Sonntag, 16. August 2015

Stephan von Ungarn

Stephanskirche, Budapest

Hochaltar mit Statue des hl. Stephan


Mein Sohn, wenn du der Königskrone Ehre machen willst, befehle und rate ich dir, den katholischen und apostolischen Glauben gewissenhaft und sorgsam zu wahren, damit du allen, die Gott dir als Untertanen anvertraut hat, ein gutes Beispiel gibst und dich alle Männer der Kirche mit Recht einen wirklichen Mann des christlichen Bekenntnisses nennen können. Denn ohne dieses Bekenntnis, dessen bin ich sicher, bist du kein Christ und kein Sohn der Kirche.

Im Königsplast hat die Kirche nach dem Glauben den zweiten Rang; denn sie wurde von Christus, unserem Haupt gegründet, dann durch seine Apostel und die heiligen Väter weiterverbreitet, gefestigt und über den ganzen Erdkreis ausgedehnt. Obgleich sie immer neue Nachkommen hervorbringt, ist sie doch an manchen Orten schon eine alte Kirche.

Doch in unserem Reich, lieber Sohn, gilt sie immer noch als ganz jung und neu. Sie braucht darum eine besondere kluge und umsichtige Betreuung. Das Gute, das Gott uns in seiner Barmherzigkeit ohne unser Verdienst gewährt hat, darfst du nicht durch Trägheit, Unlust und Nachlässigkeit zerstören.

Geliebter Sohn, Freude meines Herzens, du Hoffnung derer, die nach uns kommen, ich bitte dich und gebiete dir: sie nicht nur gütig gegen Verwandte und Angehörige, gegen Fürsten, Führer und reiche Leute, sondern auch gegen Fremde und alle, die zu dir kommen. Taten der Güte führen dich zur höchsten Glückseligkeit. Sei gnädig gegen alle, die Gewalt erleiden, und erwäge dabei immer das Beispiel des Herrn in deinem Herzen: „Liebe will ich, nicht Schlachtopfer.“ (Hos 6,6)

Habe Geduld nicht allein mit den Mächtigen, sondern auch mit den Machtlosen.

Sei stark, damit das Glück dich nicht übermütig und das Unglück nicht niedergeschlagen macht. Sei demütig, damit Gott dich erhöht, jetzt und in Zukunft. Sei maßvoll, strafe und verurteile nicht maßlos. Sei milde, damit du niemals der Gerechtigkeit widerstreitest. Sei edel und kränke keinen unbedacht. Sei schamhaft und meide üble Begierden wie den Stachel des Todes.

Aus alldem, was ich gesagt habe, setzt sich die Königskrone zusammen. Ohne all das kann niemand hier auf Erden herrschen, niemand zum ewigen Reich gelangen.
 
(Lesehore, Mahnschreiben des hl. Stephan von Ungarn an seinen Sohn)
 

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