In Pouy 1581 geboren, wurde er Pfarrer und später Hausgeistlicher beim
General der Galeeren. Er stiftete 1625 die Kongregation der Lazaristen
zur Abhaltung von Volksmissionen und zur Heranbildung des Klerus und
1633 zusammen mit Louise de Marillac die Barmherzigen Schwestern. Mit
den führenden Persönlichkeiten des kirchlichen Lebens verbunden, wurde
er zum Erneuerer von Klerus und Volk in Frankreich. Gestorben am
27. September 1660 in Paris. Gebeine in der dortigen Vinzentinerkirche.
Vinzenz von Paul, Notre Dame de Paris
Hier auf Erden kann nie alles nach unserm Wunsch gehen, ganz gleichgültig, wo wir leben und welchen Beruf wir ausüben. Im Gegenteil: unser Herr läßt es zu, daß wir immer wieder Schwierigkeiten und Verdruß haben, um uns von dieser Welt zu lösen und auf den Weg zu Gott zu führen, der die Erfüllung all unserer Wünsche ist. Wie glücklich ist der Mensch, der sich ganz seiner Führung überläßt, der zu den Schwierigkeiten, die ihm auf diesem Weg begegnen, ein tapferes Ja sagt und so dem Ziel seiner tiefsten Sehnsucht immer näher kommt! Echte Gemeinschaft zeigt sich darin, daß der eine dem andern dabei behilflich ist, daß wir einander ertragen und vor allem um Frieden und Eintracht bemüht sind. Das ist der Wein, der die Wanderer auf dem schmalen Weg Jesu Christi stärkt und erfreut. (Vinzenz von Paul, Worte des Erbarmens, 77)
Lebensdaten: geboren am 24. April 1581 in Pouy (Gascogne), heute Saint-Vincent-de Paul, gestorben am 27. September 1660 in Paris
Lebensgeschichte:
Vincent Depaul wurde von seiner Familie, Landwirten in
Südwestfrankreich, zum Priester bestimmt und zum Studium nach Toulouse
geschickt. Obwohl er bereits mit 19 Jahren die Weihe empfing, gelang ihm
die geistliche Karriere mangels Anstellung nicht. Nach allerlei
Abenteuern verschlug es ihn 1608 nach Paris, wo die Freundschaft zum
Oratorium und die Gunst der Königin Margarete von Valois eine Wende in
seinem Leben bewirkten.
1612 übernahm er eine Vorort-Pfarrei in
Paris und wurde dann Hausgeistlicher des Galeerengenerals de Condi und
dessen Familie in Lyon. Nicht zuletzt durch die Begegnung mit Franz von Sales und Johanna Franziska von Chantal erkannte er, dass es seine Lebensaufgabe war, sich für die Schwächsten dieser Welt einzusetzen.
1617
gelobte er, sein Leben lang den Bedürftigen zu dienen. Dazu rief er
zuerst die Gemeinschaft der Laienschwestern „Confrérie de la Charité“
ins Leben, bald darauf die entsprechende Laienbruderschaft; 1625
gründete er den Orden der „Lazaristen“ und 1633 gemeinsam mit Louise de Marillac
die „Barmherzigen Schwestern“, auch „Vinzentinerinnen“ genannt. Alle
dienten seinem großen Werk, Menschen in jeglicher Not zu helfen.
Vinzenz
von Paul kümmerte sich mit Hilfe seiner Gemeinschaften um
Galeerensträflinge, Kranke, Arme, Witwen und Waisen, aber ebenso auch um
die Priesterausbildung und den Aufbau von Missionen. Er wurde der
Begründer der weltweiten Caritasbewegung. Mit fast 80 Jahren starb er am
27. September 1660 in Paris.
Verehrung: Vinzenz
von Paul wurde 1737 heiliggesprochen und 1885 zum Patron der
Nächstenliebe erklärt, sein Herz wird in der Kathedrale von Lyon
verehrt (corr.: in der Rue du Bac in Paris), sein unverwester Leichnam in der Pariser Kirche Saint-Lazare.
Seine Ordensgemeinschaften betreiben weltweit karitative Einrichtungen.
Darstellung: im Priestergewand, inmitten seiner Schützlinge, oft mit einem flammenden Herzen
Patron: aller
karitativen Einrichtungen, der Vinzentiner und Vinzentinerinnen, der
Priester, Kranken- und Waisenhäuser, Waisen und Gefangenen, Helfer für
das Auffinden verlorener Gegenstände.
Da jeder Mensch seine Fehler hat, bedarf auch jeder der Nachsicht. Bei ehrlicher Selbstkontrolle entdeckt man bei sich viele Schwächen und Unzulänglichkeiten und muß feststellen, daß man sich gar nicht ohne weiteres davon frei machen kann. Man fällt also anderen zur Last. Man hat zum Beispiel eine Abneigung gegen einen Menschen, der nicht schlechter ist als wir. Aber alles an ihm mißfällt uns. Er mag sehen, hören, reden oder tun, was er will, alles ist verkehrt bei ihm. Der Grund liegt bei uns. Ein anderer spricht korrekt, aber wir finden seine Gedanken langweilig, weil er uns unsympathisch ist, was wir aber auch wieder nicht in unserer Gewalt haben. Wie froh sind wir, wenn man deswegen Nachsicht mit uns übt! Wir wollen, daß die anderen unsere Launen und Schwächen hinnehmen. Ist es da nicht gerecht, daß auch wir die anderen ertragen? Wer sich kennt, weiß, daß er seinen Mitmenschen manches zu ertragen gibt. Und je tiefer einer spürt, daß ja auch Gott unsere Verkehrtheit erträgt, desto mehr ist er bereit, die Last zu tragen, die der andere ihm aufbürdet. (Vinzenz von Paul, Worte des Erbarmens, 78f)
Glasfenster des hl. Vinzenz von Paul in Saint Germain-l`Auxerrois, Paris
Vinzenz von Paul stammte aus
Pouy, einem Dorf in der Gascogne (Südfrankreich), das seit 1828
St-Vincent-de-Paul heißt. Er wurde im Jahr 1600, noch nicht zwanzig Jahre alt, zum
Priester geweiht. Hatte er diesen Beruf zunächst gewählt, um aus der Armut
herauszukommen, so vollzog sich in dem jungen Priester bald ein tiefer Wandel,
zu dem die Begegnung mit dem Priester (und späteren Kardinal) Bérulle
wesentlich beitrug. Als Hausgeistlicher des Grafen de Gondi entdeckte Vinzenz
die Verlassenheit und religiöse Unwissenheit der Landbevölkerung, und er
stellte auch die mangelhafte Bildung vieler Geistlicher fest. Aus kleinen
Anfängen entstand 1625 die Kongregation der Lazaristen, so genannt nach dem
ehemaligen Priorat St-Lazare, das der Kongregation seit 1633 als Mutterhaus
dient. Die Aufgabe der Lazaristen sah Vinzenz in der Abhaltung von
Volksmissionen und in der Heranbildung eines guten Klerus; der Erfolg einer
Mission kann ja nicht von Dauer sein, wenn die Arbeit nicht an Ort und Stelle
weitergeführt wird. In Zusammenarbeit mit Louise de Marillac gründete Vinzenz
die „Töchter der Liebe“ (Barmherzige Schwestern, Vinzentinerinnen). Immer tat
Vinzenz „nur“ das Notwendige: das, was die Situation ihm als den Willen Gottes
zeigte. Er hat keine Bücher geschrieben und keine Wunder gewirkt, aber er war
demütig und treu, groß in seiner Einfachheit. Er starb 1660 in der Nacht zum
27. September. (erzabteibeuron)
Strom der Güte
„Kein Mensch ist im Guten
stetiger und unbeirrbarer als der Milde und Gütige. Ewig wankend sind sie alle,
die sich vom Zorn und von der unersättlichen Gier der Leidenschaften fortreißen
lassen. Sie handeln schrullenhaft und unbeherrscht - wie Sturzbäche sind sie,
deren Kraft und Ungestüm nur im Überborden besteht. So wie sie verfließen,
trocknen sie aus. Anders die Ströme, die wie gütige Menschen sind - ohne
Geräusch und voller Ruhe ziehen sie dahin, ohne je zu versiegen.“
„Ich habe Hochachtung und
Liebe, um eine ganze Welt damit zu beschenken.“ (Vinzenz von Paul)
Es ist schon viel, wenn den Armen in leiblicher Hinsicht geholfen wird. Wie aber unserem Herrn vor allem das ewige Heil der Menschen am Herzen lag, so müssen auch wir darin unsere Hauptsorge sehen.
Ein gutes, von Herzen kommendes, verständnisvolles Wort, kann den Menschen zu Gott führen, ihm zu Geduld verhelfen, zu einem guten Sterben oder zu einem guten Leben nützlich sein.
Vinzenz von Paul? oder ein anderer Vinzenz?, Kathedrale von Metz, Glasfenster v. Gaudin
Vinzenz von Paul stammte aus
Pouy, einem Dorf in der Gascogne (Südfrankreich), das seit 1828
St-Vincent-de-Paul heißt. Er wurde im Jahr 1600, noch nicht zwanzig Jahre alt,
zum Priester geweiht. Hatte er diesen Beruf zunächst gewählt, um aus der Armut
herauszukommen, so vollzog sich in dem jungen Priester bald ein tiefer Wandel,
zu dem die Begegnung mit dem Priester (und späteren Kardinal) Bérulle
wesentlich beitrug. Als Hausgeistlicher des Grafen de Gondi entdeckte Vinzenz
die Verlassenheit und religiöse Unwissenheit der Landbevölkerung, und er
stellte auch die mangelhafte Bildung vieler Geistlicher fest. Aus kleinen
Anfängen entstand 1625 die Kongregation der Lazaristen, so genannt nach dem
ehemaligen Priorat St-Lazare, das der Kongregation seit 1633 als Mutterhaus
dient. Die Aufgabe der Lazaristen sah Vinzenz in der Abhaltung von
Volksmissionen und in der Heranbildung eines guten Klerus; der Erfolg einer
Mission kann ja nicht von Dauer sein, wenn die Arbeit nicht an Ort und Stelle
weitergeführt wird. In Zusammenarbeit mit Louise de Marillac gründete Vinzenz die
„Töchter der Liebe“ (Barmherzige Schwestern, Vinzentinerinnen). Immer tat
Vinzenz „nur“ das Notwendige: das, was die Situation ihm als den Willen Gottes
zeigte. Er hat keine Bücher geschrieben und keine Wunder gewirkt, aber er war
demütig und treu, groß in seiner Einfachheit. Er starb 1660 in der Nacht zum
27. September. (Quelle: Erzabtei Beuron)
Im Januar 1617 hielt Vinzenz sich in der
Picardie auf, unweit von
Amiens, auf den Gütern der Gondis
in Folleville. Dort wurde er zu einem todkranken
Bauern gerufen, der als ein untadeliger
Mensch galt. Dennoch: seine Generalbeichte
wurde für ihn zur Offenlegung einer unglaublichen
geistlichen Misere. Die Leute beichteten
nicht mehr, sie zogen es vor, ihre eigenen
Nöte für sich zu behalten, und so konnten sie
sich nicht mehr von ihrer Schuld befreien,
weil sie sich zu sehr schämten. Es handelte
sich hier keinesfalls um einen Einzelfall. Nein,
dies war die allgemeine Lage in Frankreich. Die
Armen waren weder evangelisiert noch wurde
ihnen in irgendeiner Weise geholfen.
Vinzenz begriff,
dass der Grund für diese Situation
nicht in einem Mangel an Priestern zu finden
war. Im Gegenteil, es gab zu viele davon.
Aber die Priester zogen es vor, sich vorwiegend
mit sich selbst und ihren eigenen Angelegenheiten
zu beschäftigen. Dem Klerikerstand beizutreten,
bedeutete nicht, Beschwerlichkeiten
und Unbequemlichkeiten auf sich zu
nehmen, sondern vielmehr teilzuhaben
am „ersten Stand im Königreich“. Genau das
also, was Vinzenz ursprünglich für sich
selbst beabsichtigt hatte. Der Bauernsohn, der
geradezu erleichtert war, dass er nun die Situation
endlich verstanden hatte, beschloss, mit Madame
de Gondi darüber zu sprechen. Sie war
zutiefst bestürzt, als sie von diesen Dingen hörte.
Sie fragte Vinzenz, wie man Abhilfe schaffen
könne. Sie legte ihrem Beichtvater nahe, die
Kanzel zu besteigen, zu den Leuten zu sprechen
und sie zur Generalbeichte aufzufordern.
Dies
alles ereignete sich am 25. Januar, dem
Fest der Bekehrung des heiligen Paulus. Die Ansprache
wurde zu „einer Predigt“, die das ganze
Volk verstand. Die Menschen stürmten daraufhin
förmlich den Beichtstuhl, und Vinzenz
musste sich von anderen Priestern helfen lassen.
Mit der Zeit sah Vinzenz ein,
dass es sich nicht um ein
zufälliges Ereignis gehandelt hatte, sondern
um eine Begegnung mit der Vorsehung, die ihm
den Plan für sein Leben enthüllt hatte.
Aus diesem Grunde sah er diese Predigt immer
als seine erste Missionspredigt an. Allerdings
erkannte er das erst viel später. Längere
Zeit sollte es auch dauern, bis er zu der Erkenntnis
kam, zur Verkündigung des Evangeliums bei
den Armen auf dem Lande berufen zu
sein.
"Ich gestehe, daß ich viel für die Propagierung der Kirche in den Ländern der Ungläubigen übrig habe, aus der Auffassung heraus, daß Gott die Kirche hier nach und nach zugrunde gehen läßt, und dies wegen unseres sittlichen Tiefstandes und der neuen Lehren wegen, die mehr und mehr anwachsen.
Sie hat in den letzten hundert Jahren durch zwei neue Irrlehren den größten Teil des Kaiserreiches, die Königreiche Schweden, Dänemark und Norwegen, Schottland, England, Irland, Böhmen und Ungarn verloren, so daß nur noch Italien, Frankreich, Spanien und Polen bleiben, wobei in Frankreich und Polen viele Irrlehren auftreten.
Diese Verluste der Kirche seit hundert Jahren lassen uns in den augenblicklichen Notzeiten fürchten, daß wir in weiteren hundert Jahren die Kirche in Europa ganz verlieren. In dieser Befürchtung sind jene glücklich, die einst an anderer Stelle an ihrer Ausbreitung wirken können."
(Vinzenz von Paul an Jean Deborgny, Superior in Ron, 31. August 1646, in: Hans Kühner, Vinzenz von Paul, 218)
Die von 1941 bis 1952 entstandenen zwölf Glasfenster der Heimsuchungsbasilika
von Annecy zeigen Lebensstationen der hl. Johanna Franziska von
Chantal und des hl. Franz von Sales.
a) Das fünfte Fenster zeigt Franz von Sales als Seelsorger seiner Diözese. Mit Hilfe eines Maultiers visitiert er von 1605 bis 1609 die 600 Pfarren seiner Diözese. Er segnet die Gläubigen und spendet das Sakrament der Firmung.
b) Bildmitte: im September 1609 durchquert der Bischof Genf, um seine Pfarren in der Grafschaft Gex zu besuchen. Erstaunt beobachten die Menschen den Bischof in der völlig protestantisch gewordenen Stadt.
c) Links unten: Franz von Sales trifft 1619 in Paris seinen Freund, den hl. Vinzenz von Paul, und setzt ihn als Oberen der Heimsuchungsschwestern im Pariser Kloster ein. Dieser Aufgabe wird der hl. Vinzenz über vierzig Jahre nachkommen.
d) Die große Bildszene: Von November 1618 bis September 1619 hält sich Franz von Sales in Paris auf, um die Heirat von Prinz Victor Amadeus von Savoyen, dem er freundschaftlich verbunden war, mit Christine von Frankreich, der Schwester Ludwigs XIII., anzubahnen.
Heinrich von Gondi (Henri de Gondi) Kardinal von Retz, Bischof von Paris, bot dem Bischof von Annecy wenigstens dreimal die Würde eines Kodadjutors an.
"Sie wissen", sagte er zum Heiligen, "wie beliebt sie bei den Parisern sind und welchen Segen Sie hier stiften könnten, so wie Sie das bereits getan haben. Es geht hier einzig um die Ehre Gottes!"
"Ich weiß mich meiner kleinen Herde verpflichtet", war die Antwort des Bischofs in der Hauptsache. "Ich glaube nicht, sie wegen eines so bedeutenden Angebots verlassen zu dürfen; stehe ich doch bereits an der Schwelle des Greisenalters und bin großer Gebrechlichkeit unterworfen. Offengestanden fühle ich mich nicht einmal stark genug, die Last meines eigenen Bistums zu tragen; um wieviel weniger könnte ich da eine Stadt übernehmen, die eine Million Seelen zählt".
Je ne crois pas devoir changer une pauvre femme pour une riche.
Ich werde nicht eine arme Gattin (Diözese) gegen eine reiche auswechseln
Am Tag nach diesem Angriff vertraute Franz seinem Freund, dem Präsidenten Favre, an: "Meine Seele bereitete mir gestern großes Vergnügen, da sie diese Vorschläge nicht nur nicht in Erwägung zog, sondern sie verachtete und davon nicht mehr Aufhebens machte, als hätte meine Todesstunde bereits geschlagen, in der einem ja die ganze Welt wie Rauch anmutet." Anton Favre riet ihm trotzdem, auf das Angebot einzugehen, weil er in der Hauptstadt mehr Gutes wirken könne. Doch da erhielt er zur Antwort: Würden Sie etwa ihre Gattin gegen eine andere eintauschen, wie reich sie auch wäre?" - "Das gewiß nicht", meinte dieser. -""Nun, warum verlangen Sie dann, daß ich die meine auswechsle"?
(Etienne-Jean Lajeunie, Franz von Sales, 563f)