Freitag, 8. November 2019

Johannes Dun Scotus

Duns Scotus, Mansfield College, Oxford


Johannes Duns Scotus, Franziskanertheologe. Johannes Duns Scotus ist der Begründer der berühmten Schule der Skotisten, die im Mittelalter vor allem von Franziskanertheologen getragen wurde. Er wurde um 1270 geboren, sein Geburtsort ist wahrscheinlich Duns in Schottland. Er trat mit 20 Jahren bei den Franziskanern ein und erhielt 1291 die Priesterweihe. Nachdem er in Paris studiert und „doctor theologiae“ geworden war, kehrte er nach England zurück und lehrte in Cambridge und Oxford. 1307 wurde er zum Unterricht seiner Brüder nach Köln gesandt.
Johannes Duns Scotus hat zahlreiche Schriften hinterlassen. Für die Dogmenentwicklung wurde vor allem seine Lehre von der Unbefleckten Empfängnis Mariens von Bedeutung, da er das Anliegen der Thomisten erfüllt, indem er die Gottesmutter sehr wohl unter die Erlösungstat Christi stellt. In der Art der Erlösung unterscheidet sich Maria jedoch von den anderen Kindern Evas: Sie wird von der Erbsünde nicht erst befreit, sondern schon immun bewahrt. Darüber hinaus hat Duns Scotus zahlreiche Schriften hinterlassen, darunter Kommentare zu Aristoteles und den Sentenzen des Petrus Lombardus.
Wegen seiner spekulativen Kraft gab man ihm den Beinamen „Doctor subtilis“. Die Franziskanertheologie wurde durch ihn so sehr befruchtet, dass sie nach ihm die „skotistische Schule“ genannt wurde. Duns Scotus starb in Köln am 8. November 1308, er war nur 38 Jahre alt geworden. Sein Leib wurde in der Minoritenkirche begraben. Eine Verehrung des einflussreichen Theologen lässt sich durchgehend bezeugen, jedoch wurde Duns Scotus, den Martin Heidegger als den „Philosophen der Zukunft“ bezeichnet hat, erst 1994 von Johannes Paul II. selig gesprochen.
(Martyrologium Sancrucense)


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Vor allem hat er (Dun Scotus) über das Geheimnis der Menschwerdung nachgedacht, und im Unterschied zu vielen christlichen Denkern seiner Zeit hat er behauptet, dass der Sohn Gottes auch dann Mensch geworden wäre, wenn die Menschheit nicht gesündigt hätte. Er erklärt in den „Reportata Parisienses": 
„Zu denken, dass Gott auf ein derartiges Werk verzichtet hätte, wenn Adam nicht gesündigt hätte, wäre völlig unvernünftig! Ich sage also, dass der Sündenfall nicht die Ursache für die Vorherbestimmung Christi gewesen ist, und dass in dieser Hypothese - auch wenn keiner gefallen wäre, weder Engel noch Mensch - Christus noch immer in derselben Weise vorausbestimmt gewesen wäre" (In III Sent., d. 7, 4).
 Dieser vielleicht ein wenig überraschende Gedanke entsteht, da für Duns Scotus die Menschwerdung des Sohnes Gottes, die Gott von Ewigkeit an in seinem Plan der Liebe beabsichtigt hat, die Erfüllung der Schöpfung ist und es jedem Geschöpf möglich macht, Gott zu loben und zu preisen in Ewigkeit. Obwohl sich Duns Scotus bewusst ist, dass uns Christus tatsächlich aufgrund der Erbsünde mit seinem Leiden, seinem Tod und seiner Auferstehung erlöst hat, betont er, dass die Menschwerdung das größte und schönste Werk der ganzen Heilsgeschichte ist und sie durch nichts Kontingentes bedingt ist, sondern die ursprüngliche Idee Gottes bildet, endlich die ganze Schöpfung mit sich selbst in der Person und im Fleisch des Sohnes zu vereinen.

Als treuer Jünger des heiligen Franziskus liebte es Duns Scotus, das Geheimnis des heilbringenden Leidens Christi zu betrachten und zu verkündigen, Ausdruck der unendlichen Liebe Gottes, der mit höchstem Großmut die Strahlen seiner Güte und seiner Liebe mitteilt (vgl. Tractatus de primo principio, c. 4). Und diese Liebe offenbart sich nicht nur auf dem Kalvarienberg, sondern auch in der allerheiligsten Eucharistie, welcher Duns Scotus sehr hingegeben war und die er als das Sakrament der Realpräsenz Jesu und als Sakrament der Einheit und der Gemeinschaft sah, das uns dazu veranlasst, einander zu lieben und Gott als das höchste gemeinsame Gut zu lieben (vgl. Reportata Parisiensia, in IV Sent., d. 8, q. 1, n. 3).

Liebe Brüder und Schwestern, diese stark „christozentrische" theologische Sicht öffnet uns für die Kontemplation, das Staunen und die Dankbarkeit: Christus ist der Mittelpunkt der Geschichte und des Kosmos, er ist es, der unserem Leben Sinn, Würde und Wert gibt!
Wie dies Papst Paul VI. in Manila tat, möchte auch ich laut zur Welt rufen:
„(Christus) ist der Offenbarer des unsichtbaren Gottes, er ist der Erstgeborene aller Geschöpfe, er ist der Grund aller Dinge; er ist der Lehrer der Menschheit, er ist der Erlöser; er ist für uns geboren worden, gestorben und auferstanden; er ist der Mittelpunkt der Geschichte der Welt; er ist jener, der uns kennt und liebt; er ist der Gefährte und Freund unseres Lebens... Fast kann ich nicht mehr aufhören, von ihm zu sprechen" (Predigt, 29. November 1970).
(Papst Benedikt XVI., 7. Juli, 2010) 



Der verherrlichte Erlöser der Welt lädt uns ein
Mansfield College
zum himmlischen Gastmahl

Mansfield College, Oxford

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