Freitag, 28. August 2015

Am Grab des hl. Augustinus (2)




Augustinus von Hippo, Bischof und Kirchenlehrer. Aurelius Augustinus wurde am 13. November 354 zu Tagaste in Numidien, das ist das heutige Souk-Ahras in Algerien, als Sohn des Heiden Patricius und der frommen Christin Monika geboren. Seine Mutter erzog ihn in christlichem Sinn, dennoch empfing Augustinus die Taufe nicht. Ja, seine Jugendjahre entfremdeten ihn dem katholischen Glauben, wenngleich er immer ein suchender Mensch blieb, der sich einmal vom Manichäismus, dann wieder vom Skeptizismus der Akademiker angezogen fühlte. Dem Einfluss seiner Mutter entzog er sich mit List und verließ heimlich Nordafrika, um als Professor für Rhetorik nach Mailand zu gehen. Dort lernte er im Kreise junger Intellektueller durch die Predigten des hl. Ambrosius das Christentum kennen und verstehen. Es folgte ein langes Ringen mit seiner moralischen Schwäche, bis Augustinus aufgrund eines außerordentlichen Erlebnisses die Entscheidung zur Taufe wagte.
In der Osternacht des Jahres 387 empfing er durch Ambrosius die Taufe. 388 kehrte er nach Tagaste zurück, wo er in klösterlicher Weise lebte. Augustinus hatte sich bei der Lektüre der Lebens-beschreibung des hl. Antonius für das klösterliche Leben begeistert. 391 wurde Augustinus in Hippo Regius zum Priester, 395 zum Bischof geweiht. In den verbleibenden 35 Jahren seines Lebens entfaltete Augustinus eine ungeheure Schaffenskraft, leitete umsichtig die Kirche, sorgte für den Klerus, war unermüdlicher Prediger und auf vielen Synoden Anwalt der wahren Lehre. Für die Frauenklöster seiner Stadt verfasste er eine eigene Regel, auf die sich viele Orden berufen. Seine zahlreichen Schriften und Predigten verbreiteten sich überall und machten ihn zum geistigen Führer der abendländischen Kirche, dessen Einfluss vor allem im ersten Jahrtausend unabschätzbar war. Unter anderem verfasste Augustinus das erste systematische Werk über die Dreifaltigkeit und schrieb eine Autobiographie, die sogenannten „Confessiones“. Augustin starb während der Belagerung Hippos durch den Vandalenkönig Geiserich am 28. August 430. Seit dem 8. Jahrhundert befinden sich seine Reliquien zu Pavia. Augustinus wird in bischöflichen Gewändern mit einem flammenden Herzen in der Hand dargestellt. Unter den vier großen lateinischen Kirchenlehrern ist Augustinus ohne Zweifel der bedeutendste.
(Martyrologium Sancrucense)

Am Grab des hl. Augustinus (2013) 







mosaikartig aussehende Fresken, Christus auf dem Herrscherthron, rechts Petrus, links Augustinus mit seiner Mutter Monika



Es gehört zu den Verkehrtheiten unserer Zeit, den Weg höher zu schätzen als das Ziel, und das Suchen höher als das Finden. Im Sinn des oberflächlich Interessanten mag diese Wertung richtig sein; im entscheidenden Sinn der Wahrheit ist sie falsch.
Augustinus, der größte aller Suchenden - und Findenden, wäre der letzte, der einem beruhigten Besitz ohne Frage das Wort reden würde. Für ihn ist Gott nicht nur hienieden, sondern in Ewigkeit der immer neu - im Gefundenhaben - zu Suchende. "Daß man ihn suche, um ihn zu finden, ist er verborgen; daß man ihn suche, da man ihn fand, unermeßlich" (In Joh 63,1). Aber das Finden, von dem hier die Rede ist, bleibt dennoch ein echtes Finden, ja ein immer tieferes, immer unerschütterlicheres, immer verantwortungsvolleres Finden. Das Suchen ohne Finden ist der Vorhof, den die "Confessiones" als den Strauchelweg bis zur Konversion beschreiben. Der Eintritt in die Kirche ist der erste, selige Wendepunkt dieser dramatischen Existenz.
Aber noch ein zweiter, weniger deutlich abgrenzbarer Weg bleibt zu durchschreiten: von einer bloßen "Anerkennung" der katholischen Kirche zu vollen Existenz aus der Kirche selbst.
(H. U. v. Balthasar, Vorwort, Augustinus, Antlitz der Kirche)

Augustinus mit seiner Mutter Monika

 "Suchet den Herrn, und eure Seele wird leben" (Ps 68,33).
Suchen wir den Zu-findenden, suchen wir den Gefundnen! Um als Zu-findender gesucht zu werden, ist er verborgen; um als Gefundner gesucht zu werden, unermeßlich.
Darum heißt es: "Suchet mein Antlitz immerdar" (Ps 104,4). Denn er stillt den Sucher, soweit er´s zu fassen vermag; und weitet den Finder, damit er von neuem zu fassen suche, wo er mehr zu fassen begann. Nicht also heißt es: "Suchet sein Antlitz immerdar", wie von einigen: "immerdar lernend, aber nie zu Erkenntnis der Wahrheit gelangend" (2 Tim 3,79), sondern eher im Sinn jenes Wortes: "Wenn der Mensch am Ende ist, dann fängt er erst an" (Pred 18,6).
(Augustinus, Antlitz der Kirche, 352)

S. Pietro in Ciel d`Oro, Pavia

"Weide meine Schafe" (Joh 21,15-17). Welche Schafe? Die ich mit meinem Blute erkaufte. Ich bin gestorben für sie. Liebst du mich? So stirb für sie. (..) Was Petrus empfohlen wurde, was Petrus befohlen wurde, das galt nicht nur ihm allein. Auch die anderen Apostel hörten es, hielten es, befolgten es, vor allem jener Mitgefährte des Leidens und Todestages, der Apostel Paulus; sie haben es gehört, sie haben es uns überliefert, daß auch wir es hören. Wir weiden euch, wir werden zusammen mit euch geweidet: gebe der Herr uns die Kraft, euch so zu lieben, daß wir auch sterben können für euch, sei es in Tat und Wahrheit, sei es in Gesinnung und Wahrheit. Denn obschon der Apostel Johannes nicht Martyrer wurde, war doch seine Seele für das Martyrium bereit. Er litt nicht, aber er konnte leiden, Gott wußte um seine Bereitschaft.
(Augustinus, Antlitz der Kirche, 238)

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