Mittwoch, 26. August 2015

Hl. Mirjam von Abellin

Statue der hl. Mirjam von Abellin im Karmelitinnenkloster in Bethlehem


Mirjam von Abellin, Karmelitin. Mirjam war Araberin und wurde 1845 in Abellin in Galiläa geboren, sie hieß eigentlich Maria Baouardy und ihre Eltern gehörten der katholischen Kirche des griechischen Ritus an. Acht Tage vor der Verheiratung erklärte das Mädchen, es wolle nicht heiraten, sondern Jungfrau bleiben. Einen Teil der folgenden Nacht brachte sie im Gebet vor einem Bild der Gottesmutter zu und bat um Hilfe. Im Schlaf sagte ihr eine Stimme diese Hilfe zu. Mirjam erwachte, schnitt ihre langen Haare ab und legte sie samt den Edelsteinen, die sie von ihrem Verlobten erhalten hatte, beiseite. Inzwischen hatte ihr Onkel zum Hochzeitsmahl Freunde und Bekannte eingeladen. Nach orientalischer Sitte musste die Braut in vollem Schmuck vor den Hochzeitsgästen erscheinen, aber Mirjam brachte an Stelle der üblichen Getränke ihre mit Gold und Edelsteinen gezierten Haare.
Nachdem so die Hochzeit geplatzt war, trat Mirjam 1867 in Pau in Frankreich bei den unbeschuhten
Karmelitinnen ein, wurde nach Mangalore in Indien geschickt und legte dort 1870 ihr Gelübde ab. 1872 kehrte Mirjam nach Frankreich zurück, 1875 gründete sie in Bethlehem ein Kloster. Immer wieder hatte sie tiefe mystische Erlebnisse, ihr Leben war erfüllt von außerordentlichen Charismen, die schließlich in ihrer Stigmatisierung mit den Wundmalen Jesu gipfelten. Mirjam starb im Alter von 33 Jahren am 26. August 1878 in ihrem Karmel in Bethlehem.
(Seligsprechung am 13.11.1983, Heiligsprechung am 17.5.2015) 
(Martyrologium Sancrucense)

reblogged, Reliquienschrein v. Mirjam v. Abellin in der Josefskirche, Karmel Bethlehem


Bei der Seligsprechung am 13. November 1983 in St. Peter in Rom sagte Papst Johannes Paul II.:

"Höre, Tochter, sieh her und neige dein Ohr... " (Ps 45,11). Diese Psalmworte wendet die Kirche heute auf Schwester Maria vom gekreuzigten Jesus, eine unbeschuhte Karmeltin, an, die in jenem Land geboren wurde, in welchem Jesus von Nazareth gelebt hat... "Höre, Tochter!" Ja, der Weg von Schwester Maria zu ihrem göttlichen Bräutigam ist tief in die Erinnerung des Gottesvolkes eingeschreiben. Heute krönt sie die Kirche mit dem Akt der Seligsprechung und will damit Zeugnis geben von der besonderen geistlichen Schönheit jener Tochter des Heiligen Landes, einer Schönheit, die im Lichte des Erlösungsgeheimnisses herangereift ist, unter den Strahlen der Geburt und der Lehre, des Kreuzes und der Auferstehung Jesu Christi...
Die Lesungen der heutigen Liturgie sind ein großartiger Kommentar zum Leben von Schwester Maria vom gekreuzigten Jesus, die in der Nähe von Nazareth geboren wurde und mit 33 Jahren im Karmel vom Bethlehem starb. Ihre Liebe zu Christus war stark wie der Tod. Die schmerzlichsten Prüfungen haben diese Liebe nicht zum Verlöschen gebracht, sondern sie im Gegenteil geläutert und gestärkt. Und sie hat alles für diese Liebe gegeben.
Das ganze Leben der kleinen Araberin, die erfüllt war von außerordentlichen mystischen Gaben, war im Lichte des Heiligen Geistes die bewußte und unwiderrufliche Antwort auf die Berufung zur Heiligkeit, das heißt auf jenen ewigen Heilsplan, vom dem der hl. Paulus spricht und den die göttliche Barmherzigkeit für jeden von uns festgelegt hat. Das Leben der Schwester Maria vom gekreuzigten Jesus ist die Frucht jener höchsten "evangelischen" Weisheit, mit der es Gott gefallen hat, die Kleinen und Armen auszustatten, um die Mächtigen zu beschämen. Die kleine Mirjam, die mit großer Seelenreinheit, mit wachem Naturverstand und jener dichterischen Phantasie begabt war, wie sie für die semitischen Völker typisch ist, hatte nicht die Möglichkeit, sich höheren Studien zu widmen. Das hinderte sie aber dank ihrer hervorragenden Tugend nicht daran, von jener "Kenntnis" erfüllt zu sein, die den höheren Wert besitzt und die uns zu schenken Christus am Kreuz gestorben ist: Die Kenntnis des trinitarischen Geheimnisses, eine so bedeutende Perspektive in der christlichen Spiritualität des Ostens, in welcher die kleine Araberin erzogen worden war.

Wie im Seligsprechungsdekret zu lesen ist, "ist die demütge Dienerin Christi, Maria vom gekreuzigten Jesus, die durch Herkunft, Ritus, Berufung und Wanderungen zu den Völkern des Orients gehörte und gewissermaßen deren Vertreterin ist, gleichsam ein Geschenk an die Universalkirche von seiten derer, die sie in ihrer unglücklichen, vom Kampf und Blut gezeichneten Lage gerade jetzt mit großem inneren Vertrauen um ihre schwesterliche Fürsprache bitten. Sie haben die Hoffnung, daß auch durch die Gebete der Dienerin Gottes endlich Friede und Eintracht in jenen Ländern wiederhergestellt werden, wo "das Wort Fleisch geworden ist", da Er selbst unser Friede ist.

Die selige Maria vom gekreuzigten Jesus ist in Galiläa geboren. Darum soll unser Gebetsgedenken heute in besonderer Weise dem Land gelten, wo Jesus die Liebe gelehrt hat und gestorben ist, damit die Menschheit versöhnt werde...
Loben wir zusammen mit Christus den Vater, weil er den Augen der Seele von Schwester Maria vom gekreuzigten Jesus das Geheimnis der Wahrheit und der Liebe geoffenbart und ihr Anteil an der Herrlichkeit seines Reiches gegeben hat.
(in: F. Holböck, Die neuen Heiligen der katholischen Kirche, Bd. 1, 162ff)


Reliquie der hl. Mirjam von Abellin (Baouardy), Josefskirche in Bethlehem

Im Kloster der hl. Mirjam 

Gesang der Liebe - Venite adoremus
(aus: Benedikt Stolz, Mirjam von Abellin 260f)

Der Liebe meine Liebe! - O Könige der Erde - 
kommt, laßt uns ihn anbeten!

Ich singe die Großtaten, die Macht unseres Schöpfer:
kommt, laßt uns ihn anbeten.

Denn wir sind das Werk seiner Hände, der Preis seines Blutes:
kommt, laßt uns ihn anbeten!

Es gibt keinen Gott, der ihm ähnlich wäre, denn alles ist nichts:
kommt, laßt uns ihn anbeten!

Kommt ihr alle, die ihr auf der Erde seid,
haltet euch nicht auf bei dem, was von der Erde ist,
denn alles ist nichts als Eitelkeit
und wird enden in einem Augenblick:
kommt, laßt uns ihn anbeten!

Wir sind nur Pilger und Verbannte auf dieser Erde:
kommt, laßt uns ihn anbeten!

Er ist unser König, er ist unser Vater:
kommt, laßt uns ihn anbeten!

Fallen wir nieder zu seinen Füßen:
kommt, laßt uns ihn anbeten!

Kommt ihn zu loben, zu benedeiten;
sagen wir mit Herz und Mund:
Es gibt keinen Gott, der ihm ähnlich wäre:
kommt, laßt uns ihn anbeten!

Beten wir an die Dreifaltigkeit, den dreieinigen Gott.
O unbegreifliches Geheimnis!
Kommt, laßt uns ihn anbeten!

Denn sein Zorn ist fürchterlich:
kommt, laßt uns ihn anbeten!

Das Tier, die wilde Bestie zittert vor ihm;
sein Zorn läßt die Erde erbeben!
Ihr Bösen, kommt, laßt uns ihn anbeten!

Seine Güte ist väterlich für die, die ihn suchen:
Kommt, laßt uns ihn anbeten!

Seine Güte, seine Barmherzigkeit sind für die Gerechten:
Kommt, laßt uns ihn anbeten!

Die ganze Erde, die wilden Tiere,
sie freuen sich in tiefer Ehrfurcht:
Kommt, laßt uns ihn anbeten!

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