Samstag, 5. April 2025

Der Herr will die Sünde verurteilen, den Sünder aber retten

 

Jesus und die Ehebrecherin, Tintoretto, Bildergalerie der Prager Burg

 

Liebe Brüder und Schwestern!

Wir sind am fünften Sonntag in der Fastenzeit angelangt, an dem uns die Liturgie in diesem Jahr die Episode aus dem Evangelium vorlegt, in der Jesus eine Ehebrecherin vor der Verurteilung zum Tod rettet (Joh 8,1–11). Während Jesus im Tempel lehrt, bringen die Schriftgelehrten und die Pharisäer eine Frau zu ihm, die beim Ehebruch ertappt worden war, wofür das Gesetz des Mose die Steinigung vorschrieb. Jene Männer fordern Jesus auf, über die Sünderin zu urteilen, mit dem Ziel, »ihn auf die Probe zu stellen« und ihn dazu zu bringen, einen falschen Schritt zu tun. Der Szene mangelt es nicht an Dramatik: von den Worten Jesu hängt das Leben jenes Menschen, aber auch sein eigenes ab. Die heuchlerischen Ankläger tun nämlich so, als ob sie ihm das Urteil überließen, während es gerade er ist, den sie anklagen und richten wollen. Jesus dagegen ist »voll Gnade und Wahrheit« (Joh 1,14): Er weiß, was im Herzen eines jeden Menschen ist, er will die Sünde verurteilen, den Sünder aber retten und die Heuchelei entlarven.
 

Der heilige Evangelist Johannes hebt eine Besonderheit hervor: Während die Ankläger hartnäckig weiterfragen, bückt sich Jesus und schreibt mit dem Finger auf die Erde. Der hl. Augustinus macht die Beobachtung, daß diese Geste Christus als den göttlichen Gesetzgeber zeigt: Gott nämlich schrieb das Gesetz mit seinem Finger auf die Gesetzestafeln (vgl. Tractatus in Ioannis Evangelium, 33,5). Jesus ist also der Gesetzgeber, er ist die Gerechtigkeit in Person. Und was ist sein Urteilsspruch? »Wer von euch ohne Sünde ist, werfe als erster einen Stein auf sie.« Diese Worte sind von der entwaffnenden Kraft der Wahrheit erfüllt, welche die Mauer der Heuchelei niederreißt und die Gewissen für eine größere Gerechtigkeit öffnet, die Gerechtigkeit der Liebe, welche die Erfüllung eines jeden Gesetzes ist (vgl. Röm 13,8–10). Das ist die Gerechtigkeit, die auch Saulus von Tarsus gerettet und ihn in den hl. Paulus verwandelt hat (vgl. Phil 3,8–14).

Als die Ankläger »einer nach dem anderen [fortgingen], zuerst die Ältesten«, spricht Jesus die Frau von ihrer Sünde los und führt sie damit in ein neues Leben ein, das auf das Gute ausgerichtet ist: »Auch ich verurteile dich nicht. Geh und sündige von jetzt an nicht mehr.« 

Es handelt sich dabei um dieselbe Gnade, die den Apostel sagen lassen wird: »Eines aber tue ich: Ich vergesse, was hinter mir liegt, und strecke mich nach dem aus, was vor mir ist. Das Ziel vor Augen, jage ich nach dem Siegespreis: der himmlischen Berufung, die Gott uns in Christus Jesus schenkt« (Phil 3,13–14). Gott will für uns nur das Gute und das Leben; er sorgt durch seine geweihten Diener für die Gesundheit unserer Seele, indem er uns durch das Sakrament der Versöhnung vom Bösen befreit, damit keiner verloren gehe, sondern alle die Möglichkeit haben, sich zu bekehren. In diesem Priester-Jahr möchte ich die Hirten ermahnen, den heiligen Pfarrer von Ars im Dienst der sakramentalen Vergebung nachzuahmen, damit die Gläubigen deren Bedeutung und Schönheit neu entdecken und durch die barmherzige Liebe Gottes genesen, der »so weit geht, freiwillig die Sünde zu vergessen, nur damit er uns vergeben kann« (Schreiben zum Beginn des Priesterjahres, 16. Juni 2009).

Liebe Freunde, lernen wir von Jesus, dem Herrn, über den Nächsten weder ein Urteil zu fällen noch ihn zu verurteilen. Lernen wir, unnachgiebig gegenüber der Sünde – angefangen bei unserer eigenen – und nachsichtig mit den Menschen zu sein. Dabei helfe uns die selige Gottesmutter, die – frei von aller Schuld – Mittlerin der Gnaden für jeden reuigen Sünder ist.

Benedikt XVI, Angelus, 21. März 2010 


Jesus und die Ehebrecherin

Tizian im Kunsthistorischen Museum Wien, B16, Predigt 25.3.2007)

Mosaik in S. Pio da Pietrelcina, Johannes Paul II. in mulieris dignitatem

Glasfenster in der Kathedrale von Troyes

 

Blick von der Burg auf Prag

Veitsdom in Prag

Sonntag, 30. März 2025

Das Herz des Vaters

Der Bilderzyklus vom verlorenen Sohn in der Kathedrale von Bourges

Der Vater umarmt den heimkehrenden Sohn, Glasfenster in St. Martinskirche, Aalst.

Die Heimkehr des verlorenen Sohnes, Glasfenster, Kathedrale von Lille.

der Vater umarmt den zurückkommenden Sohn, Glasfenster in St Mary Abbot, London 

Bilderzyklus, Glasfenster in Ely, Gleichnis vom verlorenen Sohn, Johannes Paul II. in Dives misericordia über den verlorenen Sohn, Teil 2

Bilderzyklus, Glasfenster in Ely, Gleichnis vom verlorenen Sohn, Johannes Paul II. in Dives misericordia über den verlorenen Sohn, Teil 1 

Der Heimkehrende Sohn, Glasfenster in der Basilika von Paray le Monial, Balthasar, Du hast Worte des ewigen Lebens

DETAILS AUS DER KATHEDRALE VON BOURGES:
(Anfang des 13. Jahrhunderts)

 

Der Vater gibt dem Sohn das Erbe

Das Gleichnis vom verlorenen Sohn ist vielleicht das bewegendste unter allen Gleichnissen Jesu im Evangelium. Das Schicksal und das Wesen der beiden Söhne dient nur dazu, das Herz des Vaters zu offenbaren. Lebendiger, anschaulicher hat Jesus den Vater im Himmel nie geschildert als hier. Das Erhebende beginnt schon damit, daß der Vater die Bitte des Sohnes erfüllt und ihm den ihm zustehenden Erbteil aushändigt.
Für uns ist dieser Erbteil Gottes unsere Existenz, unsere Freiheit, unsere Vernunft und Selbstverantwortung: lauter höchste Güter, die nur Gott uns gegeben haben kann. Daß wir alles vertun und in Not geraten und die Not uns zur Besinnung bringt, ist im Grunde nicht interessant, wohl aber daws Ausschauhalten des Vaters, sein Mitleid, seine überschwengliche Begrüßung, die Neuausstattung des Verlorenen und das für ihn anberaumte Fest.
Nicht einmal gegen den störrischen, eifersüchtigen Bruder findet der Vater ein hartes Wort: was er ihm sagt, ist nicht Beschwichtigung, sondern volle Wahrheit: wer bei Gott ausharrt, dem gehört alles gemeinsam mit Gott.
Jesu Verherrlichung des Vaters hat das Besondere an sich, daß er selbst in seiner Schilderung der Versöhnung Gottes mit dem sündigen Menschen gar nicht vorkommt. Er ist hier nichts anderes als das Wort, das die Versöhnung berichtet, vielmehr ein Immerschon-Versöhntsein; daß er selbst das Wort, durch das Gott diese ewige Versöhnung seiner selbst mit der Welt herstellt, wird verschwiegen.
(Hans Urs von Balthasar, Licht des Wortes, 258f)


Der Vater umarmt der heimkehrenden Sohn und stattet ihn mit einem neuen Kleid aus


Der Vater sucht die beiden Söhne zu versöhnen
Details aus dem Fenster vom barmherzigen Vater, Kathedrale von Bourges

Samstag, 29. März 2025

Gott, sei mir Sünder gnädig!

 

Wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden
St Mary Abbots, London

Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas 18

In jener Zeit
9 erzählte Jesus einigen,
die von ihrer eigenen Gerechtigkeit überzeugt waren
und die anderen verachteten,
dieses Gleichnis:
10 Zwei Männer gingen zum Tempel hinauf, um zu beten;
der eine war ein Pharisäer,
der andere ein Zöllner.
11 Der Pharisäer stellte sich hin und sprach bei sich dieses Gebet:
Gott, ich danke dir,
dass ich nicht wie die anderen Menschen bin,
die Räuber, Betrüger, Ehebrecher
oder auch wie dieser Zöllner dort.
12 Ich faste zweimal in der Woche
und gebe den zehnten Teil meines ganzen Einkommens.
13 Der Zöllner aber blieb ganz hinten stehen
und wollte nicht einmal seine Augen zum Himmel erheben,
sondern schlug sich an die Brust
und betete: Gott, sei mir Sünder gnädig!
14 Ich sage euch:
Dieser ging gerechtfertigt nach Hause zurück,
der andere nicht.
Denn wer sich selbst erhöht,
wird erniedrigt,
wer sich aber selbst erniedrigt,
wird erhöht werden.

Freitag, 28. März 2025

Mit ganzem Herzen und ganzer Seele, mit deinem ganzen Denken und ...

 

Eucharistische Anbetung im Heiligtum der Barmherzigkeit von Vilnius

Aus dem heiligen Evangelium nach Markus 12

In jener Zeit
28b ging ein Schriftgelehrter zu Jesus hin
und fragte ihn: Welches Gebot ist das erste von allen?
29 Jesus antwortete:
Das erste ist: Höre, Israel,
der Herr, unser Gott, ist der einzige Herr.
30 Darum sollst du den Herrn, deinen Gott, lieben
mit ganzem Herzen und ganzer Seele,
mit deinem ganzen Denken und mit deiner ganzen Kraft.
31 Als zweites kommt hinzu:
Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.
Kein anderes Gebot ist größer als diese beiden.
32 Da sagte der Schriftgelehrte zu ihm: Sehr gut, Meister!
Ganz richtig hast du gesagt:
Er allein ist der Herr
und es gibt keinen anderen außer ihm
33 und ihn mit ganzem Herzen,
ganzem Verstand und ganzer Kraft zu lieben
und den Nächsten zu lieben wie sich selbst,
ist weit mehr als alle Brandopfer und anderen Opfer.
34 Jesus sah, dass er mit Verständnis geantwortet hatte,
und sagte zu ihm: Du bist nicht fern vom Reich Gottes.
Und keiner wagte mehr, Jesus eine Frage zu stellen.

(Evangelium vom Freitag der 3. Woche der Fastenzeit)


Dienstag, 25. März 2025

Sie entschließt sich, Gott allein wirken zu lassen

 

Salford RC Cathedral, Manchester

Jasagend verzichtet sie auf sich selber, sie vernichtet sich selbst, um Gott allein wirksam sein zu lassen.
Sie erschließt seinem Wirken alle Möglichkeiten, die ihr Wesen ausmachen, die ihr anvertraut sind, ohne daß sie sie übersehen könnte oder wollte.

Sie entschließt sich, Gott allein wirken zu lassen, und wird doch gerade durch diese Entschließung mitwirkend.
Denn immer ist Mitwirkung mit den Werken der Gnade Frucht eines Verzichts. Jeder Verzicht in der Liebe ist fruchtbar, weil er Raum schafft für die Zusage an Gott, und Gott wartet nur auf die Zusage des Menschen, um ihm zu zeigen, was ein Mensch mit Gott zusammen vermag.
Niemand hat so sehr auf alles eigene verzichtet, um nur Gott walten zu lassen, als Maria; niemandem hat darum Gott größere Macht der Mitwirkung geschenkt als ihr:

Verzichtend auf alle Möglichkeiten erhält sie deren Erfüllung über alles Erhoffbare hinaus:
Mitwirkend im Leib wird sie Mutter des Herrn;
Mitwirkend im  Geist seine Magd und seine Braut.
Und die Magd wird Mutter, und die Mutter wird Braut: jede sich schließende Perspektive eröffnet eine neue, immer weiter, ins Unübersehbare.
(Adrienne von Speyr, Magd des Herrn, 9)

Verkündigung des Herrn, Salford Cathedral

Montag, 24. März 2025

Der höchste Engel mit der wichtigsten Botschaft

Verkündigung des Herrn, Fra Angelico, San Marco Museum, Florenz

 

Zur Jungfrau Maria wird kein beliebiger Engel gesandt, sondern der Erzengel Gabriel.
Denn für diesen Dienst war es angemessen, dass der höchste Engel kam um die wichtigste aller Botschaften zu bringen.
Er wird deshalb mit seinem Namen genannt, damit durch das Wort bezeichnet wird, was er tat. Denn Gabriel heißt "Stärke Gottes".
Durch die Stärke Gottes also musste der verkündet werden, der als Herr der Kräfte und mächtig im Kampf kam, um die bösen Gewalten zu überwinden.
(Gregor der Große)

Verkündigung des Herrn
1 Glasfenster in Southwark Cathedral, London
2 Glasfenster der Ankündigung der Jungfrauengeburt durch Jesaja, Etheldreda´s Church, London
3 Tympanon der Marienkapelle, Würzburg, Ewiges Wort verwendet Sprachrohr als Rutsche
4 Glasfenster in Koekelberg, Brüssel
5 Verkündigungsaltar S. Ignazio, Rom
6 Verkündigungsrelief, S. Maria del Carmine, Brescia
7 Glasfenster S. Maria Maggiore, Triest
8 Glasfenster Ely Cathedral 
9 Mosaik, 6. Jh., Euphrasius Basilika, Porec
10 Glasfenster in ULF v. Chartres
11 Glasfenster in St. Ottilien
12 Glasfenster im Liebfrauendom, München
13 Musee d´arts, Brüssel
14 Fresko, S. Maria sopra Minerva, Rom
15 Glasfenster in der Franziskanerkirche in Pressburg
16 Dom von Orvieto
17 Maria am Gestade, Wien
18 Fresko, S. Maria in Trastevere, Rom
19 Glasfenster in All Saints, Cambridge
20 Kathedrale von Sevilla
21 Mosaik und Fresko im orthodoxen Nazareth
22 Kunsthistorisches Museum, auf Stein
23 neugotisches Altarretabel in der Kathedrale von Zagreb
24 Tympanon des Ericsdoms in Uppsala
25 Glasfenster in Saint Germain, Paris
26 Mosaik im Johannes Paul II. Heiligtum in Krakau
27 Relief im heiligen Haus im Loreto, Italien
28 Relief des Eingangstors, S. Maria Maggiore, Rom 
29 Fresko, griech. orthodoxe Dreifaltigkeitskirche, Wien
30 Verkündigungsmonstranz im Klemensmuseum, Maria am Gestade, Wien
31 Fresko in Silvesterkapelle in Santi Quattro Coronati, Rom
32 rumänisch-orthodoxe Kirche Knittelfeld, Österreich
33 Fresko in S. Zeno Maggiore, Steinrelief am Portal, Verona
34 Mosaik beim Portal v. Maria am Gestade, Wien
35 Glasfenster im Kölner Dom 
36 Fresko in der Kathedrale von Burgos
27 Taufstein von Johannes Paul II. in Wadowice, Polen
38 im Museum der Kathedrale von Burgos
39 Fresko in S. Maria infra Portas, Foligno

40 Verkündigungsszene auf dem Tabernakel in Pamhagen, Burgenland
41 Verkündigung auf dem Verduner Altar, Klosterneuburg
42 Tabernakel von Egino Weinert, St. Foillan, Aachen
43 Heilig Geist Kirche in Veresegyhaz, Ungarn
44 Verkündigungsfenster in Pfarrkirche Ybbs, Niederösterreich
45 in Loreto, Malerei

46 in Colmar, Altar im Museum Unterlinden 1

47 in Colmar, Museum Unterlinden 2

48 Fresko in der Wiener Dominikanerkirche

49 Maria am Gestade, Wien, Detail von Nr. 17, B16, 25.3.2007

50 Glasfenster in Notre Dame de la Chapelle, Brüssel

51 Glasfenster in meiner Heimatkirche

52 Glasfenster in der Kathedrale von Worcester