Sonntag, 6. Januar 2013

Anbetung der Weisen


Franziskanerkirche, Trnava, Slowakei
Der Stern bleibt über dem Tabernakel stehen

"Wenn wir also hier niederfallen und anbeten, dann beten wir nicht Fleisch an, sondern Gott, das Einzige, was wir sicher nicht sind, Gott, den Ganz-Anderen, den Aus-sich-Seienden, den Allmächtigen, dem es aber gefallen hat, uns zu zeigen, daß er allmächtig genug ist, auch ohnmächtig sein zu können, selig genug, auch leiden zu können, glorreich genug, sich auch auf den untersten Platz seiner Schöpfung stellen zu können.

Und Gott tut nicht "als ob": er ist wirklich demütig und kindlich und arm. Wie sollte Gott, der die Kinder erschaffen hat, in seinem Herzen nicht wissen, wie einem Kind zumute ist?

Anbetung der Weisen, Kathedrale Burgos, Spanien


Und hier können wir fragen: Gibt es einen Gott, der geheimnisvoller und unbegreiflicher ist, wenn er wie ein Mensch, ja als ein Mensch mit uns umgeht und dabei nicht aufhört, wahrhaft Gott, der Ganz-Andere, der Ewige, Unsterbliche und Allmächtige zu sein?
Durch seine Epiphanie hat dieser Gott nichts von seiner Unfaßlichkeit verloren, er ist im Gegenteil noch viel unfaßlicher geworden. Erst jetzt ahnen wir, wie weit göttliche Allmacht in Wirklichkeit reicht. Tiefere Anbetung als die christliche kann es deshalb, wenn sie echt ist, nicht geben.

Anbetung der Weisen, Vatikanische Museen, Wandteppich

Was bedeutet nun aber, angesichts dieses Gottes, die Welt? Mit den Menschen um uns her, mit unserem ganzen Tun und Treiben? Das alles ist in keiner Weise Gott und deshalb in keiner Weise anbetungswürdig. Es ist weltlich, kreatürlich, und man soll nicht behaupten, in allem Geschaffenen als solchem liege zuinnerst ein ungeschaffener göttlicher Funke. Sonst müßten wir uns ja selbst anbeten.
Und doch: liegt nicht trotz allem etwas Wahres in dieser Redeweise, daß im Kern des Menschen etwas Göttliches anwest?

Als Christen werden wir antworten: Ja, jeder Mensch hat es in sich, aber nicht durch seine Natur, sofern er geschaffen ist, sondern aus Gottes Gnade, der alle Menschen zu Kindern des Vaters und zu Brüdern Jesu und zu Trägern des Heiligen Geistes Gottes bestimmt und erwählt und gerufen hat."

(aus: Hans Urs von Balthasar, Du krönst das Jahr mit deiner Huld, 30f)


Geburt Christi und Anbetung der Weisen, Chorgestühl, Burgos, Kathedrale, Spanien

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