, dreifaltig in seinen Personen –, der alles und alle an sich zieht. Die Person des menschgewordenen Wortes erscheint somit als Prinzip der Versöhnung und universalen Einigung (vgl. Eph 1,9–10).
Christus ist das Endziel der Geschichte, der Ankunftspunkt eines »Exodus«, eines von der Vorsehung bestimmten Erlösungsweges, der in seinem Tod und in seiner Auferstehung endet. Darum sieht die Liturgie am Hochfest der Erscheinung des Herrn die sogenannte »Ankündigung des Osterfestes« vor: Das Kirchenjahr faßt in der Tat die gesamte Erzählung der Heilsgeschichte zusammen, in deren Zentrum »das Triduum des gekreuzigten, begrabenen und auferstandenen Herrn« steht.
(Papst Benedikt XVI, aus der Predigt vom 6.1.2006)

 


Wir beten Dich an, Herr, Jesus Christus und preisen Dich,

denn durch Dein heiliges Kreuz hast Du die Welt erlöst.