Sonntag, 4. Februar 2018

Das Heilige Land 21 - die Synagoge in Kafarnaum



Gesäumt von einer Eukalyptusallee erreicht man zuerst den Hof des Franziskanerklosters, in dem ein Franziskusdenkmal von dem römischen Franziskaner A. Martini (1917-1996) steht, und dahinter die Ausgrabungen von Kafarnaum (hebräisch: Kfar Nahum = Nahumsdorf). Der Ort wird im Alten Testamente nicht erwähnt - erst seit persischer Zeit ist er fest besiedelt -, nimmt aber im Neuen Testamente eine hervorragende Stellung ein. Zwar war Magdala als Stadt zur Zeit Jesu bedeutender, aber Jesus ist mit Kafarnaum so verbunden, daß der Evangelist Matthäus es "seine Stadt" nennt (Mt 9,11). Jesus schlug hier seinen Wohnsitz auf, wahrscheinlich im Haus des Simon Petrus.


Kafarnaum, die Stadt Jesu

Franziskus

So bedeutsam Kafarnaum für Jesus und das Christentum einstmals war, von der persischen und arabischen Eroberung ab verfiel es; die Scherben von Gebrauchsgegenständen, als die Zeugnisse, daß Menschen hier wohnten, reichen bis ins 10. Jh. Auch die Kreuzfahrer unternahmen hier nichts; am Ende der Kreuzfahrerperiode notierte notierte der Dominikaner Burkard vom Ber Zion: "Es ist ganz ärmlich; kaum 7 Hütten von armen Fischern stehen dort". Mehrere Besucher des Mittelalters sehen daher das Drohwort Jesu gegen die Stadt: In die Unterwelt wirst du hinabgeworfen, in Erfüllung gegangen. So war zu Beginn unseres Jahrhunderts die Lage von Kafarnaum umstritten.


Bereits im fernen Jahr 1838 vermutete der amerikanische Orientreisende E. Robinson in diesen Ruinen eine Synagoge. Dies bewog die Franziskaner, in siebenjährigen Verhandlungen mit vielen Rückschlägen 1886-1893 das Grundstück zu erwerben, in der Hoffnung, dort Kafarnaum zu finden.


Nach dem 1. Weltkrieg gelang dem italienischen Franziskaner P. Orfali die erste teilweise Wiederherstellung einer großen Synagoge, die man zunächst fälschlicherweise in die Zeit Jesu datierte. Dann aber fand man im Fußboden 1968 über 30.000 Münzen einer Almosenkasse, die nur bis zum Anfang des 5. Jh.zurückreichten. In der Folge datierte man die Synagoge in die Zeit von Kaiser Theodosius I. (379-395) und identifizierte sie mit jenem Bau, den Egeria im Jahr 383 beschrieb und von dem sie sagt, er sei aus viereckigen Steinen errichtet und man müsse über Steinen hinaufsteigen.

römische Münzen, Kafarnaum


Stufen waren notwendig, weil die weiße Synagoge auf einem künstlichen Podium stand. Unter ihr befinden sich schwazre Basaltsteine, dir von den weißen Kalksteinquadern so sorgfältig umgeben sind, daß sie offenbar beim Bau nicht verletzt werden sollten. An zwei Stellen entfernte man die Bodenplatten der weißen Synagog und stieß auf ein vollständiges Basaltpflaster, welches aufgrund von Scherben und Münzen eindeutig in die Jahre der Zeitenwende datiert werden konnte. Nun blieb kein Zweifel, dass dies genau die Synagoge war, die einst Jesus seine "eucharistische Rede" gehalten hat: "Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist."
(Fürst, Im Land des Herrn; Ramm, Heiliges Land)


griech. Inschrift auf einer Säule in der Synagoge: Herodes, Sohn des Monimos,
und Justos, sein Sohn, zusammen mit ihren Kindern, stifteten diese Säule

Petrushaus-Kirche








21In Kafarnaum ging Jesus am Sabbat in die Synagoge und lehrte.
22Und die Menschen waren sehr betroffen von seiner Lehre; denn er lehrte sie wie einer, der göttliche Vollmacht hat, nicht wie die Schriftgelehrten.
23In ihrer Synagoge saß ein Mann, der von einem unreinen Geist besessen war. Der begann zu schreien:
24Was haben wir mit dir zu tun, Jesus von Nazaret? Bist du gekommen, um uns ins Verderben zu stürzen? Ich weiß, wer du bist: der Heilige Gottes.
25Da befahl ihm Jesus: Schweig und verlass ihn!
26Der unreine Geist zerrte den Mann hin und her und verließ ihn mit lautem Geschrei.
27Da erschraken alle, und einer fragte den andern: Was hat das zu bedeuten? Hier wird mit Vollmacht eine ganz neue Lehre verkündet. Sogar die unreinen Geister gehorchen seinem Befehl.
28Und sein Ruf verbreitete sich rasch im ganzen Gebiet von Galiläa.
Markus 1,21-28















Gedenkstein für P. Gaudenzio Orfali



Rekonstruktion der Synagoge
















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