Freitag, 16. Mai 2014

Am Grab des hl. Johannes Nepomuk


Johannes Nepomuk, Märtyrer. Johannes Nepomuk wurde um 1350 geboren. 1393 wurde er Generalvikar des Erzbischofs von Prag. In den Auseinandersetzungen zwischen König und Erzbischof wurde Johannes von König Wenzel am 20. März 1393 gefangengenommen, gefoltert und von der Prager Karlsbrücke in die Moldau gestürzt und ertränkt. Nach seinem Tod entstand die Überlieferung, er sei deshalb Märtyrer geworden, weil König Wenzel von Johannes den Bruch des Beichtgeheimnisses verlangt habe. Doch war Johannes weder Beichtvater der Königin gewesen noch Hofprediger. Auf jeden Fall aber ist er Märtyrer für das Recht der Kirche. Sein Leib ruht im Veitsdom zu Prag, sein Grab war schon früh Mittelpunkt einer Verehrung des Märtyrers. Seit Ende des 17. Jahrhunderts verbreitete sich sein Kult über Böhmen, Österreich und Deutschland bis zum Rhein hin. Johannes Nepomuk ist der Brückenpatron schlechthin.
(Martyrologium Sancrucense)

Entgegen der häufig vertretenen Ansicht, dass Johannes Nepomuk nicht der Beichtvater der Königin gewesen sei, und dem Heiligen daher zu Unrecht zugeschrieben werde, das Martyrium auch wegen der Wahrung des Beichtgeheimnisses erlitten zu haben, schreibt Alois K. Kratochvil (Tacui, J. v. Nepomuk - Brückenheiliger und Märtyrer des Beichtgeheimnisses):

"Die erste Nachricht darüber (über JvN als Bewahrer des Beichtgeheimnisses) hinterliess Thomas Ebendorfer von Haselbach, Professor der Wiener Universität. Pekar beruft sich sich auf Ebendorfer, als der 1921 zitiert: "... dass Jan von Pomuk ertränkt wurde, weil er es ablehnte, dem König den Inhalt der Beichte der Königin mitzuteilen.
Ebendorfer besuchte nämlich im Jahre 1433 Prag (...) und erfuhr vieles, was während der Herrschaft Wenzels geschah. Das zeichnete er anhand seiner in Prag gemachten Notizen im Jahre 1452 (...) auf. Unter anderem wiederholt er einen älteren Bericht des Regensburger Augustinianers Andreas, dass Wenzel IV. den berühmten Meister der Theologie Johannes ertränken liess, weil er zu sagen wagte, "dass der des Titels eines Königs unwürdig sei, der ungut herrscht."
Dazu bemerkt er, dass Johannes Beichtvater der Königin war und ertränkt wurde "auch, wie gesagt wird, weil er es ablehnte, das Beichtgeheimnis zu verraten." Bereits 1470 erwähnt diese Tatsache, mit großer Wahrscheinlichkeit einer Ortstradition folgend, auch der Prager Kanonikus Pavel Zidek in seinem Werk Spravovna. Bereits im 15. Jahrhundert wurde also auch die zweite Ursache des Martyriums unseres Brückenheiligen betont. Zu diesen, doch relativ späten Feststellungen, vermerkt Kadlez: "Auch wenn das Ereignis ein halbes Jahrhundert zuvor geschah, versagen alle Versuche, die mündliche Überlieferung für vollkommen unbegründet zu erklären. Es ist leicht verständlich, dass man von der Sache her nicht reden durfte, solange der jähzornige König noch lebte. Zudem war die hussitische Zeit nicht für solche Aufzeichnung geeignet."

Kratochvil zitiert eine Arbeit von Jaroslav Polc, der darauf hinweist, dass Wenzels Ehe mit der bayrischen Prinzessin Sophie nicht besonders glücklich war, und der König möglicherweise daran dachte, die Ehe für ungültig erklären zu lassen, um die Tochter des aragonischen Königs zu ehelichen. Dies setzte einen kanonischen Prozess voraus, bei dem auch die andere Seite angehört werden mußte. Es ist deshalb durchaus möglich, dass die Königin JvN im Beichtstuhl aufsuchte, um ihn um Rat zu fragen.
"Das könnte erklären", so Polc, "warum dem König soviel daran lag, dass Johannes spreche.

"Ferdinand Seibt sieht in der "Legende des Märtyrertodes von Johannes für die Bewahrung des Beichtgeheimnisses" (...) einen Wahrheitskern, denn sie erkläre viele Einzelheiten, besonders jene, dass die Folter des Johannes von Pomuk keine Strafe, sondern ein Verhör war.""

(aus Kaltenbrunner, Kratochvil, w. o., 52ff)


Blick vom Veitsdom auf die St. Georgsbasilika


dreischiffiger Dom, Baubeginn 1344, vollendet wird der Bau 1929


Nepomuks Grabstätte im Veitsdom wurde im 17. Jahrhundert nach Entwürfen von J. E. Fischer durch den Wiener Goldschmid Johann Würth neu gestaltet. Dieses fast 300 Jahre nach der Ermordung des Heiligen gefertigte Grabmal ist die bedeutendste Arbeit aus Edelmetall in Böhmen. Das Hochgrab besteht aus 1,68 Tonnen Silber.




rechts das Grabmal , im Hintergrund links die Kapelle des hl. Johannes v. Nepomuk


Johannes von Nepomuk mit König Wenzel

Johannes von Nepomuk mit Königin Sophie im Beichtstuhl


Blick vom Grab zur Kapelle des hl. Johannes Nepomuk

Silberbüsten der hll. Cyrill (links) und Veit, Geschenk von Erzbischof J. Breuner an die Kathedrale (1699)


rechts Methodius ?, links ???

Kehren wir von der Kapelle wieder zum Grab des Heiligen zurück:

Ein Relief auf dem Sarg zeigt den Heiligen, wie er Wohltaten spendet.

Relief des Brückensturzes von Johannes v. Nepomuk in die Moldau


Fliegende Engel tragen den Baldachin


Tugend der Gerechtigkeit, die Augenbinde symbolisiert die Unparteilichkeit,
das Urteil wird ohne Ansehen der Person gesprochen

Tugend der Tapferkeit

Bist du die Klugheit oder die Mäßigung?


Johannes Nepomuk kniend auf dem Sarkophag, die fünf Sterne stehen für das lat.
Wort: tacui (Ich habe geschwiegen).

zwei Engel heben den Sarg des hl. Johannes Nepomuk empor










Karlsbrücke, von der Johannes in die Moldau gestürzt wurde

Veitsdom und Prager Burg im Abendlicht

 Verzerrte Sicht auf Brücke und Burg nach einem Trunk zum Erwärmen der kalten Glieder

.... und eine halbe Stunde später

1 Kommentar:

  1. Der unbekannte silberne Heilige mit der Fahne und dem Wappen des österreichischen Doppeladlers mag der hl. Leopold sein?

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