Mittwoch, 17. September 2014

Der Hildegardisaltar in der Binger Rochuskapelle

Der gotische Baldachinaltar der hl. Hildegard aus dem Jahr 1895 stammt aus der Holzschnitzer-dynastie Busch. Neben der Halbreliefstatue, die Hildegard als Äbtissin vom Rupertsberg darstellt, befinden sich Szenen aus dem Leben der Heiligen. Unter dem Bilderzyklus ist ein Reliquiar mit einer Rippe der hl. Hildegard und einem Stück ihres Ordensgewandes eingelassen. Der Schrein stammt aus dem Jahre 1863.




1. Hildegard schaut als Kind ein geheimes Licht
"In meinem dritten Lebensjahr sah ich ein so großes Licht, daß meine Seele erbebte, doch wegen meiner Kindheit konnte ich mich nicht darüber äußern."


2. Hildegard wird von ihren Eltern zu Jutta in die Klause auf den Disibodenberg gebracht:
"Im Alter von acht Jahren ließ sie sich auf dem Berg des hl. Disibod einschließen, um mit Christus begraben zu werden und mit ihm zur Glorie der Unsterblichkeit aufzuerstehen. Bei ihr war die fromme gottgeweihte Frau Jutta."


3. Hildegard schreibt auf dem Disibodenberg ihr Werk "Scivias - Wisse die Wege"
"Im Jahr 1141 nach der Menschwerdung Jesu Christi, des Gottessohnes, als ich zweiundvierzig Jahre und sieben Monate alt war kam ein feuriges Licht mit Blitzesleuchten vom offenen Himmel hernieder. Es durchströmte mein Gehirn und durchglühte mir Herz und Brust gleich einer Flamme, die jedoch nicht brannte, sondern wärmte, wie die Sonne den Gegenstand erwärmt, auf den sie ihre Strahlen legt. Nun erschloß sich mir plötzlich der Sinn der Schriften, des Psalters, des Evangeliums und der übrigen katholischen Bücher des Alten und Neuen Testamentes."


4. Erzbischof Heinrich legt 1147 auf der Synode von Trier Papst Eugen III. und Bernhard von Clairvaux die Schriften der heiligen Hildegard vor.


5.  Empfang Hildegards durch die Einwohner der Stadt Bingen.
Alternative Deutung: die Begegnung mit Bernhard von Clairvaux (historisch falsch)


6. Kaiser Barbarossa empfängt Hildegard 1155 in der Kaiserpfalz zu Ingelheim.


7. Hildegard predigt vor Klerus und Volk in Köln.
"Die Wundmale meines Bräutigams (Christus) bleiben frisch und offen, solange die Sündenwunden der Menschen offen sind. Eben dieses Offenbleiben der Wunden Christi ist die Schuld der Priester. Sie die mich strahlend rein machen und mir in Reinheit dienen sollten, wechseln aus maßloser Habsucht (bessere Stellen erwerbend) von Kirche zu Kirche. Auch mein Gewand zerreißen sie dadurch, daß sie Übertreter des Gesetzes, des Evangeliums und ihrer Priesterpflicht sind..."
Und ich hörte eine Stimme vom Himmel, die sprach: "Dieses Bild stellt die Kirche dar.""


8. Hildegards Tod auf dem Rupertsberg 1179
Nachdem die heilige Mutter viele mühsame Kämpfe mit Hingabe vollführt hatte, empfand sie Überdruß am gegenwärtigen Leben und wünschte täglich, aufgelöst zu werden und bei Christus zu sein. Gott erhörte ihren Wunsch und offenbarte ihr, wie sie es vorher gewünscht hatte, in prophetischen Geist ihr Ende, das sie auch ihren Schwestern voraussagte. Sie wurde einige Zeit von einer Krankheit heimgesucht und ging in ihrem zweiundachzigsten Lebensjahr am 17. September in einem seligen Sterben hinüber zu ihrem himmlischen Bräutigam. (aus der Vita)
(Texte von E. Gronau, Hildegard von Bingen)




Reliquienschrein mit einem Teil des Ordensgewandes und einer Rippe der heiligen Hildegard

links Hildegardisaltar, Hochaltar mit dem hl. Rochus, rechts Marienaltar

HEILIGKEIT

Ich rufe zu dir, o Gott:
Was nottun zum Leben, das gib mir!
Gute Pläne hast du mit mir,
sehen darf ich dich und erkennen.

Mein gutes Gewissen erspürt dich, mein Gott;
ich schlage die Zither des Gebets,
wenn ich in Anbetung dich erkenne.
Gegürtet mit der Enthaltsamkeit,
erblühe ich in Glückseligkeit.

Vollbringe, o Gott, deine Werke
mit der Streitschar Christi des Königs,
die ich zum Kampfe führe.

(aus: W. Storch, Gebete der hl. Hildegard von Bingen, 102)

Rochuskapelle

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