Mittwoch, 10. August 2016

Das Martyrium des hl. Laurentius nach dem Zeugnis des hl. Ambrosius

Hl. Laurentius, Kathedrale von Winchester



So wird also angenommen, dass Laurentius in Spanien geboren ist, in Osca, einer Kleinstadt in Aragona, die am Fuße der Pyrenäen liegt. Bereits in seinen jungen Jahren wurde er nach Saragossa gesandt, um dort seine humanistischen und theologischen Studien zu vervollständigen. Hier lernte er den späteren Papst Sixtus II kennen. Dieser stammte ursprünglich aus Griechenland, führte hier aber sein Amt als Lehrer aus, denn Saragossa war damals eines der berühmtesten Studienzentren und unter seinen Lehrern war der spätere Papst einer der Bekanntesten und Geschätztesten.

Laurentius hingegen, der eines Tages Leiter der Diakone der römischen Kirche werden sollte, zeichnete sich durch seine menschlichen Werte aus, durch seine Gutmütigkeit und seine Intelligenz. So entstand zwischen Lehrer und Schüler eine Freundschaft und eine Vertrautheit, die im Laufe der Zeit noch zunahm und sich festigte; mit der Zeit wurde die Liebe zu Rom, dem Zentrum der Christenheit und der Stadt, in der der Stellvertreter Christi seinen Sitz hatte, in beiden immer stärker, bis sie einer damals sehr stark verbreiteten Pilgertendenz folgten und Spanien verließen, um nach Rom zu ziehen, wo der Apostel Petrus seine Kirche gebaut und seine höchste Zeugenschaft abgelegt hatte. So konnten Lehrer und Schüler ausgerechnet in Rom, dem Herzen der katholischen Religion, ihr Ideal verwirklichen, zu lehren und zu bekehren… bis zum letzten Tropfen Blut. Als Sixtus II am 30. August des Jahres 257 den päpstlichen Thron bestieg – um ein Pontifikat anzutreten, das nicht einmal ein Jahr dauern sollte – wollte er unmittelbar, ohne zu zögern, seinen alten Schüler und Freund Laurentius, an seiner Seite haben, welchem er die delikate Aufgabe des Erzdiakonen anvertraute.
Die beiden beendeten schließlich ihr gemeinsames Leben und ihre Freundschaft, indem sie beide durch den selben Verfolger umkamen, nur wenige Tage von einander getrennt.

Über das Ende des Papstes Sixtus II erfahren wir aus einem Brief des Hl. Cyprianus, Bischof von Karthago. Cyprianus spricht über die überaus unsichere und gespannte Situation, in der die Kirchen auf Grund der zunehmenden Feindseligkeit den Christen gegenüber lebten, und bemerkt hierbei: „Kaiser Valerianus hat dem Senat einen kaiserlichen Erlass mit seinem Beschluss gesandt, dass alle Bischöfe, Priester und Diakonen unmittelbaren Todes sein sollten…". Weiter unten fährt Cyprianus fort: „…dann teile Euch noch mit, das Sixtus am 6. August gemeinsam mit vier Diakonen das Martyrium erlitten hat, als er sich in der Nähe des Coemeteriums befand. Die Behörden von Rom haben folgende Norm, dass alle diejenigen, die als Christen angezeigt werden, verurteilt werden und dass ihre Güter zugunsten des Kaiserlichen Schatzamtes enteignet werden." (Brief 80; CSEL 3,839-840).
Beim Friedhof, auf den der heilige Bischof von Karthago anspielt, handelt es sich um den Friedhof oberhalb der Katakomben des Hl. Kallixtus, wo Sixtus gefangen genommen wurde, während er die heilige Messe feierte und wo er nach dem Martyrium begraben wurde.
Was das Martyrium des Diakonen Laurentius hingegen betrifft, haben wir die überaus lehrreiche Zeugenaussage des Heiligen Ambrosius in der Schrift De Officiis (1 41,205-207), welche später auch von Prudentius und vom Heiligen Augustinus aufgenommen wird, sowie noch später vom Hl. Maximus von Turin, vom Hl. Pier Crisologo, vom Hl. Leo dem Großen und schließlich von einigen liturgischen Formeln, die in den katholischen Sakramentalien enthalten sind, im Missale Gothicum und im Ormionale Visigotico (Bibliotheca Sanctorum, Band ...., 1538-1539).
Ambrosius erzählt zuerst ausführlich über die Begegnung und das Gespräch zwischen Laurentius und dem Papst, danach spielt er auf die Verteilung der Kirchengüter an die Armen an und schließlich auf den glühenden Rost, das Foltergerät, wobei er den Satz unterstreicht, mit dem der Erste Diakon der römischen Kirche sich an seine Verfolger wandte: Assum est, ... versa et manduca (vgl. Bibliotheca Sanctorum, Band ..., Sammlung 1538-1539).

Und den Text De Officiis (Kap. 41, Nr. 205-206-207) von Ambrosius, der in seiner intensiven Ausdruckskraft ganz besonders bewegend ist, wollen wir hier auch als Bezugsquelle nehmen; der Hl. Ambrosius drückt sich folgendermaßen aus:

205. „... Als der Heilige Laurentius ... seinen Oberhirten Sixtus zum Martyrium führen sah, begann er zu weinen, aber nicht, weil er dem Tode entgegen geführt wurde, sondern weil er ihm überleben sollte. Er rief ihm daher laut nach: „Wo gehst du hin, oh Vater, ohne deinen Sohn? Wo eilst du hin, heiliger Bischof, ohne deinen Diakon? Du hast doch nie das Messopfer ohne Diener gefeiert. Was hat dir also an mir missfallen, oh Vater? Hast du mich vielleicht für unwürdig befunden? Kontrolliere doch wenigstens, ob du einen geeigneten Diener gewählt hast. Willst du nicht, dass derjenige, dem du das Blut Christi anvertraut hast, derjenige, den du an der Feier der heiligen Geheimnisse hast teilnehmen lassen, sein Blut gemeinsam mit dir vergießt? Pass auf, dass deine Erkenntnis nicht nachlässt, während deine Kraft und Stärke gerühmt wird. Die Verachtung des Schülers schadet auch dem Lehrer. Muss ich dich daran erinnern, dass die großen und berühmten Männer ihre Siege eher durch die siegreichen Leistungen ihrer Schüler erreichen als durch ihre eigenen? Und Abraham hat schließlich auch seinen Sohn geopfert, Petrus hat Stephan vorausgeschickt. So offenbare auch du, oh Vater, deine Tugend durch deinen Sohn; biete denjenigen, den du erzogen hast, mit sicherem Urteil an, um den ewigen Lohn in glorreicher Gesellschaft zu erlangen."

206. Da antwortete ihm Sixtus: "Ich lasse dich nicht allein, ich verlasse dich nicht, mein Sohn; doch stehen dir die härtesten Prüfungen bevor. Uns Alten ist ein leichterer Wettlauf zugewiesen worden; dir hingegen, der du jung bist, ist ein glorreicherer Triumph über den Tyrannen bestimmt. Bald wirst auch du kommen, hör auf zu weinen: in drei Tagen wirst du mir nachfolgen.. Zwischen einem Bischof und einem Leviten ziemt sich ein zeitlicher Abstand. Es wäre deiner nicht würdig gewesen, unter der Führung des Lehrers zu siegen, gerade so als ob du Hilfe suchtest. Warum bittest du darum, mein Martyrium zu teilen? Ich hinterlasse dir die gesamte Erbschaft. Wieso verlangst du meine Anwesenheit? Die noch schwachen Schüler eilen dem Lehrer voran, die bereits starken, die keine Belehrungen mehr brauchen, folgen ihm nach, um ohne ihn zu siegen. So verließ auch Elias Eliseus. Ich vertraue dir die Nachfolge meiner Tugend an."

207. So fand zwischen den Beiden ein Wettkampf stand, der wahrhaft würdig war, von einem Bischof und einem Diakonen ausgetragen zu werden: wer sollte zuerst für Christus leiden? Es heißt, dass in den Theatervorstellungen die Zuschauer in großen Applaus ausbrachen, wenn Pilades behauptete, Orest zu sein und Orest ebenfalls behauptete, Orest zu sein, was ja tatsächlich stimmte. Der eine behauptete dies, um an der Stelle Orests getötet zu werden, der andere, um zu vermeiden, dass Pilades an seiner Stelle umgebracht würde. Doch hätten sie nicht leben sollen, denn beide waren des Vatermordes schuldig: der eine, weil er ihn begangen hatte, der andere, weil er sein Komplize war. In unserem Fall wurde der Hl. Laurentius von keinem anderen Grunde bewogen als dem, sich für den Herrn aufzuopfern. Und auch er wurde drei Tage später auf dem glühenden Rost verbrannt, wobei er den Tyrannen höhnte: ‚Diese Seite ist gut durch, dreh um und iss.‘ So hat er durch seine Tapferkeit die Glut des Feuers besiegt." (Hl. Ambrosius, De Officiis, libri tres, Mailand, Ambrosianische Bibliothek, Stadt Rom Nuova Editrice 1977, S. 148-151).

(Quelle und vollständiger Text)

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