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Sonntag, 31. Mai 2026

Gebet zur Dreifaltigkeit für die geistlichen Berufungen (Johannes Paul II.)

 

Heiligste Dreifaltigkeit, erbarme Dich unser!

Der „Gnadenstuhl“ ist eine ikonographische Form der Darstellung der Heiligen Dreifaltigkeit: Gottvater hält den gekreuzigten Christus vor sich oder trägt ihn auf seinem Schoß, während zwischen ihnen die Taube des Heiligen Geistes erscheint. Diese Bildform wurde besonders im Spätmittelalter beliebt, weil sie die Einheit der Dreifaltigkeit und zugleich das Erlösungswerk Christi veranschaulicht.

Im Veitsdom befindet sich ein großes Chorfenster, das zwischen 1946 und 1948 nach Entwürfen des tschechischen Künstlers Max Švabinský geschaffen wurde. Im Zentrum dieses Fensters ist die Heilige Dreifaltigkeit als Gnadenstuhl dargestellt. Unter der Dreifaltigkeit erscheinen die vier Evangelisten. Die benachbarten Fenster zeigen die Gottesmutter sowie wichtige böhmische Heilige.

Interessant ist, dass dieses Fenster nicht aus der mittelalterlichen Bauzeit stammt. Die ursprünglichen gotischen Glasfenster des Doms gingen bis auf wenige Fragmente verloren. Die heute sichtbaren Glasfenster entstanden überwiegend zwischen dem 19. und 20. Jahrhundert im Zuge der Vollendung und Restaurierung des Doms. (chatgpt)


Selige und seligmachende Heiligste Dreifaltigkeit, mache deine Söhne und Töchter selig, die du berufen hast, die Größe deiner Liebe, deiner barmherzigen Güte und deiner Schönheit zu bekennen.

Heiliger Vater
, heilige die Söhne und Töchter, die sich um der Ehre deines Namens willen dir geweiht haben. Begleite sie mit deiner Macht, damit sie bezeugen können, dass du der Ursprung von allem bist, die einzige Quelle der Liebe und der Freiheit. Wir danken dir für das Geschenk des geweihten Lebens, das im Glauben dich sucht und in seiner universalen Sendung alle einlädt, den Weg zu dir zu gehen.

Erlöser Jesus Christus
, menschgewordenes Wort, wie du deine Lebensform jenen anvertraut hast, die du gerufen hast, so ziehe weiterhin Menschen zu dir, die für die Menschheit unserer Zeit Hüter der Barmherzigkeit, Vorboten deiner Wiederkunft, lebendiges Zeichen der Güter der künftigen Auferstehung sein sollen. Keine Bedrängnis trenne sie von dir und von deiner Liebe!

Heiliger Geist
, in die Herzen ausgegossene Liebe, die du Geist und Sinn, Gnade und Inspiration schenkst, ewige Lebensquelle, die du durch die zahlreichen Charismen die Sendung Christi vollendest, wir bitten dich für alle Personen des geweihten Lebens. Erfülle ihr Herz mit der innigen Gewissheit, dazu auserwählt worden zu sein, um zu lieben, zu loben und zu dienen. Lab sie deine Freundschaft kosten, erfülle sie mit deiner Freude und mit deinem Trost, hilf ihnen, Momente der Schwierigkeit zu überwinden und nach dem Fall in Vertrauen wieder aufzustehen, mache sie zum Spiegel der göttlichen Schönheit. Gib ihnen den Mut, sich den Herausforderungen unserer Zeit zu stellen, und die Gnade, den Menschen die Güte und Menschenfreundlichkeit unseres Retters Jesus Christus zu bringen (vgl. Tit 3,4).

 Anrufung der Jungfrau Maria

112. Maria, Sinnbild der Kirche, Braut ohne Falte und Makel, die, indem sie dich nachahmt, »jungfräulich einen unversehrten Glauben, eine feste Hoffnung und eine aufrichtige Liebe bewahrt«, stehe den Personen des geweihten Lebens in ihrem Streben nach der ewigen und einzigen Seligkeit bei.

Dir, Jungfrau der Heimsuchung, vertrauen wir sie an, damit sie auf die Nöte der Menschen einzugehen verstehen, um ihnen Hilfe, vor allem aber Jesus zu bringen. Lehre sie die Wunder zu verkündigen, die der Herr in der Welt vollbringt, damit alle Völker seinen Namen rühmen. Stehe ihnen bei in ihrer Arbeit für die Armen, die Hungernden, die Hoffnungslosen, die Geringsten und für alle, die mit aufrichtigem Herzen deinen Sohn suchen. An dich, Mutter, die du die geistliche und apostolische Erneuerung deiner Söhne und Töchter in der Antwort der Liebe und der Ganzhingabe an Christus willst, wenden wir uns vertrauensvoll mit unserem Gebet.

Du, die du bereit im Gehorsam, mutig in der Armut, empfangsbereit in der fruchtbaren Jungfräulichkeit den Willen des Vaters erfüllt hast, erwirke von deinem göttlichen Sohn, dass alle, die die Gabe empfangen haben, ihm im geweihten Leben zu folgen, von ihm mit einer verklärten Existenz Zeugnis geben können, indem sie mit allen anderen Brüdern und Schwestern voll Freude auf die himmlische Heimat und auf das nie erlöschende Licht zugehen.

Wir bitten Dich darum, dass der höchste Herr aller Dinge, Vater, Sohn und Heiliger Geist, in allen und in allem verherrlicht, gepriesen und geliebt werde.
(Johannes Paul II., vita consecrata)

Dreifaltigkeitsdarstellung eines Gnadenstuhls im Prager Veitsdom

Sonntag, 22. Dezember 2024

Und selig, die geglaubt hat

 

Maria und Elisabeth, Heimsuchung
 

Die Begegnung Marias mit ihrer Verwandten Elisabet war zugleich die erste Begegnung des Vorläufers mit dem Messias. Dabei erfüllte sich, was in Lk 1, 15 über Johannes gesagt war: dass er schon im Mutterschoß vom Heiligen Geist erfüllt sein werde. Elisabet begreift das Zeichen; mit Freude und Ehrfurcht begrüßt sie Maria, ihre jüngere Verwandte. Sie preist Maria selig, weil sie geglaubt hat; Maria aber preist die Größe Gottes, des Herrn und Retters. – Bis heute wiederholt die Christenheit im Ave-Maria den Gruß, mit dem Elisabet Maria begrüßt hat, und singt den Lobgesang Marias, das Magnificat.
erabteibeuron

Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas 1

39 In jenen Tagen machte sich Maria auf den Weg
und eilte in eine Stadt im Bergland von Judäa.
40Sie ging in das Haus des Zacharías und begrüßte Elisabet.
41 Und es geschah:
Als Elisabet den Gruß Marias hörte,
hüpfte das Kind in ihrem Leib.
Da wurde Elisabet vom Heiligen Geist erfüllt
42 und rief mit lauter Stimme:
Gesegnet bist du unter den Frauen
und gesegnet ist die Frucht deines Leibes.
43 Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt?
44 Denn siehe, in dem Augenblick, als ich deinen Gruß hörte,
hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib.
45 Und selig,
die geglaubt hat, dass sich erfüllt,
was der Herr ihr sagen ließ.

Marienaltar, Veitsdom

Veitsdom, Prag


Donnerstag, 23. April 2020

Adalbert von Prag

Karlsbrücke, Prag



Adalbert von Prag, tschechisch Vojtech, Bischof.
Vojtech stammte aus dem Fürstengeschlecht der Slavnikiden in Böhmen, er wurde um 956 geboren und erhielt bei der Firmung den Namen seines heiligen Firmspenders, Erzbischof Adalberts von Magdeburg. 983 wurde Adalbert von Kaiser Otto III. zum 2. Bischof von Prag berufen.
Infolge seelsorglicher und politischer Schwierigkeiten verließ er seinen Bischofssitz und wurde Benediktiner in Rom. Er wirkte jedoch später wieder in Prag, ja zog mit Unterstützung des Polenherzogs Boleslaw Chrobry nach Preußen, um an der Weichselmündung den Glauben zu verkündigen. Dort erlitt Adalbert zu Tenkitten am Frischen Haff am 23. April 997 den Märtyrertod, wo ihn die Preußen überwältigten und enthaupteten. Er gilt als Apostel und Patron Preußens.
Zunächst in Gnesen bestattet, wurden seine Gebeine 1039 nach Prag überführt. Dargestellt wird Adalbert als Bischof mit Mitra und Stab, oft mit Ruder, Speer und Schwert.
(Martyrologium Sancrucense)

Adalbert von Prag in der Grabeskirche des Apostels Bartholomäus auf der Tiberinsel

Johannes Nepomuk Denkmal auf der Karlsbrücke vor dem Veitsdom, Prag

Adalbert von Prag, Veitsdom

Montag, 2. Juli 2018

Heimsuchung

Heimsuchung, Veitsdom, Prag

Meine Seele preist die Größe des Herrn
und mein Geist jubelt über Gott meinen Retter.

Mittwoch, 28. Februar 2018

Elisabeth von Pommern

Elisabeth v. Pommern verrichtet ihr Gebet
Mosaik an der Goldenen Pforte, Veitsdom

Elisabeth von Pommern, Kaiserin. Elisabeth war die letzte Gemahlin Kaiser Karls IV. und die Mutter Kaiser Sigismunds. Nach Karls Tod 1378 lebte sie als Franziskanerterziarin in Königgrätz ganz dem Gebet und den Werken der Nächstenliebe. Dort starb sie am 28. Februar 1393 im Ruf großer Heiligkeit und wurde in Prag beigesetzt.
(Martyrologium Sancrucense)

Jüngstes Gericht, Mosaik, um1369, Veitsdom

Nach seiner Rückkehr von einer Reise nach Rom zur Krönung seiner vierten Gemahlin (1368/69) ließ Karl IV. der vierte an der Fassade der Goldenen Pforte ein 95 m2 Mosaik aus Glas, Chalzedon und Quarz von Venezianischen Künstlern anbringen, welches das Jüngste Gericht darstellt. Als Stifter kniet Karl IV. unterhalb der Darstellung gegenüber der hl. Elisabeth von Pommern. Auf seinem Haupt trägt er die Aachener Krone der römischen Könige mit einer Mitra.
(Martyrologium Sancrucense)

Kaiser Karl IV als Stifter, Veitsdom, Prag


Veitsdom, Prag

Donnerstag, 28. September 2017

Wenzeslaus / Wenzel von Böhmen

Veitsdom, Prag


Vaclav oder Wenzeslaus oder Wenzel, Herzog von Böhmen. Vaclav wurde um 903 geboren, die Erziehung übernahm seine Großmutter, die hl. Ludmilla. Als sein Vater Wratislav starb, kam es zu einer tragischen Familienfehde: Der 13-Jährige wurde zwar Herzog von Böhmen, seine Mutter Drahomira übte jedoch die Regentschaft aus und unterstützte die heidnische Religion aus nationalistischem Interesse. Der daraufhin ausbrechende Streit mit Ludmilla endete damit, dass Drahomira ihre Schwiegermutter ermorden ließ.
Drahomira musste jedoch dank des Eingreifens König Heinrichs I. die Herrschaft an ihren Sohn Vaclav abtreten. Dieser war nun um die Ausbreitung und Vertiefung des Christentums in Böhmen bemüht; ihm verdankt das böhmische Volk den Anschluss an die abendländische Kulturgemeinschaft. Vaclav gründete die Veitskirche in Prag. Vermutlich wollte Vaclav ohnehin abdanken und seinem Bruder Boleslaw I. die Macht überlassen, um ins Kloster zu gehen.
Doch noch bevor er sein Vorhaben kundtun konnte, wurde sein Bruder Boleslaw vom heidnischen Adel für ein Attentat auf Vaclav gewonnen. Boleslaw lud seinen Bruder auf seine Burg Altbunzlau, das ist das heutige Stara Boleslaw. Er erschlug Vaclav während eines Gottesdienstes und ließ ihn von anderen in Stücke hauen. Das Martyrium des Herzogs Vaclav ereignete sich am 28. September 929. Die Gebeine wurden in die von ihm gegründete Sankt-Veits-Kirche auf der Prager Burg überführt, 1729 wurde Vaclav als erster Slawe heilig gesprochen.
(Martyrologium Sancrucense)
Die Statue des Heiligen von Peter Parler aus dem Jahre 1373 befindet sich in der Wenzelskapelle im Prager Veitsdom. Bei meinem Besuch war sie leider nur von außen mit Blick durch die Eingangstüren zu besichtigen:

Adler des hl. Wenzel mit Monogramm an der Westtür, Veitsdom, Wenzelskapelle
Bronzener Türklopfer in Form eines Löwenkopfes an der Nordtür, romanischer
Stil, um 1373

Kreuzigungsgruppe mit den Stiftern

Sandmergelstatue des hl. Wenzel, Peter Parler, Darstellung im Harnisch mit Schild, das mit einköpfigem Adler geschmückt
ist, die Lanze bzw. das Schwert ist Zeichen der Ermordung des Heiligen

Der monumentale Renaissance-Messingleuchter mit dem hl. Wenzel unter einem Baldachin ist eine Stiftung der Altstädter Mälzer zum Gedenken an ihre Vorgänger, die am 10. Juni 1421 die hussitischen Bilderstürmer aus dem Dom verjagten. Der Wenzesleuchter wurde 1532 in der berühmten Gießerhütte des Hans Vischer in Nürnberg bestellt.
Die Wandmalereien Christus an der Säule und der dornengekrönte Herr werden Meister Oswald zugeschrieben, nach 1370.

Renaissaince-Messingleuchter mit dem hl. Wenzel,
links Jesus an der Geiselsäule rechts mit der Dornenkrone

Einst ging Wenzel in der strengsten Winterkälte, nur von einem Diener begleitet, um Mitternacht zur Kirche. Eis und Schnee bedeckten den Boden, der Diener zitterte vor Kälte und beklagte sich, daß seine Füße ihn schmerzten wegen des tiefen Schnees, den er kaum durchwaten konnte. Da gab ihm der Heilige den Rat, er sollte nur in seine Fußstapfen treten, und siehe da, eine angenehme Wärme teilte sich den Füßen des Dieners mit, der nun willig dem vor Liebe zu Gott glühenden Heiligen folgte.
(Melchers, Das Jahr der Heiligen, 619)

Jesus vor Pilatus, Meister Oswald, um 1370
 

Freitag, 15. September 2017

Ludmilla von Böhmen

Ludmilla von Böhmen, Veitsdom, Prag

Ludmilla von Böhmen, Herzogin. Ludmilla wurde um 860 geboren, sie wurde die Gemahlin des vom hl. Method getauften ersten christlichen Herzogs von Böhmen, Boriwoj. Ihre Bedeutung hat Ludmilla darin, dass sie nach dem Tod ihres Sohnes die Vormundschaft über ihren Enkel Vaclav (Wenzel) übernahm und diesen so fest im christlichen Glauben erzog, dass er ein Heiliger wurde.
Ludmilla war deshalb der Eifersucht und dem Hass ihrer heidnischen Schwiegertochter Drahomira ausgesetzt. Drahomira wollte den christlichen Einfluss der Großmutter auf ihren Sohn Vaclav zurückdrängen und spann Intrigen gegen Ludmilla, sodass diese sich auf die Burg Tetin zurückzog. Dort ließ Drahomira Ludmilla am 15. September 921 von zwei gedungenen Mördern erdrosseln. Ludmillas Gebeine befinden sich in der Sankt Georgskirche auf dem Hradschin in Prag.
(Martyrologium Sancrucense)

Prag ist schön:


Karlsbrücke mit Blick auf den Veitsdom

Donnerstag, 17. März 2016

Ein Patron des Beichtgeheimnisses - Johannes Sarkander

Jan / Johannes Sarkander, Veitsdom, Prag

Jan Sarkander, Pfarrer und Märtyrer. Jan Sarkander wurde 1576 zu Skotschau in Schlesien geboren, er studierte bei den Jesuiten in Olmütz und Prag, wo er 1603 in Philosophie promovierte. 1606 brach er aber das theologische Studium in Graz ab und heiratete.
Nach dem baldigen Tod seiner Frau studierte er wieder Theologie, 1609 wurde er zum Priester geweiht. Nun wirkte Jan Sarkander in Mähren für den katholischen Glauben und wurde 1616 Pfarrer von Holeszów. Der große Eifer, mit dem er zur Erneuerung des katholischen Glaubens und an die Regulierung der materiellen Güter der Pfarrei heranging, erweckte beim protestantischen und hussitischen Adel großen Hass. Die Situation spitzte sich im 30-jährigen Krieg zu. Im Februar 1620 bewahrte Pfarrer Sarkander seine Stadt Holeszów vor Plünderung, indem er eine eucharistische Prozession gegen das heranziehende Militär hielt. Kurz darauf wurde er von Revolutionären gefangengenommen und in Olmütz so schwer gefoltert, dass er am 17. März 1620 seinen Verletzungen erlag. (Beim Verhör weigerte sich Jan, das Beichtgeheimnis zu verletzen)
Jan Sarkander wurde 1995 von Johannes Paul II. auf einer Pastoralreise nach Tschechien heilig gesprochen, die Seligsprechung war bereit 1860 erfolgt. Das Grab des heiligen Jan Sarkander befindet sich in der Kathedrale von Olmütz.
(Martyrologium Sancrucense)

Prag, Veitsdom

Papst Johannes II. hat Johannes Sarkander trotz heftigen Einspruchs von protestantischer Seite am 21. Mai 1995 in Olmütz heilig gesprochen.
"Johannes Sarkander war Pfarrer in einer Zeit, in der das Christentum das Drama der Reformation erlebte. Weil er der katholischen Kirche treu blieb, wurde er verhaftet und von den Landesherren von Olmütz, die Protestanten waren, grausam gefoltert. Das Prinzip `Cuius regio, ejus religio´ gestattete damals denjenigen, die an der Macht waren, den jeweiligen Untergebenen ihre Religionszugehörigkeit aufzuzwingen. Nach diesem Leitprinzip wurde damals in Böhmen und Mähren sowohl von katholischer als auch von protestantischer Seite sehr viel Gewalt ausgeübt.
Johannes Sarkander war nur eines der vielen Opfer dieser Situation. Die Zeichen der Göttlichen Vorsehung beweisen, dass er eine heroische Heiligkeit erlangt hat; deshalb ist es richtig, dass er zur Ehre des Altäre erhoben wurde. Es war außerdem der Wunsch der Kirche in Böhmen und Mähren, dass diese Heiligsprechung gerade in Olmütz stattfinden sollte. Ich habe der Bitte entsprochen, weil ich die von der Vorsehung gebotene Gelegenheit erfasst, an diesem besonderen historischen Ort einhe kritische Bewertung der Religionskriege zum Ausdruck zu bringen, die sowohl unter den Katholiken als auch unter den Protestanten so viele Opfer gefordert hat. Ich hoffe, dass das Ergebnis dieser Heiligsprechung für alle ein starker Ansporn ist, sich dafür einzusetzen, dass nie wieder solche Sünden gegen das christliche Gebot der Liebe geschehen."
(Johannes Paul II. anlässlich der Heiligsprechung, in: F. Holböck, Die neuen Heiligen der katholischen Kirche, Bd. 4, 248)

Prag, Veitsdom, Blick vom Prämonstratenserkloster Strahov

Johannes Sarkander (Fleischmann) gehört zu den seligen Märtyrern des Grazer Jesuitenkollegs, deren Gedenktag in Graz am 7. September gefeiert wird.

"Das Grazer Jesuitenkolleg wurde 1572 von den Erzherzögen von Österreich gestiftet. Viele Priester und Glaubensboten, die in ferne Länder gesandt wurden, haben hier ihre Ausbildung erhalten. Elf von ihnen starben als Märtyrer für ihren Glauben.
Unter ihnen ragen besonders hervor: Johannes Ogilvie aus Schottland, der fünf Jahre in Graz verbrachte und hier in den Jesuitenorden aufgenommen wurde; er wurde am 10. März 1615 in Glasgow hingerichtet; Paul VI sprach ihn am 17. Oktober 1976 heilig. Der Kroate Markus Krisin und die Jesuiten Stephan Pongracz und Melchior Grodecz wurden am 7. bzw. 8. September 1619 nach grausamen Folterungen in Kaschau mit dem Schwert getötet; Heiligsprechung am 2. Juli 1995 durch Johannes Paul II. 
Johannes Sarkander, ein vornehmer Schlesier, studierte ebenfalls in Graz; wegen seiner standhaften Weigerung, das Beichtgeheimnis zu verletzen, wurde er grausam gemartert und starb im Kerker von Holleschau in Mähren am 17. März 1620. Er wurde von Johannes Paul II am 21. Mai 1995 heiliggesprochen."
(aus dem Direktorium der Diözese Graz Seckau)

Mittwoch, 2. März 2016

Agnes von Böhmen

vlnr: Agnes von Böhmen, Veit/Vitus, Johannes Sarkander

Agnes von Böhmen, Kaisersgattin und Nonne. Agnes war die Tochter des böhmischen Königs Ottokar I., der seine Tochter als Mittel zum politischen Zweck gebrauchte. Noch als Kind verlobte er Agnes mit Boleslaw von Schlesien; ihre Erziehung erhielt sie bei den Zisterzienserinnen von Treblitz. Als ihr Bräutigam starb, verlobte der Vater sie dem deutschen Kaiser Friedrich II. Doch die Fürbitte des Papstes konnte Friedrich II. überreden, sie wieder freizugeben.
Da Agnes Elisabeth von Thüringen und Klara von Assisi nacheiferte, mit denen sie in Briefkontakt stand, legte sie 1234 die Krone ab und trat bei den Klarissinnen ein. Schließlich wurde sie Äbtissin des neugegründeten Franziskanerinnenklosters in Prag, ferner stiftete sie das Prager Hospital und daneben die Salvatorkirche. Sie starb am 2. März 1282.
Papst Johannes Paul II. sprach Agnes am 12. November 1989 heilig. Viele haben die Befreiung Böhmens von der 40-jährigen kommunistischen Diktatur der Fürbitte der heiligen Agnes zugeschrieben, da die „sanfte Revolution“ wenige Tage nach der Heiligsprechungsfeier erfolgte und das Regime ohne Blutvergießen zusammenbrach.
(Martyrologium Sancrucense)

Agnes von Böhmen, Veitsdom, Prag

Die selige Agnes von Böhmen bleibt, obschon sie in einer uns so fernen Zeit gelebt hat, auch für heute ein leuchtendes Beispiel christlichen Glaubens und heroischer Liebe, das zum Nachdenken und Nachahmen einlädt.
Auf ihr Leben und ihre Spiritualität treffen die Worte aus dem ersten Petrusbrief zu: "Seid .... besonnen und nüchtern, und betet." So schreibt der Erste der Apostel an die Christen seiner Zeit und fügt hinzu: "Vor allem haltet fest an der Liebe zueinander.... seid untereinander gastfreundlich, ohne zu murren" (1 Petr 4,7-9) Genau das ist das Lebensprogramm der hl. Agnes gewesen: vom zartesten Alter an richtete sie ihre Existenz auf die Suche der himmlischen Güter aus. Nachdem sie einige Heiratsanträge zurückgewiesen hatte, beschloß sie, sich ganz Gott zu weihen, auf daß er in ihrem Leben durch Jesus Christus verherrlicht werde (vgl. 1 Petr 4,11).

(....) Seid untereinander gastfreundlich, ohne zu murren" ( 1 Petr 4,9). Nach dieser Norm richtete die hl. Agnes ständig ihr Handeln aus, mit vollem Vertrauen nahm sie stets die von der Vorsehung zugelassenen Ereignisse in der Gewißheit, daß alles vergeht, die Wahrheit jedoch in Ewigkeit bleibt!
Und das ist die Lehre, die die neue Heilige auch euch, ihren lieben Landsleuten, gibt, und die sie allen gibt. Die menschliche Geschichte ist in ständiger Bewegung, die Zeiten ändern sich mit den wechselnden Generationen und mit den wissenschaftlichen Entdeckungen; am Horizont der Menschheit, die stets unterwegs ist, werden neue Techniken, aber auch neue Sorgen sichtbar, doch die erleuchtende und rettende Wahrheit Christi dauert im Wandel der Ereignisse fort.

Alles, was auf der Erde geschieht, ist vom Allerhöchsten gewollt oder zugelassen, damit die  Menschen den Durst oder die Sehnsucht nach der Wahrheit verspüren, nach ihr streben, sie suchen und zu ihr gelangen!

(aus der Ansprache von Johannes Paul II. bei der Heiligsprechung von Agnes von Böhmen, in: F. Holböck, die neuen Heiligen der katholischen Kirche, Bd. 3, 334f)

oben: Apostel Andreas, Veitsdom, Prag

Samstag, 16. Mai 2015

Johannes Nepomuk - der Brückensturz gem. der Klageschrift von Erzbischof Johannes von Jenzenstein


Johannes Nepomuk-Denkmal, Karlsbrücke, Veitsdom im Hintergrund


Eine ausführliche Schilderung der Vorgänge in Prag am 20. März 1393 gibt uns die Klageschrift, welche Erzbischof von Jenzenstein unmittelbar nach ihnen und unter ihrem frischen Eindruck dem Papst Bonifatius IX. in Rom persönlich überreichte. In ihr zählt er in 38 Artikeln alle Übergriffe auf, die sich der König bzw. seine Räte mit Vorwissen und Willen ihres Herrn auf das kirchliche Rechtsgebiet hatten zuschulden kommen lassen.




Nach der Darstellung des Erzbischofs war der Hergang der Ereignisse folgender: Gleich nachdem der Generalvikar Johannes von Pomuk mit seinen Amtsgenossen Nikolaus Puchnik am erzbischöflichen Hof in Raudnitz angekommen war, traf dort die Aufforderung des Königs an den Erzbischof ein, sofort nach Prag zu kommen. Dieser zögerte begreiflicherweise. Schließlich entschloß er sich, da das Drängen des Königs ungestümer wurde, auf den Rat seines Generalvikars sowie seines Hofmeisters, doch nach Prag zu gehen.

Auf  dem Weg kamen ihm jedoch neue Bedenken und er machte eine Meile vor Prag - wahrscheinlich in dem ihm gehörenden Keje - Halt. Dort fanden sich nun als Unterhändler des Königs ein: dessen Beichtvater, der Minorit Fr. Nikolaus von Münsterberg, erwählter Bischof von Lavant und der Hofmarschall Johann Cuch von Zasada auf Lobkowic. Sie sollten den Erzbischof überreden, nach Prag zu kommen und mit dem König persönlich zu verhandeln.



Beichte der Königin, Karlsbrücke, Prag

Johannes v. Nepomuk wird in die Moldau gestürzt, Karlsbrücke, Prag


Das war für die beiden Unterhändler keine leichte Aufgabe, hatten sie doch gleichzeitig dem Erzbischof ein Brieflein des Königs auszuhändigen, das nichts weniger als beruhigend klang. Der Erzbischof gibt den Inhalt dieses in vulgari teutonico, also deutsch, abgefaßten königlichen Handbillets lateinisch wieder: Tu Archiepiscope mihi castrum Ridnicz et alia castra mea restituas et recedas mihi des terra mea Boemie. Et si aliquid contra me tentabis vel meos, volo te submergere litesque sedare, Pragam veni! Man wird verstehen, daß sich der Erzbischof, nachdem er vom Inhalt dieses Schreibens Kenntnis genommen hatte, entschieden weigerte, Prag zu betreten und sich geradezu dem Jähzorn des Königs und seinen unberechenbaren Folgen auszusetzen.

Nur dadurch, daß sie die beiden Unterhändler zugleich mit dem Obersthofmeister des Königs, Heinz Skopek von Duba, der auch noch dazukam, mit ihrer eigenen Person für des Erzbischofs und seiner Umgebung Leben und Sicherheit verbürgten, gelang es, ihn umzustimmen und zu bewegen, mit seinem Gefolge und seinen Räten - dem Generalvikar, dem Offizial Nikolaus Puchnik und dem Probst von Meissen Wenzel Knobloch - im erzbischöflichen Hofe auf der Prager Kleinseite Wohnung zu nehmen.

Die Unterhändler des Königs und die drei eben genannten Vertreter des Erzbischofs nahmen die Aussöhnungsverhandlungen auf, die schon am folgenden Tag zu einem glücklichen Abschluß gediehen. Es wurde ein beiden Partnern genehmer Vertrag aufgesetzt und für den anderen Tag eine persönliche Zusammenkunft zwischen König und Erzbischof ausgemacht. Sie sollte im Kloster der Johanniter-Ritter, das neben dem erzbischöflichen Hofe lag, also auf neutralem Boden, vor sich gehen. Auf ihr gedachte man, eine vollständige Aussöhnung zwischen den beiden Männern, die Staat und Kirche in Böhmen vertraten, zu erreichen. Der am Vortag aufgesetzte Vertrag sollte dabei von ihnen unterfertigt werden.




Die geplante Zusammenkunft fand auch statt, nahm aber einen ganz anderen Verlauf, als beide Teile gedacht und wohl auch erhofft hatten. Der König, der seiner Gepflogenheit gemäß bereits am frühen Morgen stark dem Weine zugesprochen hatte, - wenigstens schließt dies W. W. Tomek aus seinem ganzen Verhalten, - geriet beim Anblick des Erzbischofs und seiner geistlichen Räte in maßlosen Zorn und - so erzählt der Erzbischof wörtlich - "kassierte und zerriß jenen Vertrag, den er doch selbst durch seinen Rat hatte verfassen lassen, mit dem Bemerken, er wolle sich mit einem solchen Vertrag und Abkommen nicht zufriedenstellen. Aber das fügte er noch bei - (...): Erzbischof, du bannst ohne mein Vorwissen meine Beamten; du hast den Abt von Kladrau bestätigt; du schwärzest meinen Unterkämmerer als Ketzer und Irrlehrer an und bringst auch die Juden mit herein in die ganze Sache, wo doch die Juden nur mich etwas angehen und jene Sache mich allein betriffrt. Du fängst ohne alle Überlegung solche Sachen an und auf eigene Faust. Merk dir, das soll dir teuer zu stehen kommen und auch den Deinen!"

"Dann schleuderte er auch gegen meinen Hofmeister Drohungen und sagte ihm schließlich: "Mach dich fort von hier, sonst will ich dir deinen Kopf zu Füßen legen lassen!" Schließlich deutete er auf meine Räte, die Prälaten, die hinter mir standen, und sagte: "Nehmt mir diese vier gefangen und bringt sie in sicheres Gewahrsam!" Er meinte damit meinen Offizial Nikolaus Puchnik, meinen Generalvikar, den decretorum Doktor Johannes, meinen Kanonikus und Meißner Propst Wenzel und mich selbst. Auch sonst stieß er wilde Drohungen aus, zeigte mit dem Finger auf uns und sagte: "Dich und dich, werde ich ertränken lassen! Jetzt aber werdet ihr zum Kapitelhaus hinaufgehen und dort werde ich schon sehen, auf wessen Rat und Veranlassung dies geschiehen ist!"


Denkmal, das den Ort des Brückensturzes bezeichnet




Der Erzbischof wollte nun  durch einen Kniefall den Zorn des Königs besänftigen. Doch der König äffte voll Hohn diese Gebärde nach und fiel auch seinerseits vor dem Erzbischof auf die Knie. Die dadurch entstehende Verwirrung benutzte die Leibwache des Erzbischofs, schob sich zwischen König und Erzbischof und drängte diesen vom König weg. Dann brachten sie ihn unbehelligt aus dem Saal und Kloster, ohne daß dies der König in seinem blinden Wüten und Toben überhaupt wahrnahm.
Erst als er mit den übrigen Gefangenen im Kapitelhaus auf der Burg ankam, bemerkte der König, daß ihm der Erzbischof entkommen war. Er traf wohl sogleich Anstalten, sich seiner wieder zu bemächtigen, ließ die Stadttore und den Moldauhafen besetzen und die Überfuhr über den Fluß allgemein sperren. Allen Geistlichen wurde für die kommende Nacht das Verlassen des Hauses verboten: Priestern wurde im Betretungsfall Gefängnishaft angedroht, Klerikern - also auch den Hörern der Hochschule - der Verlust der rechten Hand.

Doch hatte sich der Erzbischof bereits in Sicherheit gebracht. Da nicht einmal seine feste Stadt Raudnitz ihm genügend Schutz zu bieten schien, war er in die dichten Wälder des Erzgebirges gegen Sachsen zu an die Grenze seines ehemaligen Bistums Meißen geflüchtet. Hier durfte er in der dem Erzbistum gehörigen Burg Geiersberg - an der Zollstraße von Aussig nach Meissen - sicheren Schutz vor weiteren Nachstellungen des Königs erwarten.




"Dieser hatte inzwischen die drei gefangenen Prälaten" - wir lassen nun wieder den Erzbischof selbst erzählen - "mit meinem Hofmeister, Herrn Nyepr, einem schon betagten Ritter, ins Kapitelhaus gebracht und von dort ins Richthaus zum Nachrichter. Im Kapitelhaus schlug er meinem Domdechanten, den Juris Doktor Bohuslaus (von Krnow), einen ehrwürdigen Mann und bereits hoch in den Jahren, mehrere Male mit seinem Degenknopf dermaßen fest auf das Haupt, daß das Blut nur so herumspritzte."

"Im Richthaus, wo Laien zu Gericht sitzen, ließ er ihnen Hände und Füße binden und sie vor aller Augen vom Henker und Folterknecht der gemeinen Verbrecher in sakrilegischem Unterfangen auf mannigfache Weise peinlich foltern. Er sah dabei nicht bloß zu, sondern mit Hintansetzung der Ehre seiner königlichen Majestät legte er selbst Hand an und brannte mit einer großen Fackel den Generalvikar und den Offizial an der Seite und an verschiedenen anderen Stellen. Nur den Propst verschonte er und den Ritter (Nyepr), den er an einem anderen Orte in Gewahrsam hielt.

"Dann gab er den Befehl, sie zu ertränken. Und sicher wären sie auch alle ertränkt worden, wenn sie nicht in Gegenwart eines öffentlichen Notars das eidliche Versprechen abgegeben hätten: weder jetzt noch späterhin davon zu sprechen, daß sie gefangengehalten und gefoltert wurden. Auch mußten sie ihm schwören, gegen mich, ihren Erzbischof, Stellung nehmen zu wollen. Jene ließen sich nun in ihrer Todesangst, ehe sich sich ertränken ließen, dazu herbei, eine öffentliche, rechtsgültige Urkunde auszustellen und bekräftigten sie durch einen Eidschwur."

"Nur der ehrwürdige Doktor Johannes, mein Generalvikar für die geistlichen Angelegenheiten des Erzbistums, wurde aufs grausamste gemartert und es wurde ihm eine Seite des Körpers dermaßen verbrannt, daß er auf keine Weise hätte am Leben bleiben können. Schließlich wurde er ganz offen durch die Straßen und über die Plätze der Straße geschleppt, seine Hände auf den Rücken und seine Füße gegen das Haupt nach Art eines Rades zusammengeschnürt, und sein Mund gewaltsam mit einem hölzernen Knebel aufgespreizt. So wurde er um die dritte Nachtstunde von der Prager Brücke in die Moldau gestürzt, wo er im Wasser des Flusses versank und elendiglich seine Tage beschloß."

(aus: Gefolge des Lammes, Bd. 2, 242-245, 1960)


Freitag, 20. März 2015

Die sieben Aufopferungen des kostbaren Blutes (4)

Herz-Jesu Statue, Veitsdom, Prag

Ewiger Vater,
wir opfern dir auf das kostbare Blut Jesu Christi,
das am Kreuz vergossen,
dir täglich auf dem Altar dargebracht wird:

für die Regierungen
für die öffentliche Sittlichkeit
und für Frieden und Gerechtigkeit
unter allen Völkern

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist,
wie im Anfang so auch jetzt und allezeit und in Ewigkeit. Amen.
Lob und Dank sei Jesus allezeit,
der uns mit seinem Blute hat befreit.
(Kreuzeslob, 516)

Freitag, 6. März 2015

Die sieben Aufopferungen des kostbaren Blutes (2)

Veitsdom, Prag

Ewiger Vater,
wir opfern dir auf das kostbare Blut Jesu Christi,
das am Kreuz vergossen,
dir täglich auf dem Altar dargebracht wird:

für die Ausbreitung der Kirche,
für unseren Heiligen Vater,
die Bischöfe, Priester und Ordensleute,
und zur Heiligung aller, die an dich glauben.

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist,
wie im Anfang so auch jetzt und allezeit und in Ewigkeit. Amen.
Lob und Dank sei Jesus allezeit,
der uns mit seinem Blute hat befreit.
(Kreuzeslob, 516)

Sonntag, 28. September 2014

Wenzel von Böhmen



Holzrelief des hl. Wenzel, Prager Veitsdom

Vaclav oder Wenzeslaus oder Wenzel, Herzog von Böhmen. Vaclav wurde um 903 geboren, die Erziehung übernahm seine Großmutter, die hl. Ludmilla. Als sein Vater Wratislav starb, kam es zu einer tragischen Familienfehde: Der 13-Jährige wurde zwar Herzog von Böhmen, seine Mutter Drahomira übte jedoch die Regentscahft aus und unterstützte die heidnische Reaktion aus nationalistischem Interesse. Der daraufhin ausbrechende Streit mit Ludmilla endete damit, dass Drahomira ihre Schwiegermutter ermorden ließ.
Drahomira musste jedoch dank des Eingreifens König Heinrichs I. die Herrschaftan ihren Sohn Vaclav abtreten. Dieser war nun um die Ausbreitung und Vertiefung des Christentums in Böhmen bemüht; ihm verdankt das böhmische Volk den Anschluss an die abendländische Kulturgemeinschaft. Vaclav gründete die Veitskirche in Prag. Vermutlich wollte Vaclav ohnehin abdanken und seinem Bruder Boleslaw I. die Macht überlassen, um ins Kloster zu gehen. Doch noch bevor er sein Vorhaben kundtun konnte, wurde sein Bruder Boleslaw vom heidnischen Adel für ein Attentat auf Vaclav gewonnen. Boleslaw lud seinen Bruder auf seine Burg Altbunzlau, das ist das heutige Stara Boleslaw. Er erschlug Vaclav während eines Gottesdienstes und ließ ihn von anderen in Stücke hauen. Das Martyrium des Herzogs Vaclav ereignete sich am 28. September 929. Die Gebeine wurden in die von ihm gegründete Sankt-Veits-Kirche auf der Prager Burg überführt, 1729 wurde Vaclav als erster Slawe heilig gesprochen.

(Martyrologium Sancrucense)

Martyrium des hl. Wenzel, Holzrelief, Prager Veitsdom