Mittwoch, 8. Januar 2014

Und jetzt empfehle ich euch Gott - Severin von Noricum

Drei Tage lang litt Severin an leichten Seitenschmerzen. Plötzlich um Mitternacht fühlte er, die Stunde des Abschieds sei gekommen. Er ließ die Brüder zu sich rufen, und auch sie erkannten, daß der Vater von ihnen gehen werde.
Severin gab noch einmal Anweisungen wegen seines Begräbnisses und dannn tröstete er die Weinenden: "Meine geliebten Söhne in Christus, ihr wißt, wie der Patriarch Jakob sterbend seine Söhne zu sich rief, sie einzeln segnete und ihnen die geheimnsten Geheimnisse enthüllte. Wir aber sind schwach und lau und einer solchen Frömmigkeit nicht fähig und wagen daher auch nicht, ihn nachzuahmen.
Doch eines will ich tun: euch hinweisen auf die Beispiele unserer Vorfahren: Ahmt ihren Glauben nach! Gläubig gehorchte Abraham, als er vom Herrn gerufen wurde, um auszuziehen nach dem Orte, den er zum Besitz erhalten sollte. Und er zog aus, ohne zu wissen, wohin er kommen würde.
Diesen Glauben also ahmt nach, ahmt seine Heiligkeit nach, verachtet das Irdische, sucht immer das himmlische Vaterland. Ich vertraue fest auf den Herrn, daß mir um eures heiligen Lebens wegen ewiger Lohn zuteil wird. Ihr habt mir immer Freude gemacht, habt die Gerechtigkeit geliebt und die Bande brüderlicher Liebe hochgeschätzt, habt keusch gelebt und die Klosterregel beachtet. Dies alles lobe ich an euch, und ich glaube mich nicht zu täuschen; doch betet, daß euer menschliches Mühen auch vor Gottes Gericht in Ehren bestehe.

Severin hilft Armen und befreit Gefangene

Betet um immer tiefere Erkenntnis der Liebe Gottes und der euch schützenden Heiligen. Wieviel Hilfe steht doch für die Gläubigen bereit und wie nahe ist doch Gott denen, die ein aufrichtiges Herz haben. Laßt es an inständigem Gebete nie fehlen! Schämt euch nicht, Buße zu tun! Wenn ihr euch nicht geschämt habt, eine Untat zu begehen, dann zögert nicht, diese Sünde zu betrauern. Wollt also demütigen Herzens, ruhigen Gemütes und stets der göttlichen Gebote eingedenk leben. Weder die Schlichtheit des Mönchkleides noch euer Klostername noch auch das Bekenntnis der Gelübdte nützt euch etwas. Was soll der äußere Schein der Frömmigkeit, wenn die Gesinnung schlecht und entartet ist. Wenn der sündhafte Wandel eines Weltmenschen ein großes Unrecht ist, wieviel schlechter ist ein sündiger Mensch, der doch den Verlockungen der Welt wie einem wilden Tiere entflohen ist und Christus allen Leidenschaften vorgezogen hat und an dem alles, selbst Gang und Haltung, Tugend verraten soll."
Dann aber hielt Severin inne. Warum sollte er seine Brüder in dieser Stunde noch mit langen Reden hinhalten? So sagte er kurz: "Und jetzt empfehle ich euch Gott und dem Wort seiner Gnade, in dessen Macht es liegt, euch zu erhalten und das Erbe zu geben unter allen Heiligen: ihm sei Ruhm und Ehre in alle Ewigkeit."
So ließ er alle Brüder der Reihe nach herantreten, um sie zu küssen. Dann empfing der den Leib des Herrn und bat eindringlich, nicht zu weinen.
Nun breitete er die Hände aus, schlug über sich und die Brüder ein großes Kreuz und bat, den bekannten Psalm zu singen. Im Übermaß ihrer Trauer konnten sie es unmöglich tun - so stimmte er selbst an: Lobet den Herrn in seinen Heiligtümern... Jeglicher Geist lobe den Herrn... Severin begann das Lob  des Herrn allein zu singen, er sing es in der Herrlichkeit des Herrn in alle Ewigkeit.
Es war der 8. Jänner 482.

(aus Severins Leben und Wirken in Noricum, Nacherzählung der Vita St. Severini" des Eugippius)

Severin in Lauriacum

Portalrelief, Severin empfängt am Sterbebett die hl. Kommunion, Lazaristenpfarre St. Severin, Wien

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