Mittwoch, 7. September 2016

Norcia - in der Oberkirche der Basilika di San Benedetto (3)

Rathaus und Basilica di San Benedetto, Norcia

Die Basilika über dem Geburtsort des hl. Benedikt und der hl. Scholastika in Norcia

Patron von ganz Europa, im Jubeljahr 2000

Am 24. Oktober 1964 hat Papst Paul VI. die im Krieg zerstörte und dann neu errichtete Basilika des Klosters Montecassino geweiht. Der Papst nutzte die Gelegenheit, um den heiligen Benedikt zum Patron ganz Europas zu erklären. "Pacis nuntius" - Mit den Worten " Bote des Friedens" beginnt die vom Papst verlesene Urkunde.
 
Friedensbote, Begründer der Einheit, Baumeister der Zivilisation, vor allem aber Herold der Religion Christi und Vater des Ordenslebens im Westen: das sind Titel, die den Ruhm des heiligen Abtes Benedikt rechtfertigen. Als das Römische Reich zusammenbrach, Teile Europas im Dunkel der Geschichte versanken, andere wiederum die zivilisatorischen geistigen Werte noch nicht kannten, da war es Benedikt, der durch seine unverdrossene, hartnäckige Arbeit über diesem Kontinent die Morgenröte eines neuen Zeitalters aufziehen ließ. Vor allem er und seine Söhne haben in der Folgezeit mit  Kreuz, Buch und Pflug den Völkern zwischen Mittelmeer und Skandinavien, Irland und den Ebenen Polens den christlich geprägten Fortschritt gebracht.

Mit dem Kreuz, also dem Gesetz Christi, hat er die Organisation des öffentlichen und privaten Lebens gefestigt und vorangetrieben. Es muss daran erinnert werden, dass er die Menschen gelehrt hat, dass der Dienst für Gott mit dem Stundengebet, also dem geregelten liturgischen Gebet, den ersten Rang einnimmt... Dann mit dem Buch, also mit der Kultur. Zu dem Zeitpunkt nämlich, als das humanistische Erbe der Antike allmählich verloren ging, hat der hl. Benedikt, der so vielen Klöstern Berühmtheit und Autorität verschaffte, das klassische Erbe der Alten mit einer von der Vorsehung getragenen Fürsorge gerettet und es unversehrt der Nachwelt überliefert und somit die Liebe zur Wissenschaft erneuert.

Schließlich ist es ihm gelungen, mit dem Pflug, also mit Ackerbau und anderen vergleichbaren Unternehmungen, öde und menschenleere Landstriche in fruchtbare Felder und blühende Gärten zu verwandeln. Durch die Verbindung von Gebet und körperlicher Arbeit hat er, entsprechend seinem berühmten Ausspruch: „Ora et labora“ (Bete und arbeite), die menschliche Arbeit geadelt und aufgewertet. Aus diesem Grund hat Papst Pius XII den hl. Benedikt zurecht als den „Vater Europas“ gerühmt.
(aus Pacis Nuntius von Papst Pius VI, 24.10.1964)
(Quelle)

Gebetsordnung der Benediktiner

Die Anfangsworte der Benediktsregel:
Höre, mein Sohn, auf die Weisung des Meisters

hl. Scholastika, Basilica di S. Benedetto, Norcia

Fresco aus dem 16. Jh.: hl. Barbara, Erzengel Michael und

Maria mit dem Kind umgeben von Engeln


Im Sommer 2015 wurden zwei Altäre renoviert, der Altar links ist Papst Cölestin V. geweiht, der Altar rechts zeigt die hl. Luzia mit Ambrosius und Augustinus

links: Auferweckung des Lazarus, rechts: Epiphanie, Erscheinung des Herrn,

Der zweite Altar links zeigt die Auferweckung des Lazarus,
Michelangelo Carduzzi, 1562


Rosette über dem Eingangstor, Basilica di San Benedetto, Norcia

Der Mönch Romanus bekleidet Benedikt mit einem Habit, Basilica di San Benedetto, Norcia

Der Mönch Romanus bringt dem hl. Benedikt Brot, Basilica di San Benedetto, Norcia


Auf der Flucht dorthin traf ihn unterwegs ein Mönch namens Romanus und fragte ihn, wohin er wolle. Als dieser den Wunsch Benedikts erfuhr, leistete er ihm Hilfe, ohne mit jemand anderem darüber zu sprechen. Er gab ihm das Gewand gottgeweihten Lebens und stand ihm bei, soweit er konnte.
An dem genannten Ort angekommen, zog sich der Mann Gottes in eine ganz enge Höhle zurück und blieb dort drei Jahre. Kein Mensch außer dem Mönch Romanus wusste etwas davon.
(II,1,4) Romanus lebte nicht weit entfernt in einem Kloster unter der Regel des Abtes Adeodatus. In guter Absicht verschwand er ohne Wissen seines Abtes an bestimmten Tagen für einige Stunden und brachte Benedikt das Brot, das er sich vom Munde absparen konnte. Vom Kloster des Romanus führte aber kein Weg zur Höhle Benedikts, weil der Fels oberhalb der Höhle steil aufragte. Romanus ließ daher das Brot immer von diesem Felsen an einem langen Seil hinab; an dem Strick befestigte er auch eine kleine Glocke, damit der Mann Gottes an ihrem Klang erkennen konnte, dass ihm Romanus das Brot brachte. Dann kam er heraus, um es anzunehmen.
Doch der Alte Feind blickte mit Neid auf die Liebe des einen und auf die Stärkung des andern. Als er eines Tages sah, wie das Brot herabgelassen wurde, warf er einen Stein und zerschlug die Glocke. Romanus ließ sich aber nicht davon abbringen, nach Kräften zu helfen.
(Gregor der Große, Buch der Dialoge)


Die Erweckung des toten Knaben

Eines Tages war Benedikt mit den Brüdern zur Feldarbeit hinaus gegangen. Da kam ein Bauer zum Kloster und trug seinen toten Sohn auf den Armen. Von Trauer über den Verlust aufgewühlt, fragte er nach dem Vater Benedikt. Als man ihm sagte, er sei mit den Brüdern auf dem Feld, legte er den Leichnam seines Sohnes vor den Eingang des Klosters, und von Schmerz verstört, stürzte er davon, um den ehrwürdigen Vater zu suchen.
Zur selben Stunde war der Mann Gottes mit den Brüdern schon auf dem Heimweg von der Feldarbeit. Sobald der Bauer, der seinen Sohn verloren hatte, Ihn sah, schrie er: »Gib mir meinen Sohn zurück, gib mir meinen Sohn zurück! « Bei diesem Aufschrei blieb der Mann Gottes stehen und sagte: »Habe denn ich dir deinen Sohn genommen?« jener erwiderte ihm: »Er ist tot! Komm, mach ihn wieder lebendig! «
Als der Diener Gottes dies hörte, wurde er sehr traurig und sagte: »Geht, liebe Leute, geht! Das ist nichts für uns, sondern für die heiligen Apostel. Warum wollt ihr uns Lasten aufbürden, die wir nicht tragen können?«
Heftiger Schmerz aber drängte den Bauern, so dass er nicht von seiner Bitte abließ; er beteuerte, erst dann fortzugehen, wenn Benedikt seinen Sohn wieder lebendig gemacht habe. Da fragte ihn der Diener Gottes: »Wo ist er?« jener antwortete: »Sein Leib liegt vor dem Eingang des Klosters.«
Als der Mann Gottes mit den Brüdern dort angekommen war, kniete er nieder und legte sich über den kleinen Leib des Kindes; dann richtete er sich auf, erhob die Hände zum Himmel und betete: »Herr, schau nicht auf meine Sünden, sondern auf den Glauben dieses Mannes, der darum bittet, dass sein Sohn auferweckt werde, und gib diesem kleinen Leib die Seele zurück, die du ihm genommen hast.«
Kaum hatte er das Gebet beendet, da kam das Leben zurück und der kleine Knabe begann am ganzen Leib zu beben. Alle Anwesenden sahen mit eigenen Augen, wie er auf wunderbare Weise sich regte und bewegte. Sogleich fasste Benedikt den Knaben an der Hand und gab ihn seinem Vater lebend und gesund zurück.
Dieses Wunder, Petrus, tat er offensichtlich nicht aus Vollmacht, da er kniefällig darum bat, es wirken zu können.
PETRUS: Offenkundig verhält sich alles so, wie du es darstellst, denn deine Worte belegst du mit Tatsachen. Aber erkläre doch, ob heilige Männer alles können, was sie wollen, und alles erreichen, was sie zu erhalten wünschen.
(Gregor der Große, Buch der Dialoge, w.o.)

Bildunterschrift hinzufügen

Ein anderes Mal kam ein einfältiger Gote zu ihm, der Mönch werden wollte. Benedikt, der Mann Gottes, nahm ihn liebevoll auf.
Eines Tages ließ er ihm ein Werkzeug geben, das man wegen seiner Form Sichelmesser nennt. Er sollte damit an einer bestimmten Stelle das Dornengestrüpp aushauen, um dort einen Garten anzulegen; die Rodung lag unmittelbar über dem Seeufer.
Als der Gote das Dornendickicht mit aller Kraft auszuhauen versuchte, sprang die Klinge vom Stiel und fiel in den See. Dort war aber das Wasser so tief, dass es aussichtslos schien, das Werkzeug herauszuholen.
Da die Klinge verloren war, lief der Gote zitternd vor Angst zu dem Mönch Maurus, meldete den Schaden, den er angerichtet hatte, klagte sich an und tat Buße. Der Mönch Maurus jedoch ließ es Benedikt, den Diener Gottes, sofort wissen. Als der Mann Gottes, Benedikt, das hörte, ging er hin, nahm dem Goten den Stiel aus der Hand und hielt ihn in den See. Sogleich kam die Klinge aus der Tiefe empor und fügte sich wieder an den Stiel.
Benedikt gab dem Goten das Werkzeug zurück und sagte: »Geh wieder an deine Arbeit und sei nicht traurig! «
(Gregor der Große, das Buch der Dialoge, w.o.)

Im rechten Querschiff ist die hl. Scholastika mit den lokalen Heiligen Eutizio
und Spes zu sehen

links die Begegnung des Königs Totila mit dem hl. Benedikt


Zur Zeit der Goten hörte ihr König Totila, der heilige Mann sei prophetisch begabt. Er zog zum Kloster, hielt in einiger Entfernung an und ließ seine bevorstehende Ankunft melden. Vom Kloster wurde ihm sofort mitgeteilt, er könne kommen.
Weil Totila aber misstrauisch war, wollte er herausfinden, ob der Mann Gottes wirklich prophetischen Geist besitze. Er gab deshalb einem seiner Schwertträger namens Riggo seine Schuhe, ließ ihn die königlichen Gewänder anziehen und befahl ihm, sich dem Mann Gottes als König Totila vorzustellen. Zum Gefolge gab er ihm drei Grafen aus seiner engsten Begleitung mit: Vult, Ruderich und Blidin. Vor dem Diener Gottes sollten sie so tun, als ob Riggo der König Totila wäre, und ständig an seiner Seite bleiben. Er gab ihnen noch weitere Gefolgsleute und Schwertträger mit. So sollte jeder wegen dieses Gefolges und der Prunkgewänder denken, Riggo wäre der König.
Riggo betrat in den königlichen Gewändern und mit großem Gefolge den Klosterbereich. Der Mann Gottes saß in einiger Entfernung. Er sah Riggo, ließ ihn bis in Hörweite kommen und rief ihm zu: »Leg ab, mein Sohn! Leg ab, was du anhast! Es gehört nicht dir! «
Riggo fiel sofort zu Boden; er war zu Tode erschrocken, weil er es gewagt hatte, mit einem solchen Mann sein Spiel zu treiben. Auch alle anderen, die mit ihm zum Mann Gottes gekommen waren, stürzten fassungslos zu Boden.
Sie standen dann wieder auf, wagten aber nicht, sich Benedikt zu nähern, sondern sie kehrten zu ihrem König zurück und berichteten ihm zitternd, wie rasch sie durchschaut worden waren.

Hierauf begab sich Totila selbst zum Mann Gottes. Er sah ihn in einiger Entfernung dasitzen, hatte aber nicht den Mut, näher zu kommen, sondern warf sich auf die Erde. Zwei- oder dreimal sagte ihm der Mann Gottes: »Steh auf!«, aber Totila wagte nicht, sich vor ihm aufzurichten. Da ging Benedikt, der Diener des Herrn Jesus Christus, schließlich selbst zum König hin, der am Boden lag, und hob ihn eigenhändig auf.
Er hielt ihm seine Untaten vor und sagte ihm mit wenigen Worten sein künftiges Geschick voraus: »Viel Böses tust du, und viel Böses hast du getan. Lass endlich ab von deinen bösen Taten! ja, du wirst in Rom einziehen und auch das Meer überqueren. Neun Jahre wirst du regieren, doch im zehnten wirst du sterben.«
Der König erschrak sehr, als er das hörte. Er bat ihn um sein Gebet und zog wieder ab. Von da an war er nicht mehr so grausam.
Bald darauf kam er tatsächlich nach Rom und setzte auch nach Sizilien über. Nach dem Ratschluss des allmächtigen Gottes verlor er jedoch im zehnten Jahr seiner Regierung Herrschaft und Leben.
Übrigens kam der Bischof der Kirche von Canusium oft zum Diener Gottes; Benedikt liebte ihn sehr wegen seines vorbildlichen Lebens.
Einmal sprachen sie miteinander über den Einzug des Königs Totila in Rom und den Untergang der Stadt. Da sagte der Bischof: »Der König wird diese Stadt so zerstören, dass sie unbewohnbar wird!« Doch der Mann Gottes erwiderte ihm: »Nein, nicht von fremden Völkern wird Rom zerstört werden. Es wird von Unwetter und Blitzschlag, von Stürmen und Erdbeben heimgesucht werden und in sich zerfallen.«
Der verborgene Sinn dieser Weissagung ist uns unterdessen sonnenklar geworden. Wir sehen ja, wie die Stadtmauern verfallen sind, die Wohnhäuser eingestürzt, die Kirchen vom Sturm zerstört, die öffentlichen Gebäude baufällig und immer mehr zu Ruinen geworden sind.
Honoratus, der Schüler Benedikts, hat mir das erzählt. Er betont zwar, er habe es nicht aus Benedikts Mund gehört, bezeugt aber, die Brüder hätten dies als ein echtes Wort von ihm überliefert.
Gregor der Große, Buch der Dialoge)

Begegnung mit König Totila, Phillip Napoletano, 1621
Basilica di S. Benedetto, Norcia


Maurus rettet Placidus von Subiaco vor dem Ertrinken und bemerkt erst später, dass er auf dem Wasser gewandelt war.
Maurus führt die wunderbare Rettung auf den Segen des hl. Benedikt zurück



Die Geschwister Benedikt und Scholastika

Hl. Benedikt und hl. Scholastika,
bittet für die Völker Europas!
 

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