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Montag, 29. Juni 2026

Peter und Paul, im Dienst des Glaubens

Nicht der Todestag der beiden Apostel wird heute gefeiert, sondern die vermutliche Übertragung ihrer Reliquien in die Katakombe an der Via Appia, nahe bei der heutigen Kirche San Sebastiano. Das heutige Fest wird zum ersten Mal im römischen Staatskalender von 354 erwähnt. Simon, Bruder des Andreas, stammte aus Betsaida in Galiläa, war verheiratet, von Beruf Fischer. Jesus gab ihm den Namen Kephas = „Fels“ (woraus lat. Petrus wurde). Petrus wird in allen Apostelverzeichnissen als Erster genannt. Nach dem Weggang Jesu übernahm er die Führung der Gemeinde in Jerusalem. Er nahm auch den ersten Heiden in die Kirche auf (Apg 10, 11). Sein Aufenthalt in Rom und sein Märtyrertod unter Kaiser Nero (zw. 64 und 67) können als historisch gesichert gelten.
Als Todesjahr des Paulus wird 67 genannt. Früher gab es am 30. Juni noch einen besonderen Gedenktag des heiligen Paulus; er steht seit 1970 nicht mehr im römischen Kalender; stattdessen hat das Fest der Bekehrung des heiligen Paulus (25. Januar) einen höheren Rang erhalten. (erzabteibeuron)

 

Flucht des Paulus aus Damaskus, Apg 9,23ff
Glasfenster des hl. Paulus in Corbigny la Seine

Die Begebenheit wird an zwei Stellen im Neuen Testament erwähnt:

  1. Apostelgeschichte 9,23–25

    „Als aber viele Tage vergangen waren, beschlossen die Juden, ihn zu töten. Doch ihr Anschlag wurde dem Saulus bekannt. Sie bewachten sogar Tag und Nacht die Tore, um ihn umzubringen. Da nahmen ihn seine Jünger bei Nacht und ließen ihn in einem Korb durch eine Öffnung in der Mauer hinab.“

  2. 2. Korinther 11,32–33

    „In Damaskus ließ der Statthalter des Königs Aretas die Stadt der Damaszener bewachen, um mich festzunehmen. Und ich wurde in einem Korb durch ein Fenster in der Mauer hinabgelassen und entkam seinen Händen.“ 

    In Apostelgeschichte 9 schildert Lukas die Flucht des damals noch Saulus genannten Paulus aus Damaskus.In 2. Korinther 11 erwähnt Paulus dieselbe Flucht selbst als Beispiel für seine Schwachheit und dafür, wie Gott ihn bewahrt hat. Dort erfahren wir zusätzlich, dass die Stadt unter der Bewachung eines Statthalters des Königs Aretas IV stand.

    Heilung eines Gelähmten durch Petrus an der schönen Pforte
    Corbigny la Seine

In Apostelgeschichte 3,6ff begegnen Petrus und Johannes einem Mann, der von Geburt an gelähmt ist und an der Tempelpforte sitzt, die „die Schöne“ genannt wird.

„Petrus aber sprach: Silber und Gold habe ich nicht; was ich aber habe, das gebe ich dir: Im Namen Jesu Christi von Nazareth, steh auf und geh umher! Und er ergriff ihn bei der rechten Hand und richtete ihn auf. Sogleich wurden seine Füße und Knöchel fest; er sprang auf, konnte stehen und ging umher und trat mit ihnen in den Tempel, ging umher, sprang und lobte Gott.“

Diese Heilung führte anschließend zu einer Predigt des Petrus im Tempel (Apostelgeschichte 3,11–26) und trug wesentlich zur Ausbreitung der jungen Gemeinde bei.

Corbigny la Seine, Frankreich

Herr, unser Gott,
durch die Apostel Petrus und Paulus
hast du in der Kirche den Grund des Glaubens gelegt.
Auf ihre Fürsprache hin
erhalte und vollende diesen Glauben,
der uns zum ewigen Heil führt.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Mittwoch, 11. Juni 2025

Die Aussendung des Barnabas und des Saulus

 

Weihe von Saulus und Barnabas, F. Podesti, 1826-1901,
St Paul vor den Mauern, Rom
 

1 Es waren aber in Antiochia in der Gemeinde Propheten und Lehrer, nämlich Barnabas und Simeon, genannt Niger, und Luzius von Kyrene und Manaën, der mit dem Landesfürsten Herodes erzogen worden war, und Saulus. 2 Als sie aber Gottesdienst hielten und fasteten, sprach der Heilige Geist: Sondert mir aus Barnabas und Saulus zu dem Werk, zu dem ich sie berufen habe. 3 Da fasteten sie und beteten und legten ihnen die Hände auf und ließen sie ziehen. (Lutherbibel, Apg 13)

Barnabas und Saulus, Glasfenster in St Mary´s Episcopal Church, Glasgow

Glasfenster in der katholischen Kathedrale in Nottingham, Handauflegung und Sendung 

aus dem Pauluszyklus in St. Paul vor den Mauern, Paulus und Barnabas in Lystra, Apg 14,8

Statue in St Alban´s Church /Holborn, London, Tagesgebet

Barnabas, St Mary the Great, Cambridge, Leben 

 
Barnabas, Apostel, Märtyrer
Namensdeutung: Sohn der Prophetie, des Trostes (aramäisch)
Namenstage: Barnabas, Barnabé, Barnabò, Barnaby, Bernabéu, Bernabé
Gedenktag: 11. Juni

Lebensdaten: gestorben 61 in Salamis, Zypern

Lebensgeschichte: Der griechischsprachige Levit Jose, Barnabas genannt, stammte von Zypern und gehörte zu den 72 Jüngern Jesu, die Jesus seit der Taufe im Jordan gefolgt waren. In der Apostelgeschichte heißt es, dass er sein Gut verkaufte und das Geld den Aposteln überließ.

Vielleicht hatte er Paulus schon von gemeinsamen Studientagen gekannt, jedenfalls war er es, der Paulus nach dessen Bekehrung aufnahm und der Jerusalemer Gemeinde als Apostel der Heiden empfahl. Als Barnabas ausgesandt wurde, die Gemeinde in Antiochia zu betreuen, nahm er Paulus mit, und auch später waren sie gemeinsam unterwegs: Sie reisten 51 miteinander zum Apostelkonzil nach Jerusalem und kamen von dort nach Antiochia zurück.

Nach Meinungsverschiedenheiten wegen der Frage der Verbindlichkeit des jüdischen Gesetzes für die Heidenchristen und darüber, ob Johannes Markus mit auf die zweite Missionsreise genommen werden sollte, trennten sich ihre Wege. Barnabas reiste mit Markus nach Zypern, wo er viele Jahre das Evangelium verkündete und Kranke durch Auflegen des Matthäusevangeliums heilte, das er bei sich trug.

Der Legende nach soll er auch in Rom gepredigt und sogar den späteren Bischof Clemens I. getauft haben. In Mailand soll Barnabas dann selber Bischof gewesen sein. Nach örtlicher Überlieferung wurde er allerdings auf Zypern gesteinigt.

Verehrung: Reliquien des heiligen Barnabas werden in Köln, Andechs, Prag, Toulouse und Namur verehrt. In Mailand feiert man sein Fest bereits seit dem 5. Jahrhundert.

Darstellung: mit Evangelienbuch, Stein oder Ölzweig, häufig mit dem Apostel Paulus zusammen

Patron: von Zypern, Mailand, Florenz und Logroño, der Weber, Böttcher und Küfer, Helfer bei Steinschlag, Hagel, Streit und Traurigkeit

(bistumaugsburg) 

Apsismosaik in St. Paul vor den Mauern, Rom

Sonntag, 18. Mai 2025

Paulus und Barnabas stärkten die Seelen der Jünger

 

Barnabas mit Paulus, St Mary´s Episcopal Cathedral, Glasgow

Lesung aus der Apostelgeschichte 14

In jenen Tagen
21b kehrten Paulus und Bárnabas
nach Lystra, Ikónion und Antióchia zurück.
22 Sie stärkten die Seelen der Jünger
und ermahnten sie, treu am Glauben festzuhalten;
sie sagten:
Durch viele Drangsale
müssen wir in das Reich Gottes gelangen.
23 Sie setzten für sie in jeder Gemeinde Älteste ein
und empfahlen sie unter Gebet und Fasten dem Herrn,
an den sie nun glaubten.
24 Nachdem sie durch Pisídien gezogen waren,
kamen sie nach Pamphýlien,
25 verkündeten in Perge das Wort
und gingen dann nach Attália hinab.
26 Von dort segelten sie nach Antióchia,
wo man sie für das Werk, das sie nun vollbracht hatten,
der Gnade Gottes übereignet hatte.
27 Als sie dort angekommen waren,
riefen sie die Gemeinde zusammen
und berichteten alles, was Gott mit ihnen zusammen getan
und dass er den Heiden die Tür zum Glauben geöffnet hatte.


St Mary´s Episcopal Cathedral, Glasgow

Dienstag, 11. Juni 2024

Und sie legten ihnen die Hände auf

 

Sendung von Paulus und Barnabas,
Kathedrale des hl. Barnabas, Nottingham

 

Auf Zypern beheimatet, gehörte Barnabas zu den ersten Gläubigen in der Jerusalemer Urgemeinde. Er vermittelte zwischen Paulus und den Aposteln in Jerusalem, missionierte in Antiochien und ging mit Paulus nach Zypern. Später wirkte er in Griechenland. Wichtig ist auch seine Rolle auf dem „Apostelkonzil“, wo er für die Freiheit der Heiden vom alttestamentlichen Gesetz eintrat. Nach späteren Berichten soll er im zyprischen Salamis gesteinigt worden sein. Der 11. Juni gilt in der östlichen und westlichen Überlieferung als der Tag der Auffindung seiner Gebeine unter Kaiser Zeno (474–491).

 

Lesung aus der Apostelgeschichte.

Apg 11, 21b–26; 13, 1–3

In jenen Tagen
21 wurden viele gläubig und bekehrten sich zum Herrn.
22Die Nachricht davon kam der Gemeinde von Jerusalem zu Ohren
und sie schickten Bárnabas nach Antióchia.
23Als er ankam und die Gnade Gottes sah,
freute er sich
und ermahnte alle, dem Herrn treu zu bleiben,
wie sie es sich im Herzen vorgenommen hatten.
24Denn er war ein trefflicher Mann,
erfüllt vom Heiligen Geist und von Glauben.
So wurde für den Herrn viel Volk hinzugewonnen.
25Bárnabas aber zog nach Tarsus, um Saulus aufzusuchen.
26Er fand ihn und nahm ihn nach Antióchia mit.
Dort wirkten sie miteinander ein volles Jahr in der Gemeinde
und lehrten eine große Zahl von Menschen.
In Antióchia nannte man die Jünger
zum ersten Mal Christen.
13,1 In der Gemeinde von Antióchia gab es Propheten und Lehrer:
Bárnabas und Símeon, genannt Niger,
Lúcius von Kyréne,
Mánaën, ein Jugendgefährte des Tetrárchen Heródes, und Saulus.
2Als sie zu Ehren des Herrn Gottesdienst feierten und fasteten,
sprach der Heilige Geist:
Wählt mir Bárnabas und Saulus
zu dem Werk aus, zu dem ich sie berufen habe!
3Da fasteten und beteten sie,
legten ihnen die Hände auf
und ließen sie ziehen.

Cathedral Church of St. Barnabas, Nottingham

Donnerstag, 29. Juni 2023

Die Apostelfürsten

 

Christus zw. Petrus und Paulus, Holzfigur, 14. Jh.

Apostelfürsten, Märtyrer
Namensdeutung: Petrus: der Fels (griech.-lat.), Paulus: der Geringe (lat.)
Namenstage: Petrus, Peter, Pier, Pierre, Pietro, Pedro, Pit, Pere, weibl.: Petra, Pierrette; Paulus, Paul, Pablo, Paolo, Pál, Pavel, Pol, Poul, Pavo, weibl.: Paula, Paulina, Pauline
Gedenktag: 29. Juni

Lebensdaten von Petrus: geboren in Kafarnaum, Galiläa, gestorben 64 in Rom; von Paulus: geboren in Tarsus, gestorben 67 in Rom

Lebensgeschichten: Simon bar Jona (Sohn des Jona) war verheiratet, lebte als Fischer am See Genezareth und wurde von seinem Bruder Andreas zu Jesus geführt, der ihm den Namen Kephas – Petrus, das heißt Fels, gab (Joh 1,42) und ihn ins enge Vertrauen zog. Petrus war Zeuge aller besonderen Ereignisse im Leben Jesu und trat mit unbestrittener Autorität als Sprecher der zwölf Jünger auf. Als Petrus Jesus als den Messias, den Sohn des lebendigen Gottes bekannte, verhieß Jesus, auf diesem Felsen seine Kirche zu bauen und Petrus die Schlüssel des Himmelreichs zu übergeben (Mt 16,16–19). Darauf und auf die Aufforderung Jesu an Petrus, seine Schafe zu weiden und seine Brüder zu stärken (Joh 21,15–17; Lk 22,32), gründet der Anspruch der Bischöfe von Rom auf das Petrusamt: als Päpste die katholische Kirche zu leiten. Petrus gelangte im Jahr 43 nach Rom, nachdem er in Jerusalem bereits die Apostelkirche gemeinsam mit dem Herrenbruder Jakobus geleitet und mehrere Missionsreisen unternommen hatte. In Rom wurde er unter Kaiser Nero mit dem Kopf nach unten gekreuzigt. Über seinem Grab erhebt sich der Petersdom.

Saulus Paulus war ein Pharisäer und römischer Bürger und erhielt seine gründliche Ausbildung beim berühmten Gesetzeslehrer Gamaliel in Jerusalem. Nach jüdischer Sitte hatte er auch ein Handwerk gelernt: Zeltmacher. Im Neuen Testament tritt er zum ersten Mal bei der Steinigung des Stephanus auf (Apg 7,58). Er wütete gegen die Christen als jüdische Ketzer und ließ sich als ihr Verfolger bevollmächtigen, bis Jesus ihm vor Damaskus erschien und er sich leidenschaftlich zum Herrn bekehrte und taufen ließ. Drei Jahre später unternahm er im Auftrag der Apostel eine erste Missionsreise, der noch weitere folgen sollten, die ihn besonders zu den Heiden, das heißt den Nichtjuden, führten, und an deren Ende er – als Gefangener – im Jahr 61 nach Rom gelangte. Dort wurde er mit dem Schwert enthauptet. Sein Grab befindet sich in der Basilika Sankt Paul vor den Mauern. Die Briefe des heiligen Paulus, der für sich ebenfalls das Apostelamt beanspruchte, gehören zu den ältesten Teilen des Neuen Testaments und prägen mit ihrer Theologie den Glauben der Kirche bis heute.

Verehrung: Der gemeinsame Gedenktag ist zum ersten Mal für das Jahr 258 bezeugt. Priesterweihen finden traditionell um den 29. Juni herum statt und verweisen so auf die beiden Apostel als Säulen des Glaubens.

Darstellung: Paulus mit Buch und Schwert, Petrus mit Schlüssel und umgekehrtem Kreuz, selten mit Hahn

Patronate von Petrus: der Päpste, der Stadt Osnabrück, des Erzbistums Berlin, des Kantons Genf, der Metzger, Glaser, Schreiner, Uhrmacher, Schlosser, Schmiede, Bleigießer, Töpfer, Maurer, Ziegelbrenner, Brückenbauer, Steinhauer, Netzmacher, Tuchweber, Walker, Fischer, Fischhändler, Schiffer, Schiffbrüchigen, der Beichtenden, Büßer, Jungfrauen, Helfer gegen Schlangenbiss, Tollwut, Besessenheit, Fieber, Diebstahl, Fußleiden, und Wetterpatron; von Paulus: der katholischen Presse, der Arbeiterinnen, Theologen, Seelsorger, Zeltmacher, Weber, Teppichweber, Sattler, Seiler, Korbmacher, Helfer gegen Ohrenleiden und Krämpfe, Angst, Schlangenbiss, für Regen und Fruchtbarkeit der Felder

(bistumaugsburg)

Pfarrkirche Spitz an der Donau zum hl. Mauritius, Christus und die zwölf Apostel

Samstag, 11. Juni 2022

Barnabas bringt Paulus zu den Aposteln

Barnabas re bringt Paulus li zu den Aposteln,
St Paul, Knightsbridge, London

 22 Saulus aber gewann immer mehr an Kraft und trieb die Juden in die Enge, die in Damaskus wohnten, und bewies, dass dieser der Christus ist. 23 Und nach vielen Tagen hielten die Juden einen Rat, dass sie ihn töteten. 24 Ihr Plan aber wurde Saulus bekannt. Sie bewachten Tag und Nacht auch die Tore, um ihn zu töten. 25 Da nahmen ihn seine Jünger bei Nacht und ließen ihn in einem Korb die Mauer hinab. 26 Als er aber nach Jerusalem kam, versuchte er, sich zu den Jüngern zu halten; doch sie fürchteten sich alle vor ihm und glaubten nicht, dass er ein Jünger wäre.
27 Barnabas aber nahm ihn zu sich und führte ihn zu den Aposteln und erzählte ihnen, wie Saulus auf dem Wege den Herrn gesehen und dass der mit ihm geredet und wie er in Damaskus im Namen Jesu frei und offen gepredigt habe. 28 Und er ging bei ihnen in Jerusalem ein und aus und predigte im Namen des Herrn frei und offen. 29 Er redete und stritt auch mit den griechischen Juden; aber sie stellten ihm nach, um ihn zu töten. 30 Als das die Brüder erfuhren, geleiteten sie ihn nach Cäsarea und schickten ihn weiter nach Tarsus. 31 So hatte nun die Gemeinde Frieden in ganz Judäa und Galiläa und Samarien und baute sich auf und lebte in der Furcht des Herrn und mehrte sich unter dem Beistand des Heiligen Geistes. (Apostelgeschichte 9)

aus dem Pauluszyklus in St. Paul vor den Mauern

Statue in St Alban´s Church /Holborn, London, Tagesgebet

Barnabas, St Mary the Great, Cambridge, Leben

Barnabas, „ein trefflicher Mann, erfüllt vom Heiligen Geist und Glauben“ (Apg 11,23), wird in der Apostelgeschichte (14,4) als Apostel bezeichnet, obwohl er nicht zum Kreis der Zwölf gehörte. Er war Diasporajude aus Zypern, gehörte zum Stamm Levi und hieß ursprünglich Josef. Wann und wie er Christ wurde, wissen wir nicht. In Apg 4,36-37 wird seine Hochherzigkeit gerühmt.
Er war es, der den neubekehrten Saulus bei den verängstigten und misstrauischen Jüngern in Jerusalem einführte (Apg 9,26-27), ihn später (um 42) aus Tarsus nach Antiochia holte und als Mitarbeiter gewann. Zusammen gingen sie auf die erste Missionsreise nach Zypern und dem südlichen Kleinasien; zusammen traten sie auf dem sog. Apostelkonzil in Jerusalem dafür ein, dass man den Heiden, die Christen werden wollen, nicht das jüdische Gesetz auferlegen solle. Später kam es zwischen den beiden zu einer Auseinandersetzung, weil Paulus den Markus, einen Verwandten des Barnabas, nicht auf die zweite Missionsreise mitnehmen wollte. Barnabas fuhr dann mit Markus allein nach Zypern (Apg 15,39). Nach einer späteren Überlieferung soll er in Salamis gesteinigt worden sein. (erzabteibeuron)

links, Hananias legt Paulus die Hände auf

Dienstag, 29. Juni 2021

Paulus in Fesseln - aber das Wort Gottes ist nicht gebunden

Paulus in Fesseln, Moasik von Eugenio Cisterna


Während der hl. Paulus als Gefangener in Rom auf die Verhandlung vor dem Kaiser wartete, unterrichtete er die Christen und verkündete das Evangelium. Über der Wohnung im jüdischen Viertel Roms wurde später eine Kirche errichtet, S. Paolo alla Regola.

 

Paulus in Rom (Apg 28)

17 Es geschah aber nach drei Tagen, dass Paulus die Angesehensten der Juden bei sich zusammenrief. Als sie zusammengekommen waren, sprach er zu ihnen: Ihr Männer, liebe Brüder, ich habe nichts getan gegen unser Volk und die Ordnungen der Väter und bin doch als Gefangener aus Jerusalem überantwortet in die Hände der Römer. 18 Diese wollten mich losgeben, nachdem sie mich verhört hatten, weil nichts gegen mich vorlag, das den Tod verdient hätte. 19 Da aber die Juden widersprachen, war ich genötigt, mich auf den Kaiser zu berufen, doch nicht, als hätte ich mein Volk wegen etwas zu verklagen. 20 Aus diesem Grund habe ich darum gebeten, dass ich euch sehen und zu euch sprechen könnte; denn um der Hoffnung Israels willen trage ich diese Ketten.
21 Sie aber sprachen zu ihm: Wir haben deinetwegen weder Briefe aus Judäa empfangen noch ist ein Bruder gekommen, der über dich etwas Schlechtes berichtet oder gesagt hätte. 22 Wir wünschen aber von dir zu hören, was du denkst; denn von dieser Sekte ist uns bekannt, dass ihr an allen Enden widersprochen wird.
23 Und als sie ihm einen Tag bestimmt hatten, kamen viele zu ihm in die Herberge. Da erklärte und bezeugte er ihnen das Reich Gottes und predigte ihnen von Jesus aus dem Gesetz des Mose und aus den Propheten vom frühen Morgen bis zum Abend. 24 Die einen ließen sich überzeugen von dem, was er sagte, die andern aber glaubten nicht. 25 Sie waren aber untereinander uneins und gingen weg, als Paulus dies eine Wort gesagt hatte: Mit Recht hat der Heilige Geist durch den Propheten Jesaja zu euren Vätern gesprochen (Jesaja 6,9-10): 26 »Geh hin zu diesem Volk und sprich: Mit den Ohren werdet ihr's hören und nicht verstehen; und mit Augen werdet ihr's sehen und nicht erkennen. 27 Denn das Herz dieses Volkes ist verfettet, und mit ihren Ohren hören sie schwer, und ihre Augen haben sie geschlossen, auf dass sie nicht sehen mit den Augen und hören mit den Ohren und verstehen mit dem Herzen und sich bekehren, und ich sie heile.« 28-29 So sei es euch kundgetan, dass den Heiden dies Heil Gottes gesandt ist; und sie werden hören.
30 Paulus aber blieb zwei volle Jahre in seiner eigenen Wohnung und nahm alle auf, die zu ihm kamen, 31 predigte das Reich Gottes und lehrte von dem Herrn Jesus Christus mit allem Freimut ungehindert.

S. Paolo alla Regola, Rom, Oratorium des hl. Paulus, rechts vom Hochaltar
rechts: aber das Wort Gottes ist nicht gebunden 2 Tom 2,9
links: um der Hoffnung Israels willen trage ich diese Ketten Apg 28,20



Mein Sohn!
6 Ich werde schon geopfert
und die Zeit meines Aufbruchs ist nahe.
7 Ich habe den guten Kampf gekämpft,
den Lauf vollendet,
die Treue bewahrt.
8 Schon jetzt liegt für mich der Kranz der Gerechtigkeit bereit,
den mir der Herr, der gerechte Richter,
an jenem Tag geben wird,
aber nicht nur mir,
sondern allen, die sein Erscheinen ersehnen.
17 Der Herr stand mir zur Seite und gab mir Kraft,
damit durch mich die Verkündigung vollendet wird
und alle Völker sie hören;
und so wurde ich dem Rachen des Löwen entrissen.
18 Der Herr wird mich allem bösen Treiben entreißen
und retten in sein himmlisches Reich.
Ihm sei die Ehre in alle Ewigkeit. Amen.

(2 Tim 4, aus der 2. Lesung vom Festtag)

Montag, 29. Juni 2020

Durch ihr Martyrium in Rom sind sie zu Brüdern geworden

die Zwickelbilder neben dem Fresko zeigen Begebenheiten aus dem Leben von Petrus und Paulus

Die Kuppelfresken der Pfarrkirche Götzens stammen von Matthäus Günther, einem Schüler des berühmten Cosmas Damian Asam. Das Langhausfresko zeigt den Abschied der Apostel Petrus und Paulus, die zur Hinrichtung geführt werden.
Seitlich rechts folgt die Enthauptung des Paulus, links das Martyrium Petri, der mit dem Kopf nach unten gekreuzigt wurde.
Gemildert wird das schreckliche Geschehen durch die heranschwebenden Engel, die den Märtyrern als Siegeszeigen Lorbeerkränze und Palmzweige bringen.
(Kirchenführer)






 
PREDIGT VON BENEDIKT XVI. Petersdom Sonntag, 29. Juni 2008
Eure Heiligkeit und
sehr geehrte Mitglieder der brüderlichen Delegation,
meine Herren Kardinäle,
verehrte Mitbrüder im bischöflichen und priesterlichen Dienst,
liebe Schwestern und Brüder! 


Seit ältesten Zeiten feiert die Kirche von Rom das Fest der großen Apostel Petrus und Paulus als ein einziges Fest, am selben Tag, dem 29. Juni. Durch ihr Martyrium in Rom sind sie zu Brüdern geworden, zusammen die Gründer des neuen christlichen Rom. Als solche besingt sie der auf Paulinus von Aquileja († 806) zurückgehende Hymnus der zweiten Vesper: »O Roma felix – glückliches Rom, purpurgeschmückt durch das kostbare Blut so großer Fürsten. Du ragst hinaus über alle Schönheit der Welt, nicht durch dein eigenes Lob, sondern durch das Verdienst der Heiligen, die du mit blutigem Schwert getötet hast.« Das Blut der Märtyrer schreit nicht nach Rache, sondern es versöhnt. Es steht nicht als Anklage da, sondern als »goldenes Licht«, wie der Hymnus der ersten Vesper sagt: als Kraft der Liebe, die den Haß und die Gewalt überwindet und so eine neue Stadt, neue Gemeinschaft gründet. Durch ihr Martyrium gehören sie nun – Petrus und Paulus – zu Rom: Durch das Martyrium ist auch Petrus zum römischen Bürger für immer geworden. Durch das Martyrium, durch ihren Glauben und ihre Liebe zeigen sie, wo die wahre Hoffnung ist, und sind Gründer einer neuen Art von Stadt, die immer neu sich bilden muß inmitten der alten menschlichen Stadt, die von den Gegengewichten der Sünde und der Eigensucht der Menschen bedroht bleibt.

Durch ihr Martyrium gehören Petrus und Paulus für immer zueinander. Ein Lieblingsbild der christlichen Ikonographie ist die Umarmung der beiden Apostel auf dem Weg zum Martyrium. Wir dürfen sagen: Ihr Martyrium selbst ist im tiefsten der Vorgang einer brüderlichen Umarmung. Sie sterben für den einen Christus und sind eins in dem gemeinsamen Zeugnis, für das sie ihr Leben hingeben. In den Schriften des Neuen Testaments können wir aber gleichsam die Geschichte ihrer Umarmung, dieses Einswerden in Zeugnis und Auftrag verfolgen. Es beginnt damit, daß Paulus drei Jahre nach seiner Bekehrung nach Jerusalem geht, »um Kephas kennenzulernen« (Gal 1,18). Vierzehn Jahre danach steigt er noch einmal nach Jerusalem hinauf, um den »Angesehenen « das Evangelium vorzulegen, wie er es verkündigt, »damit ich nicht ins Leere laufe oder gelaufen bin« (Gal 2, 1f.). Diese Begegnung endet damit, daß ihm Jakobus, Kephas und Johannes die Hand reichen und so die Communio bekräftigen, die sie im einen Evangelium Jesu Christi verbindet (Gal 2,9). Ich finde es als ein schönes Zeichen dieser wachsenden inneren Umarmung, die in aller Verschiedenheit der Temperamente und der Aufträge vor sich geht, daß die Mitarbeiter, die Petrus am Ende seines ersten Briefes erwähnt, ebenso enge Mitarbeiter des hl. Paulus sind: Silvanus und Markus. In der Gemeinsamkeit der Mitarbeiter wird die Gemeinsamkeit der einen Kirche, die Umarmung der großen Apostel ganz konkret sichtbar.

Wenigstens zweimal sind sich Petrus und Paulus in Jerusalem begegnet; am Ende mündet ihrer beider Weg in Rom. Warum? Ist das mehr als ein Zufall? Liegt darin eine bleibende Botschaft? Paulus ist als Gefangener nach Rom gekommen, aber zugleich als römischer Bürger, der als solcher nach seiner Verhaftung in Jerusalem Berufung an den Kaiser eingelegt hatte und zu dessen Gericht gebracht wurde. Paulus ist aber noch in einem tieferen Sinn freiwillig nach Rom gekommen. Er war Rom schon durch den größten seiner Briefe innerlich entgegengegangen: An die Kirche in Rom hat er das Schreiben gerichtet, das am meisten die Synthese seiner ganzen Verkündigung und seines Glaubens ist. In der Grußadresse des Briefes sagt er, daß vom Glauben der Christen zu Rom alle Welt spricht, daß dieser Glaube also als vorbildlich in der ganzen Welt bekannt ist (Röm 1,8). Und dann schreibt er: »Ihr sollt wissen, Brüder, daß ich mir schon oft vorgenommen habe, zu euch zu kommen, aber bis heute daran gehindert wurde« (1,13). Am Schluß des Briefes greift er diesen Faden wieder auf und spricht nun von seinem Plan, nach Spanien zu reisen. »Auf dem Weg dorthin hoffe ich euch zu sehen und dann von euch für die Weiterreise ausgerüstet zu werden, nachdem ich mich einige Zeit an euch erfreut habe« (15,24). »Ich weiß aber, wenn ich zu euch komme, werde ich mit der Fülle des Segens Christi kommen« (15,29). Zweierlei wird hier sichtbar: Rom ist für Paulus eine Etappe auf dem Weg nach Spanien, das heißt nach seinem Weltbild ans Ende der Erde. Er sieht es als seine Sendung an, den Auftrag Christi wahr zu machen, das Evangelium bis ans Ende der Welt zu tragen. In diesen Weg hinein gehört Rom. Während er sonst nur an Orte geht, in denen das Evangelium noch nicht verkündet ist, ist Rom eine Ausnahme. Er findet dort eine Kirche vor, von deren Glauben die Welt spricht. Der Weg nach Rom gehört in die Universalität seiner Sendung zu allen Völkern hinein. Der Weg nach Rom, den er vor der äußeren Fahrt inwendig schon mit seinem Brief gegangen war, ist ein wesentlicher Teil seines Auftrags, das Evangelium zu allen Völkern zu bringen – die katholische, die weltweite Kirche zu gründen. Das Gehen nach Rom ist für ihn Ausdruck der Katholizität seiner Sendung. Rom soll den Glauben für alle Welt sichtbar machen, der Ort der Begegnung im einen Glauben sein.

Aber warum ist Petrus nach Rom gegangen? Das Neue Testament sagt uns direkt darüber nichts. Aber es gibt uns Fingerzeige. Das Evangelium des hl. Markus, das wir als Niederschlag der Predigt des hl. Petrus betrachten dürfen, läuft von innen her auf den Augenblick zu, in dem der römische Hauptmann angesichts des am Kreuz gestorbenen Jesus Christus sagt: »Wahrhaftig, dieser Mensch war Gottes Sohn« (Mk 15,39). Am Kreuz wird das Geheimnis Jesu Christi offenbar. Unter dem Kreuz wird die Kirche der Heiden geboren: Der Hauptmann des römischen Hinrichtungskommandos erkennt Christus, den Sohn Gottes. Die Apostelgeschichte schildert uns als entscheidende Etappe für den Weg des Evangeliums in die Welt der Heiden die Geschichte von Kornelius, dem Hauptmann der italischen Kohorte. Der Hauptmann läßt auf eine Weisung Gottes hin nach Petrus schicken, und Petrus geht seinerseits einem göttlichen Auftrag folgend in dessen Haus und predigt. Während er redet, kommt der Heilige Geist über die versammelte Hausgemeinschaft und Petrus sagt: »Kann jemand denen das Wasser zur Taufe verweigern, die ebenso wie wir den Heiligen Geist empfangen haben?« (Apg 10,47). So wird Petrus auf dem Apostelkonzil zum Fürsprecher für die Kirche der Heiden, die des Gesetzes nicht bedürfen, weil Gott »ihre Herzen durch den Glauben gereinigt hat« (Apg 15,9). Gewiß, Paulus sagt im Galaterbrief, daß Gott dem Petrus die Kraft zum Aposteldienst unter den Beschnittenen, ihm, Paulus, aber für den Dienst unter den Heiden gegeben habe (2,8). Aber diese Aufteilung konnte nur gelten, solange Petrus mit den Zwölfen in Jerusalem weilte in der Hoffnung, ganz Israel werde sich zu Christus bekennen. Angesichts der weitergehenden Entwicklung erkannten die Zwölf die Stunde, in der auch sie aufzubrechen hatten in die ganze Welt, um ihr das Evangelium zu verkünden. Petrus, der zuerst auf Gottes Weisung hin die Tür für die Heiden aufgetan hatte, überläßt nun den Vorsitz der judenchristlichen Kirche Jakobus dem Jüngeren, um sich seiner eigentlichen Sendung zu widmen: dem Dienst an der Einheit der einen aus Juden und Heiden gebildeten Kirche Gottes. Die Sehnsucht des hl. Paulus, nach Rom zu gehen, unterstreicht – wie wir gesehen haben – besonders das Wort »catholica« am Wesen der Kirche. Der Weg des hl. Petrus nach Rom als Verkörperung der Weltvölker steht vor allem unter dem Wort »una«: Sein Auftrag ist es, die Einheit der »catholica«, der Kirche aus Juden und Heiden, der Kirche aus allen Völkern zu wirken. Und dies ist die bleibende Sendung des Petrus: daß Kirche nie nur mit einer Nation, mit einer Kultur oder einem Staat identisch sei. Daß sie immer die Kirche aller ist. Daß sie über alle Grenzen hin die Menschheit zusammenführt, inmitten der Trennungen dieser Welt den Frieden Gottes, die versöhnende Kraft seiner Liebe gegenwärtig werden läßt. Heute gibt es in der Welt durch die überall gleiche Technik, durch das weltweite Informationsnetz wie durch die Bündelung gemeinsamer Interessen neue Weisen der Einheit, die aber auch neue Gegensätze aufbrechen lassen und alten Gegensätzen neue Stoßkraft geben. Inmitten dieser Einheit von außen, vom Materiellen her brauchen wir um so mehr die Einheit von innen, die aus dem Frieden Gottes kommt – Einheit all derer, die durch Jesus Christus Geschwister geworden sind. Dies ist die bleibende Petrussendung, auch der besondere Auftrag an die Kirche von Rom.

Liebe Mitbrüder im Bischofsamt! Ich möchte mich jetzt an Euch wenden, die Ihr nach Rom gekommen seid, um das Pallium zu empfangen als Sinnbild Eurer Würde und Eurer Verantwortung als Erzbischöfe in der Kirche Jesu Christi. Das Pallium ist aus der Wolle von Schafen gewoben, die der Bischof von Rom jedes Jahr am Fest der Kathedra Petri segnet und damit sozusagen aussondert, daß sie Symbol werden für die Herde Christi, der Ihr vorsteht. Wenn wir das Pallium auf die Schultern nehmen, so erinnert uns dies an den Hirten, der das verlorene Schäflein, das allein den Weg nach Hause nicht mehr findet, auf die Schultern nimmt und es heim trägt. Die Kirchenväter haben in diesem Schäflein das Bild der ganzen Menschheit, der ganzen menschlichen Natur gesehen, die sich verlaufen hat und den Heimweg nicht findet. Der Hirte, der sie heim trägt, kann nur der Logos, das Ewige Wort Gottes selber sein. In der Menschwerdung hat er uns alle, das Schäflein Mensch, auf die Schultern genommen. Er, das Ewige Wort, der wahre Hirte der Menschheit trägt uns; in seiner Menschheit trägt er jeden einzelnen von uns auf seinen Schultern. Auf dem Weg des Kreuzes hat er uns heim getragen, trägt er uns heim. Aber er will Menschen, die mit ihm tragen. Hirte in der Kirche Jesu Christi sein bedeutet, an diesem Auftrag teilzunehmen, an den uns das Pallium erinnert. Wenn wir es tragen, fragt er uns: Trägst du die Meinen mit? Trägst du sie zu mir, zu Jesus Christus hin? Und dann kommt uns die Geschichte von der Sendung Petri durch den Auferstandenen in den Sinn. Der auferstandene Christus verknüpft untrennbar den Auftrag »Weide meine Schafe« mit der Frage: Liebst du mich, liebst du mich mehr als diese? Jedesmal, wenn wir das Pallium des Hirten der Herde Christi anziehen, müßten wir diese Frage hören: Liebst du mich? und uns fragen lassen nach dem Plus, nach dem Mehr an Liebe, das er vom Hirten erwartet.

Das Pallium wird so zum Sinnbild unserer Liebe zum Hirten Christus und unseres Mitliebens mit ihm: Sinnbild der Berufung wie er und mit ihm die Menschen zu lieben, die Suchenden, die Fragenden, die Selbstsicheren und die Demütigen, die Einfachen und die Großen; sie alle von Christus her und auf Christus hin zu lieben, daß sie für ihn und in ihm sich selber finden können. Aber das Pallium, das Ihr vom Grab des hl. Petrus her empfangt, hat noch eine zweite Bedeutung, die mit der ersten unlöslich verknüpft ist. Sie zu verstehen, mag uns ein Wort aus dem Ersten Brief des hl. Petrus helfen. In seiner Mahnung an die Presbyter, die Herde Gottes recht zu weiden, nennt er sich »synpresbýteros« – Con-Presbyter (5,1). In dieser Formulierung ist im stillen das Prinzip der apostolischen Nachfolge ausgesagt: Die nachfolgenden Hirten sind Hirten wie er, sind es mit ihm, gehören dem in ihnen weitergehenden gemeinsamen Dienst der Hirten der Kirche Jesu Christi zu. Aber dieses »con« hat noch zwei weitere Bedeutungen. Es drückt auch die Wirklichkeit aus, die wir heute mit dem Wort Kollegialität der Bischöfe benennen. Wir alle sind Con- Presbyter. Keiner ist Hirte allein. In der Nachfolge der Apostel stehen wir nur durch das Sein in der Gemeinsamkeit des Kollegiums, in dem sich das Kollegium der Apostel fortsetzt. Zum Hirtesein gehört das Miteinander, das Wir der Hirten, weil die Herde nur eine ist, die eine Kirche Jesu Christi. Und endlich verweist dieses »con« auch auf die Gemeinschaft mit Petrus und seinem Nachfolger als Gewähr der Einheit. So spricht uns das Pallium über die Katholizität der Kirche, über das weltweite Miteinander von Hirt und Herde. Und es verweist uns auf die Apostolizität: auf die Gemeinschaft mit dem Glauben der Apostel, auf den die Kirche gegründet ist. Es spricht von der »una catholica apostolica ecclesia« und natürlich, indem es uns an Christus bindet, gerade auch davon, daß die Kirche »sancta« ist und daß unser Wirken Dienst an ihrer Heiligkeit ist.

Dies läßt mich am Schluß noch einmal auf den hl. Paulus und seine Sendung zurückkommen. Er hat das Wesentliche seiner Sendung und auch den tiefsten Grund seiner Sehnsucht, nach Rom zu gehen, im 15. Kapitel des Römerbriefes in einem einzigartig schönen Satz formuliert. Er weiß sich berufen, »als Liturge Jesu Christi für die Völker zu dienen, das Evangelium Gottes priesterlich zu verwalten, auf daß die Heidenvölker zu einer Opfergabe werden, die Gott gefällt, geheiligt im Heiligen Geist« (15,16). Nur in diesem Vers gebraucht Paulus das Wort »hierourgein« – priesterlich verwalten – zusammen mit »leitourgós« – Liturge: Er spricht von der kosmischen Liturgie, in der die Welt der Menschen selbst Anbetung Gottes, Opfer im Heiligen Geist werden soll. Dann ist die Welt an ihrem Ziel, dann ist sie heil, wenn sie als ganze Liturgie Gottes, in ihrem Sein Anbetung geworden ist. Dies ist das letzte Ziel der apostolischen Sendung des Paulus und unserer Sendung. In diesen Dienst ruft uns der Herr. Daß er uns helfe, ihn recht zu tun, wahre Liturgen Jesu Christi zu werden, darum beten wir in dieser Stunde. Amen.