Montag, 30. November 2015

Am Grab des Apostels Andreas


Andreas, Apostel. Andreas stammte aus Bethsaida in Galiläa, das ist das heutige Mahjar in Syrien (Joh 1,14) oder aus Kapharnaum (Mk 1,29). Andreas war zuvor Jünger des Täufers Johannes gewesen, wie das Johannesevangelium berichtet (Joh 1,35-40). Er war im Fischereiunternehmen
seines Bruders Simon, des späteren Apostelführers Petrus, tätig, als Jesus ihn zur Nachfolge berief. Andreas war der Erstberufene und führte seinen Bruder Simon zu Jesus. Er wird unter den Zwölf bei Abendmahl, Himmelfahrt und Pfingsten genannt, spielt jedoch sonst keine besondere Rolle. Interessant ist, dass er immer unter den ersten vier genannten Aposteln ist. Bei der wunderbaren Brotvermehrung macht er auf den Jungen mit den Broten und Fischen aufmerksam (Joh 6,8f.). Die Legende weiß, dass Andreas das Evangelium in Kleinasien und in Thrakien verkündete habe, das ist das heutige Bulgarien.
Schließlich gelangte er nach Griechenland. Hier erlitt er zu Patras in Achaia am 30. November 60 den qualvollen Tod an einem schräggestellten Kreuz. Die Gebeine des Apostels Andreas wurden 356 in die Apostelkirche in Konstantinopel gebracht, sie kamen 1208 nach Amalfi bei Neapel, wo sie bis heute in der Kathedrale San Andrea aufbewahrt werden. Sein Haupt wurde aus Furcht vor den Türken 1462 nach Rom gebracht. Papst Paul VI. hat die Kopfreliquie 1964 nach Patras  zurück-gegeben, als er die gegenseitig ausgesprochene Exkommunikation des Großen Schismas von 1054 aufhob. Das Patriarchat von Konstantinopel führte sein apostolisches Fundament auf den Apostel Andreas zurück, Andreas ist der Patron Griechenlands und Russlands.
(Martyrologium Sancrucense)


62 Stufen führen zur Kathedrale von Amalfi hinauf, der Glockenturm wurde zwischen 1180 und 1280 errichtet

Mosaik des Apostels Andreas vor der Kathedrale von Amalfi

Das Mosaik aus dem 18. Jh. zeigt die 12 Apostel, über ihnen thront Christus. Darstellung von Offenbarung 4 und 5



1 Danach sah ich: Eine Tür war geöffnet am Himmel; und die Stimme, die vorher zu mir gesprochen hatte und die wie eine Posaune klang, sagte: Komm herauf und ich werde dir zeigen, was dann geschehen muss.1
2 Sogleich wurde ich vom Geist ergriffen. Und ich sah: Ein Thron stand im Himmel; auf dem Thron saß einer,
3 der wie ein Jaspis und ein Karneol aussah. Und über dem Thron wölbte sich ein Regenbogen, der wie ein Smaragd aussah.
4 Und rings um den Thron standen vierundzwanzig Throne und auf den Thronen saßen vierundzwanzig Älteste in weißen Gewändern und mit goldenen Kränzen auf dem Haupt.2
5 Von dem Thron gingen Blitze, Stimmen und Donner aus. Und sieben lodernde Fackeln brannten vor dem Thron; das sind die sieben Geister Gottes.
6 Und vor dem Thron war etwas wie ein gläsernes Meer, gleich Kristall. Und in der Mitte, rings um den Thron, waren vier Lebewesen voller Augen, vorn und hinten.3
7 Das erste Lebewesen glich einem Löwen, das zweite einem Stier, das dritte sah aus wie ein Mensch, das vierte glich einem fliegenden Adler.
8 Und jedes der vier Lebewesen hatte sechs Flügel, außen und innen voller Augen. Sie ruhen nicht, bei Tag und Nacht, und rufen: Heilig, heilig, heilig ist der Herr, der Gott, der Herrscher über die ganze Schöpfung; er war und er ist und er kommt.
9 Und wenn die Lebewesen dem, der auf dem Thron sitzt und in alle Ewigkeit lebt, Herrlichkeit und Ehre und Dank erweisen,
10 dann werfen sich die vierundzwanzig Ältesten vor dem, der auf dem Thron sitzt, nieder und beten ihn an, der in alle Ewigkeit lebt. Und sie legen ihre goldenen Kränze vor seinem Thron nieder und sprechen:
11 Würdig bist du, unser Herr und Gott, Herrlichkeit zu empfangen und Ehre und Macht. Denn du bist es, der die Welt erschaffen hat, durch deinen Willen war sie und wurde sie erschaffen.



vlnr: Simon, Bartholomäus, Jakobus d. Jüngere, Johannes, Andreas, Petrus, Paulus, Jakobus d. Ältere, Thomas, Philippus,
Matthäus, Judas Thaddäus

1 Und ich sah auf der rechten Hand dessen, der auf dem Thron saß, eine Buchrolle; sie war innen und außen beschrieben und mit sieben Siegeln versiegelt.1
2 Und ich sah: Ein gewaltiger Engel rief mit lauter Stimme: Wer ist würdig, die Buchrolle zu öffnen und ihre Siegel zu lösen?
3 Aber niemand im Himmel, auf der Erde und unter der Erde konnte das Buch öffnen und es lesen.
4 Da weinte ich sehr, weil niemand für würdig befunden wurde, das Buch zu öffnen und es zu lesen.
5 Da sagte einer von den Ältesten zu mir: Weine nicht! Gesiegt hat der Löwe aus dem Stamm Juda, der Spross aus der Wurzel Davids; er kann das Buch und seine sieben Siegel öffnen.
6 Und ich sah: Zwischen dem Thron und den vier Lebewesen und mitten unter den Ältesten stand ein Lamm; es sah aus wie geschlachtet und hatte sieben Hörner und sieben Augen; die Augen sind die sieben Geister Gottes, die über die ganze Erde ausgesandt sind.
7 Das Lamm trat heran und empfing das Buch aus der rechten Hand dessen, der auf dem Thron saß.
8 Als es das Buch empfangen hatte, fielen die vier Lebewesen und die vierundzwanzig Ältesten vor dem Lamm nieder; alle trugen Harfen und goldene Schalen voll von Räucherwerk; das sind die Gebete der Heiligen.
9 Und sie sangen ein neues Lied: Würdig bist du, das Buch zu nehmen und seine Siegel zu öffnen; denn du wurdest geschlachtet und hast mit deinem Blut Menschen für Gott erworben aus allen Stämmen und Sprachen, aus allen Nationen und Völkern
10 und du hast sie für unsern Gott zu Königen und Priestern gemacht; und sie werden auf der Erde herrschen.
11 Ich sah und ich hörte die Stimme von vielen Engeln rings um den Thron und um die Lebewesen und die Ältesten; die Zahl der Engel war zehntausendmal zehntausend und tausendmal tausend.
12 Sie riefen mit lauter Stimme: Würdig ist das Lamm, das geschlachtet wurde, Macht zu empfangen, Reichtum und Weisheit, Kraft und Ehre, Herrlichkeit und Lob.
13 Und alle Geschöpfe im Himmel und auf der Erde, unter der Erde und auf dem Meer, alles, was in der Welt ist, hörte ich sprechen: Ihm, der auf dem Thron sitzt, und dem Lamm gebühren Lob und Ehre und Herrlichkeit und Kraft in alle Ewigkeit.
14 Und die vier Lebewesen sprachen: Amen. Und die vierundzwanzig Ältesten fielen nieder und beteten an




Bronzeportal aus dem 11. Jahrhundert



In der Krypta werden die Reliquien des hl. Andreas aufbewahrt. Von Patras, wo der Apostel gekreuzigt wurde, wurden seine Gebeine zuerst nach Konstantinopel und dann von Kardinal Pietro Capuano nach Amalfi überführt. Am 8. Mai 1208 wurden die Reliquien in der Krypta beigesetzt, die der Kardinal zu diesem Zweck hatte bauen lassen.
Der Hinterkopf ist hinter dem Altar aufbewahrt und wird bei besonderen Anlässen zur Verehrung gezeigt. Die übrigen Gebeine unter dem Altar bedeckt eine schwere Marmorplatte. Auf dem Grab steht eine Kristallampulle, worin sich seit über 750 Jahren am Vorabend des Festes des hl. Andreas eine Flüssigkeit sammelt (Manna), wie es schon in Patras und in Konstantinopel geschehen ist.
(Video: das Manna wird vom Grab hervorgeholt).

Im 17. Jh. erhielt die Krypta auf Wunsch von Philipp III. von Spanien eine barocke Ausstattung. 1660 wurden das Gewölbe mit Fresken geschmückt (teilweise renoviert), die das Leben Christi zeigen.
(vgl. der Führer von der Kathedrale von Amalfi)


Hauptaltar mit dem Grab des Apostels Andreas, Amalfi, Sant`Andrea

Hauptaltar aus Marmor von Domenico Fontana, rechts und links vom Apostel stehen Statuen der Diakone Laurentius u. Stephanus

Eine Öffnung im Altar gewährt einen Blick ins Grab

Rückseite des Altares, Andreas und der auferstandene Christus




Liebe Brüder und Schwestern,

in den letzten beiden Katechesen haben wir von der Gestalt des heiligen Petrus gesprochen. Jetzt wollen wir – so weit es die Quellen erlauben – auch die anderen elf Apostel ein wenig näher kennen lernen. Somit richten wir heute unsere Betrachtung auf den Bruder des Simon Petrus, den heiligen Andreas, der ebenfalls einer der Zwölf ist.

Die erste Charakteristik, die bei Andreas aufmerken lässt, ist sein Name: Es ist kein hebräischer, sondern ein griechischer Name – ein nicht zu vernachlässigendes Zeichen, das auf eine gewisse mentale Offenheit seiner Familie schließen lässt. Innerhalb der Zwölf nimmt Andreas den zweiten Platz – so bei Matthäus (vgl. Mt 10,1-4) und Lukas (vgl. Lk 6,13-16) – oder den vierten Platz ein, wie bei Markus (vgl. Mk 3,13-18) und in der Apostelgeschichte (vgl. Apg 1,13-14). Auf alle Fälle genoss er innerhalb der ersten christlichen Gemeinschaften ein großes Prestige.

Die Blutsverwandtschaft zwischen Petrus und Andreas wie auch die ihnen gemeinsame Berufung durch Jesus gehen aus den Evangelien klar hervor. Dort ist zu lesen: "Als Jesus am See von Galiläa entlangging, sah er zwei Brüder, Simon, genannt Petrus, und seinen Bruder Andreas; sie warfen gerade ihr Netz in den See, denn sie waren Fischer. Da sagte er zu ihnen: Kommt her, folgt mir nach! Ich werde euch zu Menschenfischern machen" (Mt 4,18-19; Mk 1, 16-17). Dem vierten Evangelium entnehmen wir ein weiteres Detail: In einem ersten Moment war Andreas ein Jünger des Johannes des Täufers; ihn hörte er eines Tages sagen, dass Jesus das "Lamm Gottes" sei (Joh 1,36). Und so setzte er sich in Bewegung und folgte zusammen mit einem anderen nicht [namentlich] benannten Jünger dem jungen Rabbi. Der Evangelist berichtet: Sie "sahen, wo er wohnte, und blieben jenen Tag bei ihm" (Joh 1,37-39).

Andreas genoss also wertvolle Augenblicke tiefer Vertraulichkeit mit Jesus. Die Erzählung fährt mit einer bedeutsamen Anmerkung fort: "Andreas, der Bruder des Simon Petrus, war einer der beiden, die das Wort des Johannes gehört hatten und Jesus gefolgt waren. Dieser traf zuerst seinen Bruder Simon und sagte zu ihm: Wir haben den Messias gefunden. Messias heißt übersetzt: der Gesalbte (Christus). Er führte ihn zu Jesus" (Joh 1,40-43). So legte Andreas sofort einen ungewöhnlichen apostolischen Eifer an den Tag. Andreas war also der erste Apostel, der zur Nachfolge Jesu berufen wurde. Gerade aus diesem Grund ehrt ihn die byzantinische Liturgie mit dem Beinamen "Protóklitos", was "der Erstberufene" heißt. Und es ist sicher, dass sich die Kirche Roms und die Kirche Konstantinopels auch aufgrund der brüderlichen Bande zwischen Petrus und Andreas in besonderer Weise als Schwestern fühlen. Um diese Beziehung hervorzuheben, gab mein Vorgänger Papst Paul VI. im Jahr 1964 die herausragende Reliquie des Heiligen Andreas, die bis dahin in der vatikanischen Basilika aufbewahrt worden war, dem orthodoxen Metropolitanbischof der Stadt Patras in Griechenland zurück, wo der Apostel gemäß der Überlieferung gekreuzigt worden war.

Die evangelischen Überlieferungen erwähnen den Namen Andreas in besonderer Weise bei drei weiteren Anlässen, die uns diesen Mann ein bisschen näher bringen: Die erste ist die Brotvermehrung in Galiläa. In jenem schwierigen Moment war es Andreas, der Jesus auf die Anwesenheit eines Knaben hinwies, der fünf Weizenbrote und zwei Fische bei sich hatte: ziemlich wenig für all die Menschen, die an jenem Ort zusammengekommen waren, so bemerkte er (vgl. Joh 6,8-9).

Es lohnt sich, den Realismus, den Andreas bei dieser Gelegenheit gezeigt hat, hervorzuheben: Er bemerkte den Knaben, war sich allerdings auch darüber im Klaren, dass dessen bescheidene Mittel nicht ausreichten. Nichtsdestoweniger verstand es Jesus, diese Dinge für die Menschenmenge, die gekommen war, um ihm zuzuhören, ausreichend sein zu lassen.

Das zweite Ereignis fand in Jerusalem statt: Während die Jünger die Stadt verließen, machte einer von ihnen Jesus auf die großartigen und gewaltigen Mauern aufmerksam, die den Tempel trugen. Die Antwort des Meisters war überraschend; er sagte, dass von diesen Mauern kein Stein auf dem anderen bleiben werde. So fragte ihn Andreas zusammen mit Petrus, Jakobus und Johannes: "Sag uns, wann wird das geschehen, und an welchem Zeichen wird man erkennen, dass das Ende von all dem bevorsteht?" (Mk 13,1-4). Als Antwort auf diese Frage hielt Jesus eine wichtige Rede über die Zerstörung Jerusalems und das Ende der Welt, in der er seine Jünger dazu aufforderte, die Zeichen der Zeit aufmerksam zu lesen und immer wachsam zu bleiben. Aus dieser Geschichte können wir ableiten, dass wir keine Angst davor haben brauchen, Jesus Fragen zu stellen; zugleich müssen wir aber bereit sein, auch die überraschenden und schwierigen Lehren anzunehmen, die er uns schenkt.

In den Evangelien ist schließlich die dritte Initiative des Andreas verzeichnet. Das Szenarium ist noch einmal Jerusalem, unmittelbar vor der Passion: Zum Paschafest, so erzählt Johannes, waren einige Griechen in die Heilige Stadt gekommen – wahrscheinlich Proselyten oder Gottesfürchtige, die am Paschafest den Gott Israels anbeten wollten. Andreas und Philippus, die beiden Apostel mit griechischen Namen, werden als Dolmetscher und Vermittler dieser kleinen Gruppe von Griechen bei Jesus eingesetzt. Die Antwort des Herrn auf ihre Frage erscheint – wie so oft im Johannesevangelium – geheimnisvoll, aber gerade so erweist sie sich als bedeutungsreich. Jesus sagt den beiden Jüngern und durch sie der griechischen Welt: "Die Stunde ist gekommen, dass der Menschensohn verherrlicht wird. Amen, amen, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht" (12, 23-24). Was bedeuten diese Worte in diesem Zusammenhang? Jesus will sagen: Ja, die Begegnung zwischen mir und den Griechen wird stattfinden, nicht aber als einfache und kurze Unterredung zwischen mir und ein paar Menschen, die vor allem von der Neugier getrieben werden. Mit meinem Tod, der mit dem Fall eines Weizenkorns in die Erde vergleichbar ist, wird die Stunde meiner Verherrlichung kommen. Aus meinem Tod am Kreuz wird die große Fruchtbarkeit hervorgehen: "Das tote Weizenkorn“ – Symbol für mich, der ich gekreuzigt werde – wird in der Auferstehung Brot des Lebens für die Welt; es wird zum Licht für die Völker und die Kulturen. Ja, die Begegnung mit der griechischen Seele, mit der griechischen Welt, wird sich in jener Tiefe verwirklichen, auf die die Geschichte des Weizenkorns hinweist, das die Kräfte der Erde und des Himmels an sich zieht und zum Brot wird. Mit anderen Worten: Jesus sagt die Kirche der Griechen, die Kirche der Heiden, also die Kirche der ganzen Welt voraus. Sie ist die Frucht seines Paschas.

Altertümliche Überlieferungen sehen in Andreas, der den Griechen dieses Wort überbracht hat, nicht nur den Dolmetscher einiger Griechen bei der soeben in Erinnerung gerufenen Begegnung mit Jesus, sondern sie betrachten ihn als den Apostel der Griechen in jenen Jahren, die dem Pfingstfest folgten. Sie lassen uns wissen, dass Andreas für den Rest seines Lebens der Verkünder und Dolmetscher Jesu für die griechische Welt war. Petrus, sein Bruder, kam von Jerusalem über Antiochien nach Rom, um hier seine universale Mission auszuüben; Andreas hingegen war der Apostel der griechischen Welt. So treten sie also im Leben und im Tod als wirkliche Brüder auf – eine Bruderschaft, die in der besonderen Beziehung der Bischofssitze von Rom und Konstantinopel als wahre Schwesterkirchen symbolisch zum Ausdruck kommt.

Wie angedeutet, erzählt eine spätere Überlieferung vom Tod des Andreas in Patras, wo auch er die Marter der Kreuzigung erlitt. In jenem äußersten Moment seines Lebens bat er jedoch wie sein Bruder Petrus darum, auf ein Kreuz gelegt zu werden, das sich vom Kreuz Jesu unterscheidet. In seinem Fall handelte es sich um ein Schrägkreuz, das heißt, ein Kreuz aus zwei diagonal verlaufenden, einander kreuzenden Balken, das aus diesem Grund auch "Andreaskreuz" genannt wird. Hier die Worte des Apostels, die er nach einer altertümlichen Erzählung (zu Beginn des siebten Jahrhunderts) mit dem Titel "Die Passion des Andreas" während der Kreuzigung ausgesprochen haben soll: "Gegrüßt seiest du, o Kreuz, das du durch den Leib Christi geweiht und von seinen perlengleichen Gliedern geschmückt wurdest. Bevor der Herr auf dich stieg, hattest du eine irdische Angst eingeflößt. Jetzt hingegen bist du mit himmlischer Liebe ausgestattet und wirst deshalb wie eine Gabe empfangen. Die Gläubigen wissen von dir, welch große Freude du besitzt, wie viele Geschenke du bereithältst. Nun komme ich sicher und voller Freude zu dir, damit du auch mich unter Jubel als Jünger dessen empfängst, der an dich gehängt wurde… O seliges Kreuz, das du die Majestät und die Schönheit der Glieder des Herrn empfingst... Nimm mich, führe mich weit weg von den Menschen und erstatte mich meinem Meister zurück – auf dass ich durch dich denjenigen empfange, der mich durch dich erlöst hat. Gegrüßt seiest Du, o Kreuz; ja, sei wahrhaft gegrüßt!"

Wie man sieht, stehen wir hier vor einer sehr tiefen christlichen Spiritualität, die im Kreuz nicht so sehr ein Marterinstrument, sondern vielmehr das unvergleichliche Werkzeug einer vollen Angleichung an den Erlöser sieht, an das in die Erde gefallene Weizenkorn. Hier müssen wir eine sehr wichtige Lektion lernen: Unsere Kreuze werden wertvoll, wenn sie als Teil des Kreuzes Christi betrachtet und angenommen werden, wenn sie vom Widerschein seines Lichts erfasst werden. Nur durch sein Kreuz werden auch unsere Leiden geadelt und erhalten ihren wahren Sinn.

Der Apostel Andreas lehrt uns also, Jesus bereitwillig nachzufolgen (vgl. Mt 4,20; Mk 1,18), von ihm allen, denen wir begegnen, mit Enthusiasmus zu erzählen und vor allem eine Beziehung wahrer Vertrautheit mit ihm zu pflegen, in dem Bewusstsein, dass wir nur in ihm den letzten Sinn unseres Lebens und Todes finden können.

(Generalaudienz Benedikt XVI. am 14.6.2006)



Bronzene Statue mit 2,36 m Höhe von Michelangelo Naccherino (1604)



Allmächtiger Gott,
du hast deiner Kirche den heiligen Apostel Andreas
als Boten des Glaubens und als Hirten gegeben.
Erhöre unser Gebet und gib,
dass auch die Kirche unserer Tage die Macht seiner Fürsprache erfahre.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.



Kommentare:

  1. Hw. haben sich mal wieder selbst übertroffen! Dankeschön! :-)

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    1. Sich jedesmal aufs neue zu übertreffen könnte anstrengend werden ;-)

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