Samstag, 16. Januar 2016

Die franziskanischen Erstlingsmärtyrer

Die 5 marokkanischen Märtyrer Otho, Bernardus (Berard), Petrus, Adjutus und Accursius waren fünf „Minderbrüder“, die der hl. Franziskus 1219 zur Verbreitung des Christentums nach Marokko entsandte. Doch sie trafen auf wütenden Widerstand, wurden in Marrakesch eingekerkert, misshandelt und gefoltert. Der Sultan persönlich spaltete ihnen den Schädel und ließ ihnen dann noch den Kopf abschlagen.
(Martyrologium Sancrucense)


Anbetungskapelle, Frauenkirchen, mit franziskanischen Heiligen

Der heilige Franziskus sandte nach dem Willen des Herrn sechs bewährte Brüder in das Königreich Marokko. Sie sollten den Ungläubigen unerschrocken den katholischen Glauben verkünden. Als sie im Königreich Aragonien waren, erkrankte Bruder Vitalis schwer. Er sah, daß er länger krank sein werde, und wollte der Sache Gottes mit seiner Krankheit nicht hinderlich sein. So befahl er den fünf anderen Brüdern, den Auftrag Gottes und des Bruders Franziskus zu erfüllen und nach Marokko zu gehen. Die heiligen Brüder gehorchten, ließen den kranken Bruder Vitalis dort zurück und kamen nach Coimbra. Von da gingen sie weiter und gelangten, ohne sich im Habit zu zeigen, nach Sevilla, damals eine Stadt der Sarazenen.
Vom Geist geführt, kamen sie eines Tages zur Hauptmoschee. Als sie eintreten wollten, waren die Sarazenen empört, fielen mit Geschrei, mit Stößen und Schlägen über sie her und erlaubten ihnen unter keinen Umständen, die Moschee zu betreten. Die Brüder kamen schließlich zum Tor des Palastes und sagten, sie seien zum König geschickt als Gesandte des Königs der Könige, des Herrn Jesus Christus. Als sie dann dem König vieles über den katholischen Glauben darlegten, um ihn zur Bekehrung und zum Empfang der Taufe zu bewegen, befahl er voll Wut, sie zu enthaupten. Später jedoch, nach einer Besprechung mit dem Ältestenrat, schickte er sie nach Marokko, wie sie selbst gewünscht hatten.


Zwei der fünf marokkanischen Heiligen in der Anbetungskapelle

Dort angekommen, predigten sie sofort den Sarazenen auf dem Marktplatz. Als der König das hörte, ließ er sie ins Gefängnis werfen, wo sie zwanzig Tage ohne Speise und Trank blieben, gestärkt allein durch himmlischen Trost. Danach ließ der Herrscher sie wieder vorführen. Als er aber feststellte, daß sie mit größter Standhaftigkeit den katholischen Glauben bekannten, befahl er zornentbrannt, sie auf mancherlei Weise zu foltern, sie getrennt voneinander unterzubringen und sie auszupeitschen. Daraufhin fesselten gemeine Schergen die Hände und Füße der Heiligen, legten ihnen Stricke um den Hals, zerrten sie auf dem Boden hin und her, schlugen so furchtbar auf sie ein, daß fast die Eingeweide heraustraten, Über ihren Wunden zerbrach man Gefäße mit siedendheißem Öl und mit Essig, streute dann die Gefäßscherben auf ihr hartes Lager, warf die Heiligen darauf und wälzte sie hin und her. So wurden sie die ganze Nacht gequält und grausam geschlagen, wobei sie von ungefährt dreißig Sarazenen bewacht wurden.
Wutentbrannt ließ sie der König wieder vorführen. Gefesselt, barfuß und blutüberströmt wurden die Heiligen unter Schlägen vor den König gezerrt. Als dieser bei ihrem Anblick fand, daß sie unterschütert an ihrem Glauben festhielten, ließ er einige Frauen kommen - alle übrigen mußten sich entfernen - und sagte dann: "Wenn ihr euch zu unserem Glauben bekehrt, gebe ich euch diese Frauen, dazu noch viel Geld, und ihr sollt in meinem Reich hoch angesehen sein.

Die seligen Märtyrer aber gaben ihm zur Antwort: "Deine Frauen und dein Geld wollen wir nicht. Das verachten wir wir alles um Christi willen."

Da ergriff der König, rasend vor Zorn, einen Säbel, trennte die Heiligen voneinander und spaltete einem nach dem andern den Kopf; dabei zerbrach er drei Säbel. So tötete er sie mit eigener Hand in bestialischer Grausamkeit.

(Aus der Chronik der Generalminister des Minderbrüderordens, in: Franziskanisches Proprium zum Stundenbuch, 37f)


Das Martyrium der "Erstlingsmärtyrer" des Ordens war von großem Einfluß auf die Entscheidung des hl. Antonius, dem Orden der Minderbrüder beizutreten.

Gott und Vater, du hast die Anfänge des Minderbrüderordens
durch das Martyrium des heiligen Berard und seiner Gefährten gesegnet.
Sie haben ihren Glauben an Christus durch ihr Sterben bekannt.
Gib uns die Kraft, im Bekenntnis zu deinem Evangelium unter den Menschen zu leben.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Antonius von Padua, Anbetungskapelle, Frauenkirchen

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