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Sonntag, 8. März 2026

Wasser aus dem Felsen

 

Mose schlägt an den Felsen, Wasser kommt heraus
St Peter Mancroft, Norwich


Lesung aus dem Buch Éxodus 17

In jenen Tagen
3 dürstete das Volk nach Wasser
und murrte gegen Mose.
Sie sagten:
Wozu hast du uns überhaupt aus Ägypten heraufgeführt,
um mich und meine Söhne und mein Vieh
vor Durst sterben zu lassen?
4 Mose schrie zum Herrn:
Was soll ich mit diesem Volk anfangen?
Es fehlt nur wenig und sie steinigen mich.
5 Der Herr antwortete Mose:
Geh am Volk vorbei
und nimm einige von den Ältesten Israels mit;
nimm auch den Stab in die Hand,
mit dem du auf den Nil geschlagen hast,
und geh!
6 Siehe,
dort drüben auf dem Felsen am Horeb werde ich vor dir stehen.
Dann schlag an den Felsen!
Es wird Wasser herauskommen
und das Volk kann trinken.
Das tat Mose vor den Augen der Ältesten Israels.
7 Den Ort nannte er Massa und Meríba, Probe und Streit,
weil die Israeliten gehadert
und den Herrn auf die Probe gestellt hatten,
indem sie sagten: Ist der Herr in unserer Mitte oder nicht?

(1. Lesung vom 3. Fastensonntag, Lesejahr A) 

Sonntag, 1. März 2026

Durch das Leiden mit Christus zur Auferstehung gelangen

 



In Wahrheit ist es würdig und recht, dir, Vater im Himmel,
zu danken durch unseren Herrn Jesus Christus.
Denn er hat den Jüngern seinen Tod vorausgesagt
und ihnen auf dem heiligen Berg seine Herrlichkeit kundgetan.
In seiner Verklärung erkennen wir, was Gesetz und Propheten bezeugen:
daß wir durch das Leiden mit Christus zur Auferstehung gelangen.
Durch ihn rühmen wir deine Größe
und singen mit den Chören der Engel das Lob deiner Herrlichkeit.

Präfation zum 2. Fastensonntag

Verklärung des Herrn, St Peter Mancroft, Norwich
linker Engel: das ist mein gelieber Sohn
rechter Engel: auf ihn sollt ihr hören

Verklärung des Herrn

 Figurengruppe der Verklärung im Chorumgang von Notre Dame de Chartres, B16 7. August 2005 

Altar der Dominikanerkirche in Lublin, Gebet der Ostkirche

San Marco Museum, Florenz, Fra Angelico, B16 Angelus, 9.3.2009

Glasfenster in der St Paul´s Cathedral in Dundee, B16, 2. Fastensonntag 2006

Glasfenster in Salisbury Cathedral, Einführung ins Jesusbuch von B16

Glasfenster in St Chad´s Church - The Manchester Oratory (Präfation)

Gemälde in den Uffizien

Mosaik, Rosenkranzstation in Medjugorje (B16. 6 August 2006)

Hochaltarbild im Stift Kremsmünster

Glasfenster in St Etheldreda´s Church, London

Berg Tabor im Heiligen Land 1 (B16, 24.2.2013)

Glasfenster in La Salette

Mosaik im Petersdom

Malerei in S. Maria degli Angeli e dei Martiri in Rom

Kloster Sucevita in Rumänien

Berg Tabor - neue Impressionen 2 (B16, 18.2.2008)

Glasfenster im Magdalene College in Cambridge

Glasfenster im Straßburger Münster

Glasfenster in der Basilika Sacre Coeur, Paray Le Monial (B16. 5.3.2007)

Donnerstag, 19. Februar 2026

Ich verpflichte dich heute, den Herrn, deinen Gott, zu lieben, auf seinen Wegen zu gehen...

 


Frauenkirche, Dresden

Lesung aus dem Buch Deuteronómium 30
(vom  Donnerstag nach Aschermittwoch)

Mose sprach zum Volk:
15 Siehe, hiermit lege ich dir heute das Leben und das Glück,
den Tod und das Unglück vor,
nämlich so:
16 Ich selbst verpflichte dich heute,
den Herrn, deinen Gott, zu lieben,
auf seinen Wegen zu gehen
und seine Gebote, Satzungen und Rechtsentscheide
zu bewahren,
du aber lebst und wirst zahlreich
und der Herr, dein Gott, segnet dich in dem Land,
in das du hineinziehst, um es in Besitz zu nehmen.
17 Wenn sich aber dein Herz abwendet und nicht hört,
wenn du dich verführen lässt,
dich vor anderen Göttern niederwirfst und ihnen dienst –
18 heute erkläre ich euch:
Dann werdet ihr ausgetilgt werden;
ihr werdet nicht lange in dem Land leben,
in das du jetzt über den Jordan hinüberziehst,
um hineinzuziehen und es in Besitz zu nehmen.
19 Den Himmel und die Erde
rufe ich heute als Zeugen gegen euch an.
Leben und Tod lege ich dir vor,
Segen und Fluch.
Wähle also das Leben, damit du lebst,
du und deine Nachkommen.
20 Liebe den Herrn, deinen Gott,
hör auf seine Stimme
und halte dich an ihm fest;
denn er ist dein Leben.
Er ist die Länge deines Lebens,
das du in dem Land verbringen darfst,
von dem du weißt:
Der Herr hat deinen Vätern
Abraham, Ísaak und Jakob geschworen,
es ihnen zu geben.

Mose mit den beiden Tafeln der zehn Gebote, Frauenkirche, Dresden

Sonntag, 10. März 2024

Wie Mose in der Wüste

 

Mose und die Schlange, Bibelhaus, Görlitz


Gott hat seinen Sohn in die Welt gesandt, damit die Welt durch ihn gerettet wird

Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes.

In jener Zeit sprach Jesus zu Nikodémus:
14 Wie Mose die Schlange in der Wüste erhöht hat,
so muss der Menschensohn erhöht werden,
15 damit jeder, der glaubt,
in ihm ewiges Leben hat.
16 Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt,
dass er seinen einzigen Sohn hingab,
damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht,
sondern ewiges Leben hat.

(aus dem Evangelium des 4. Fastensonntags, B) 


der Menschensohn muss erhöht werden, damit jeder,
der an ihn glaubt, nicht verlorengeht, sondern das ewige Leben hat.

Jesus und Nikodemus

Sonntag, 28. Januar 2024

Jesus als der neue Mose

Lesung aus dem Buch Deuteronómium18
(4. Sonntag im Jahreskreis, Markus, 1. Lesung)

Mose sprach zum Volk:
15 Einen Propheten wie mich wird dir der Herr, dein Gott,
aus deiner Mitte, unter deinen Brüdern, erstehen lassen.
Auf ihn sollt ihr hören.

16 Der Herr wird ihn als Erfüllung von allem erstehen lassen,
worum du am Horeb, am Tag der Versammlung,
den Herrn, deinen Gott, gebeten hast,
als du sagtest:
Ich kann die donnernde Stimme des Herrn, meines Gottes,
nicht noch einmal hören
und dieses große Feuer nicht noch einmal sehen,
ohne dass ich sterbe.
17 Damals sagte der Herr zu mir:
Was sie von dir verlangen, ist recht.
18 Einen Propheten wie dich
will ich ihnen mitten unter ihren Brüdern erstehen lassen.
Ich will ihm meine Worte in den Mund legen
und er wird ihnen alles sagen, was ich ihm gebiete.

19 Den aber, der nicht auf meine Worte hört,
die der Prophet in meinem Namen verkünden wird,
ziehe ich selbst zur Rechenschaft.
20 Doch ein Prophet,
der sich anmaßt, in meinem Namen ein Wort zu verkünden,
dessen Verkündigung ich ihm nicht geboten habe,
oder der im Namen anderer Götter spricht,
ein solcher Prophet soll sterben.


Mose übermittelt die zehn Gebote, Salisbury Cathedral

Im ersten Hauptteil „Von der Taufe im Jordan bis zur Verklärung“ wird Jesus als der neue Mose dargestellt. In zehn Kapiteln werden die Taufe Jesu, die Versuchung in der Wüste, die Reich-Gottes-Botschaft, die Bergpredigt, das Vaterunser, die Botschaft der Gleichnisse, die christologischen Bildworte bei Johannes, das Petrusbekenntnis, die Verklärung und die Selbstaussagen Jesu behandelt. Das Persongeheimnis Jesu wird von Benedikt typologisch erschlossen. Das Buch hätte nämlich auch den Titel tragen können: Jesus von Nazareth, der neue Mose. Weil die Landnahme noch nicht als endgültige Befreiung zu verstehen sei, wird im Buch Deuteronomium ein neuer Mose verheißen: „Einen Propheten wie mich wird der Herr, dein Gott, aus deiner Mitte heraus … erstehen lassen, auf ihn sollt ihr hören“ (Dtn 18, 15). Was das Besondere an Mose war, steht am Ende des Deuteronomiums: „Fortan ist kein Prophet mehr in Israel aufgetreten wie Mose, mit dem der Herr von Angesicht zu Angesicht verkehrt hatte …“ (Dtn 34, 10). Darauf baut Benedikt seine Deutung der Gestalt Jesu auf: „Israel darf auf einen neuen Mose hoffen, … Und das eigentliche Kennzeichen dieses ,Propheten‘ wird es sein, dass er mit Gott von Angesicht zu Angesicht wie ein Freund mit dem Freund verkehren wird. Sein Kennzeichen ist die Unmittelbarkeit zu Gott, so dass er Gottes Willen und Wort unverfälscht, aus erster Hand mitteilen kann. Und das ist das Rettende, worauf Israel – worauf die Menschheit – wartet.“

Die Offenbarungsmittlerschaft des Mose hatte nämlich eine Grenze: Die Bitte des Mose „Zeige mir doch deine Herrlichkeit“ (Ex 33, 18ff) wurde von Gott abgelehnt. Mose durfte nur den Rücken Gottes schauen, aber nicht sein Angesicht. Daraus folgert Benedikt, dass Israel einen größeren Propheten erwartete, der Gottes Angesicht schaut: In Jesus hat sich die Verheißung eines neuen Propheten erfüllt, der aus der Schau Gottes spricht. Mit dem Johannesevangelium gesprochen: „Niemand hat Gott je gesehen. Der Einzige, der Gott ist und am Herzen des Vaters ruht, er hat Kunde gebracht“ (Joh 1, 18). Jesus kann den Vater offenbaren, weil er „in der Sohnesgemeinschaft mit dem Vater steht“. Eine Deutung der Taufe Jesu als „Berufungserlebnis“ wird von Benedikt abgelehnt.

Im Kapitel über die Bergpredigt tritt die Mose-Typologie wieder ganz deutlich hervor: Jesus ist der neue Mose, er ist der Lehrer Israels, der zu allen Völkern spricht. Der „Berg“ der Seligpreisungen ist der neue Sinai, die Bergpredigt ist die neue Tora, gesprochen aus der Gemeinschaft Jesu mit dem Vater. In der Universalisierung des Glaubens Israels sieht Benedikt eine im Alten Testament angelegte Bewegung, die in Jesus zu ihrem Ziel kommt. Auch hier wird die Mose-Typologie besonders deutlich: Mose steht nicht nur für den Glauben Israels, sondern auch für seine Rechts- und Sozialordnung, die der Messias Jesus nicht mehr als sakral und damit unveränderliches Recht für alle Zeiten versteht.

Mit neuer Radikalität werden etwa in den Antithesen der Bergpredigt (der Berg ist der neue Sinai, der Ort der Gesetzgebung) die grundlegenden Normen, die auf die zweite Tafel des Dekalogs (Mose auf dem Sinai) Bezug nehmen, eingeschärft: Nicht nur nicht töten, sondern dem unversöhnten Bruder entgegengehen, keine Ehescheidung mehr, nicht nur gleiches Recht für alle, sondern sich schlagen lassen ohne zurückzuschlagen, nicht bloß den Nächsten lieben, sondern den Feind. Die bei den Propheten grundgelegte Einheit von Gottes- und Nächstenliebe wird zur obersten Norm. Somit legt Jesus den Grund einmal für die nötigen geschichtlichen Anpassungen der konkreten Rechtsformen durch die Entsakralisierung und zum anderen festigt er die Anbetung des einen wahren Gottes und legt den Grund für die Menschenwürde. 

Darin hat sich die Verheißung erfüllt: „Einen Propheten wie mich wird der Herr, dein Gott, aus deiner Mitte heraus erstehen lassen.“ 

Michael Karger über das Jesus Buch von Joseph Ratzinger, hier

Detail der Verklärung d. Herrn, Salisbury Cathedral;
Jesus als der neue Mose

 

Dienstag, 28. März 2023

Der Anfang der guten Werke ist das Bekenntnis der bösen Werke (Augustinus)

 

Wenn jemand von einer Schlange gebissen wurde und zu der Kupferschlange aufblickte, blieb er am Leben

Lesung aus dem Buch Numeri 21,4-9 (Lesung vom Dienstag der 5. Fastenwoche)

In jenen Tagen

4brachen die Israeliten vom Berg Hor auf und schlugen die Richtung zum Schilfmeer ein, um Edom zu umgehen. Unterwegs aber verlor das Volk den Mut,

5es lehnte sich gegen Gott und gegen Mose auf und sagte: Warum habt ihr uns aus Ägypten heraufgeführt? Etwa damit wir in der Wüste sterben? Es gibt weder Brot noch Wasser. Dieser elenden Nahrung sind wir überdrüssig.

6Da schickte der Herr Giftschlangen unter das Volk. Sie bissen die Menschen, und viele Israeliten starben.

7Die Leute kamen zu Mose und sagten: Wir haben gesündigt, denn wir haben uns gegen den Herrn und gegen dich aufgelehnt. Bete zum Herrn, dass er uns von den Schlangen befreit. Da betete Mose für das Volk.

8Der Herr antwortete Mose: Mach dir eine Schlange, und häng sie an einer Fahnenstange auf! Jeder, der gebissen wird, wird am Leben bleiben, wenn er sie ansieht.

9Mose machte also eine Schlange aus Kupfer und hängte sie an einer Fahnenstange auf. Wenn nun jemand von einer Schlange gebissen wurde und zu der Kupferschlange aufblickte, blieb er am Leben.


Liebe Brüder und Schwestern!

(...) Es ist ein Weg, den wir zusammen mit Jesus durch die »Wüste« gehen, das heißt eine Zeit, um vermehrt die Stimme Gottes zu hören und auch die Versuchungen aufzudecken, die in uns ertönen. Am Horizont dieser Wüste zeichnet sich das Kreuz ab.

Jesus weiß, daß es der Höhepunkt seiner Sendung ist: Tatsächlich ist das Kreuz der Höhepunkt der Liebe, die uns das Heil schenkt. Er selbst sagt dies im heutigen Evangelium: »Wie Mose die Schlange in der Wüste erhöht hat, so muß der Menschensohn erhöht werden, damit jeder, der an ihn glaubt, in ihm das ewige Leben hat« (Joh 3,14–15).
Der Verweis bezieht sich auf eine Begebenheit, bei der die Israeliten während des Auszugs aus Ägypten von giftigen Schlangen angegriffen wurden und viele starben; so gebot Gott dem Mose, eine Schlange aus Kupfer zu machen und sie an einer Fahnenstange aufzuhängen: wenn nun jemand von einer Schlange gebissen wurde und zu der Kupferschlange aufblickte, wurde er geheilt (vgl. Num 21,4–9). Auch Jesus wird am Kreuz erhöht werden, damit jeder, der wegen der Sünde in Todesgefahr ist und sich mit Glauben an ihn wendet, der für uns gestorben ist, gerettet werde. »Denn Gott«, schreibt der hl. Johannes, »hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern  damit die Welt durch ihn gerettet wird« (Joh 3,17).

Der hl. Augustinus kommentiert: »Soweit es auf den Arzt ankommt, kam er den Kranken zu heilen. Der tötet sich selbst, der die Vorschriften des Arztes nicht beobachten will. Es kam der Heiland in die Welt […] Du willst dich von ihm nicht heilen lassen, du wirst von dir selbst gerichtet werden« (Tractatus in Ioannis Evangelium 12,12: PL 35, 1190).
Wenn nun die barmherzige Liebe Gottes, der bis zu dem Punkt gegangen ist, seinen einzigen Sohn als Lösegeld für unser Leben hinzugeben, unendlich ist, dann ist auch unsere Verantwortung groß: ein jeder nämlich muß erkennen, daß er krank ist, um geheilt werden zu können; jeder muß seine Sünde bekennen, damit die schon am Kreuz geschenkte Vergebung Gottes in seinem Herzen und Leben wirksam werden kann.

Der hl. Augustinus schreibt weiter: »Gott klagt deine Sünden an; wenn auch du sie anklagst, bist du mit Gott verbunden […] Wenn dir aber einmal das zu mißfallen anfängt, was du gemacht hast, dann beginnen deine guten Werke, weil du deine schlechten Werke anklagst. Der Anfang der guten Werke ist das Bekenntnis der bösen Werke« (ebd., 13: PL 35,1191). 

Bisweilen liebt der Mensch mehr die Dunkelheit als das Licht, da er an seinen Sünden hängt. Doch nur wenn er sich dem Licht öffnet, nur wenn er Gott aufrichtig seine Schuld bekennt, findet er den wahren Frieden und die wahre Freude. Daher ist es wichtig, regelmäßig das Sakrament der Buße zu empfangen, vor allem in der Fastenzeit, um der Vergebung des Herrn teilhaftig zu werden und auf unserem Weg der Umkehr weiter voranzukommen.

(B16, 18.3.2013, Angelus)

Sonntag, 28. Februar 2021

Die Vorwegnahme des Ostergeheimnisses

 

Station des lichtreichen Rosenkranzes, Medjugorje

Aus dem heiligen Evangelium nach Markus Mk 9, 2–10

In jener Zeit
2 nahm Jesus Petrus, Jakobus und Johannes beiseite
und führte sie auf einen hohen Berg,
aber nur sie allein.
Und er wurde vor ihnen verwandelt;
3seine Kleider wurden strahlend weiß,
so weiß, wie sie auf Erden kein Bleicher machen kann.
4Da erschien ihnen Elíja und mit ihm Mose
und sie redeten mit Jesus.
5Petrus sagte zu Jesus: Rabbi, es ist gut, dass wir hier sind.
Wir wollen drei Hütten bauen,
eine für dich, eine für Mose und eine für Elíja.
6Er wusste nämlich nicht, was er sagen sollte;
denn sie waren vor Furcht ganz benommen.
7Da kam eine Wolke und überschattete sie
und es erscholl eine Stimme aus der Wolke:
Dieser ist mein geliebter Sohn;
auf ihn sollt ihr hören.
8Als sie dann um sich blickten,
sahen sie auf einmal niemanden mehr bei sich außer Jesus.
9Während sie den Berg hinabstiegen,
gebot er ihnen,
niemandem zu erzählen, was sie gesehen hatten,
bis der Menschensohn von den Toten auferstanden sei.
10Dieses Wort beschäftigte sie
und sie fragten einander, was das sei:
von den Toten auferstehen.

(Evangelium vom 2. Fastensonntag)

Jesus, der auf dem Berg verklärt worden ist

 Liebe Brüder und Schwestern!

Am heutigen Sonntag berichtet der Evangelist Markus, dass Jesus Petrus, Jakobus und Johannes beiseite nahm und sie auf einen hohen Berg führte. Vor ihren Augen wurde er verwandelt und so strahlend hell, so weiß, wie auf Erden kein Bleicher seine Kleider hätte machen können (vgl. Mk 9,2–10). Die Liturgie lädt uns heute ein, dieses lichtvolle Geheimnis zu betrachten. Auf dem verklärten Antlitz Jesu erglänzt ein Strahl des göttlichen Lichts, das er in seinem Innersten trug. Dasselbe Licht wird am Tag der Auferstehung auf dem Antlitz Christi leuchten. In diesem Sinn erscheint die Verklärung als eine Vorwegnahme des Ostergeheimnisses.

Die Verklärung lädt uns ein, die Augen unseres Herzens zu öffnen für das Geheimnis des göttlichen Lichts, das in der gesamten Heilsgeschichte gegenwärtig ist. Schon zu Beginn der Schöpfung sagt der Allmächtige: "Fiat lux – Es werde Licht!" (Gen 1,3), und es erfolgt die Scheidung des Lichtes von der Finsternis. Wie die anderen geschaffenen Dinge ist auch das Licht ein Zeichen, das etwas von Gott offenbart: Es ist gleichsam der Widerschein seiner Herrlichkeit, die seine Erscheinungen begleitet. Gott leuchtet, wenn er erscheint, "wie das Licht der Sonne, ein Kranz von Strahlen umgibt ihn" (Hab 3,4). Das Licht, so heißt es in den Psalmen, ist das Kleid, in das Gott sich hüllt (vgl. Ps 104,2). Im Buch der Weisheit wird die Symbolik des Lichts verwendet, um das Wesen Gottes zu beschreiben: Die Weisheit, Ausfluss der Herrlichkeit Gottes, ist der "Widerschein des ewigen Lichts" und höher als alles geschaffene Licht (vgl. Weish 7,26.29f.). Im Neuen Testament ist Christus die volle Offenbarung des Lichtes Gottes. Seine Auferstehung hat die Macht der Finsternis des Bösen ein für allemal besiegt.

Mit dem auferstandenen Christus triumphieren Wahrheit und Liebe über Lüge und Sünde. In ihm erleuchtet das göttliche Licht nun endgültig das Leben der Menschen und den Verlauf der Geschichte: "Ich bin das Licht der Welt", sagt er im Evangelium. "Wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis umhergehen, sondern wird das Licht des Lebens haben" (Joh 8,12).

(Benedikt XVI., 6. August 2006, Verklärung des Herrn)

Kirche St. Jakobus, Medjugorje


Verklärung des Herrn

Hochaltarbild im Stift Kremsmünster

Glasfenster in St Etheldreda´s Church, London

Berg Tabor im Heiligen Land 1

Glasfenster in La Salette

Mosaik im Petersdom

Malerei in S. Maria degli Angeli e dei Martiri in Rom

Kloster Sucevita in Rumänien

Berg Tabor - neue Impressionen 2

Glasfenster im Magdalene College in Cambridge

Glasfenster im Straßburger Münster

Glasfenster in der Basilika Sacre Coeur, Paray Le Monial 

Freitag, 18. Dezember 2020

Du Führer des Hauses Israel

Mose

 

Adonai du starker Gott

Führer des Hauses Israel
Du bist dem Mose im Feuer des Dornbusches erschienen
und hast ihm auf dem Sinai das Gesetz gegeben.
Komm, rette uns mit hocherhobenem Arm!

Vgl. Ex 6, 3 (Adonai statt Jahwe); Ex 13, 21; 3, 1-2; 19, 1-5; 6, 6.


brennender Dornbusch, Notre Dame de Chartres

Montag, 14. September 2020

Wie Mose die Schlange in der Wüste erhöht hat

 so muss der Menschensohn erhöht werden. (Joh 3,14)


Saint Aignan, Chartres


Lesung aus dem Buch Númeri 21

In jenen Tagen
4 brachen die Israeliten vom Berg Hor auf
und schlugen die Richtung zum Roten Meer ein,
um Edom zu umgehen.
Das Volk aber verlor auf dem Weg die Geduld,
5 es lehnte sich gegen Gott und gegen Mose auf
und sagte: Warum habt ihr uns aus Ägypten heraufgeführt?
Etwa damit wir in der Wüste sterben?
Es gibt weder Brot noch Wasser
und es ekelt uns vor dieser elenden Nahrung.
6 Da schickte der Herr Feuerschlangen unter das Volk.
Sie bissen das Volk
und viel Volk aus Israel starb.
7 Da kam das Volk zu Mose
und sagte: Wir haben gesündigt,
denn wir haben uns gegen den Herrn und gegen dich aufgelehnt.
Bete zum Herrn, dass er uns von den Schlangen befreit!
Da betete Mose für das Volk.
8 Der Herr sprach zu Mose:
Mach dir eine Feuerschlange
und häng sie an einer Stange auf!
Jeder, der gebissen wird,
wird am Leben bleiben, wenn er sie ansieht.
9 Mose machte also eine Schlange aus Kupfer
und hängte sie an einer Stange auf.
Wenn nun jemand von einer Schlange gebissen wurde
und zu der Kupferschlange aufblickte,
blieb er am Leben.

(1. Lesung vom Fest der Kreuzerhöhung)

Mose mit der Schlange, Johannes Nepomukkirche, Wien

All Saints Margaret Street, London

Mittwoch, 18. Dezember 2019

O Adonai

Mose und der brennende Dornbusch, Basilika Sacre-Coeur, Paray le Monial



Adonai du starker Gott

Führer des Hauses Israel
Du bist dem Mose im Feuer des Dornbusches erschienen
und hast ihm auf dem Sinai das Gesetz gegeben.
Komm, rette uns mit hocherhobenem Arm!

Vgl. Ex 6, 3 (Adonai statt Jahwe); Ex 13, 21; 3, 1-2; 19, 1-5; 6, 6.



Liebe Brüder und Schwestern!
In diesen Tagen, in denen wir uns immer mehr dem großen Fest der Geburt Christi nähern, regt uns die Liturgie an, unsere Vorbereitung zu vertiefen. Sie legt uns viele biblische Texte des Alten und des Neuen Testaments vor, die uns dazu anspornen, uns den Sinn und den Wert dieses jährlich wiederkehrenden Ereignisses gut zu vergegenwärtigen. Wenn das Weihnachtsfest uns einerseits des unglaublichen Wunders der Geburt des eingeborenen Sohnes Gottes aus der Jungfrau Maria in der Grotte von Betlehem gedenken läßt, so ermahnt es uns andererseits auch, wachend und betend unseren Erlöser zu erwarten, denn am letzten Tag »wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten«.
Vielleicht warten wir heute, auch wir Gläubigen, wirklich auf den Richter; wir alle warten jedoch auf Gerechtigkeit. Wir sehen soviel Ungerechtigkeit in der Welt, in unserer kleinen Welt, zu Hause, in unserem Stadtviertel, aber auch in der großen Welt der Staaten, der Gesellschaften. Und wir warten darauf, daß Gerechtigkeit geschaffen wird. Die Gerechtigkeit ist ein abstrakter Begriff: Gerechtigkeit wird hergestellt. Wir warten darauf, daß derjenige, der Gerechtigkeit herstellen kann, wirklich kommen möge. Und in diesem Sinne beten wir: Komm, Herr Jesus Christus, als Richter, komm auf deine Weise. Der Herr weiß, wie er in die Welt eintreten und Gerechtigkeit schaffen soll. Wir beten darum, daß der Herr, der Richter, uns antworten möge, daß er wirklich Gerechtigkeit in der Welt schaffen möge. Wir warten auf Gerechtigkeit, aber das kann nicht nur Ausdruck eines Anspruchs sein, den wir an die anderen stellen. Auf Gerechtigkeit zu warten bedeutet im christlichen Sinne vor allem, daß wir selbst beginnen, vor dem Angesicht des Richters und nach den Maßstäben des Richters zu leben. Es bedeutet, daß wir beginnen, in seiner Gegenwart zu leben, indem wir die Gerechtigkeit in unserem Leben verwirklichen. So nämlich – wenn wir die Gerechtigkeit verwirklichen und uns in die Gegenwart des Richters stellen – warten wir in der Wirklichkeit auf die Gerechtigkeit.
Das ist der Sinn des Advents, der Wachsamkeit. Adventliches Wachen heißt, vor dem Angesicht des Richters zu leben und so uns selbst und die Welt für die Gerechtigkeit bereit zu machen. Auf diese Weise also, wenn wir vor dem Angesicht Gottes, des Richters, leben, können wir die Welt öffnen für das Kommen seines Sohnes, können wir das Herz bereiten, um den »Herrn, der kommt«, aufzunehmen.
Das Kind, das die Hirten vor nunmehr 2000 Jahren in der Nacht von Betlehem in einer Grotte anbeteten, wird nicht müde, im täglichen Leben zu uns zu kommen, während wir als Pilger auf dem Weg zum Reich Gottes sind. In seinem Warten bringt der Gläubige also die Hoffnungen der ganzen Menschheit zum Ausdruck. Die Menschheit sehnt sich nach Gerechtigkeit, und so wartet sie, wenn auch oft unbewußt, auf Gott, sie wartet auf das Heil, das nur Gott uns schenken kann. Für uns Christen ist dieses Warten geprägt vom unablässigen Gebet: Das wird sehr deutlich in den besonders eindrucksvollen Anrufungen, die uns in diesen Tagen der Weihnachtsnovene sowohl in der Messe, im Ruf vor dem Evangelium, als auch in der Feier der Vesper, vor dem Gesang des »Magnifikat«, vorgelegt werden.
Jede der Anrufungen, die um das Kommen der Weisheit, der Sonne der Gerechtigkeit, des Gott-mit- uns flehen, enthält ein Gebet, das an den von den Völker Erwarteten gerichtet ist, auf daß er bald komme. Um das Geschenk der Geburt des verheißenen Erlösers zu bitten, bedeutet jedoch auch, daß man sich bemüht, ihm den Weg zu bereiten und ihm eine würdige Wohnstatt zu schaffen – nicht nur in unserer Umgebung, sondern vor allem in unserer Seele. Indem wir uns vom Evangelisten Johannes leiten lassen, wollen wir daher versuchen, in diesen Tagen den Sinn und das Herz dem ewigen Wort zuzuwenden, dem »Logos«, dem Wort, das Fleisch geworden ist und aus dessen Fülle wir Gnade über Gnade empfangen haben (vgl. 1,14.16).
(Benedikt XVI., Generalaudienz, 19.12.2007)