Donnerstag, 10. Mai 2012

Die Schmach hat ein Ende

Endlich darf die hl. Hildegard ganz offiziell als Heilige bezeichnet werden. Mitunter haben die Schutzkinder der hl. Hildegard darunter gelitten, dass ihre Patronin als nicht heilig von der Kanzel verkündet worden ist. Allen Hildegards - im Himmel und auf Erden - herzlichen Glückwunsch!



Wenn man sieht, wie Papst Eugen III. reagiert hat, nachdem er die Sehergabe Hildegards überprüfen hat lassen, wundert man sich, dass die im 13. Jahrhundert begonnene Heiligsprechung nicht zu Ende geführt wurde.

"Nachdem der Papst dies vernommen hatte, liess er sich die Schriften der heiligen Hildegard vorlegen, die ihm aus dem genannten Kloster überbracht worden waren. Er hielt sie mit eigenen Händen, übernahm dann das Amt des Vorlesers und trug dem Erzbischof, den Kardinälen und allen anwesenden Geistlichen daraus vor. Und als er die Antwort der Männer, die er zur Untersuchung entsandt hatte, verkündete, rief er die Herzen aller zum Lob des Schöpfers und zur jubelnden Mitfreude auf.

Auch Abt Bernhard seligen Angedenkens war dort zugegen. Er ergriff das Wort und ermahnte unter dem Beifall aller den Papst, er möge nicht dulden, dass ein solch hellstrahlendes Licht von Schweigen überdeckt würde; er solle vielmehr eine solche Begnadung, die der Herr in seiner Zeit offenbaren wolle, durch seine Autorität bestätigen.

Dem gab der verehrungswürde Vater der Väter ebenso gütig wie klug seine Zustimmung. Er richtete an die heilige Jungfrau ein ehren volles Schreiben, in dem er ihr im Namen Christi und des heiligen Petrus die Erlaubnis erteilte, alles, was sie im Heiligen Geist erkenne, kundzutun, und ermunterte sie zum Schreiben."

(aus: Ferdinand Holböck, Ergriffen vom dreieinigen Gott, 193f)

Vielen Dank, Heiliger Vater!
Heilige Hildegard, bitte für uns!

Kommentare:

  1. War die Hl. Hildegard nicht sozusagen per "Akklamation", d. h. einfach durch "Beifall" statt durch einen Prozess heilig gesprochen worden?

    E. Roth

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    1. Es gab ab 1228 mehrere Versuche, Hildegard heilig zu sprechen. Sie sind nicht an ihrer Person gescheitert. Hildegards Leben und Schriften waren mit positivem Ergebnis geprüft worden. Vielmehr wollte der Mainzer Bischof die Zuständigkeit der Kanonisierung für sich behalten. Erst seit dem 12. Jahrhundert lag die Zuständigkeit beim Papst, der Mainzer Bischof wollte diese Kompetenz nicht abgeben und zögerte das Verfahren hinaus. Spätestens ab 1584 wird sie im Martyrologium Romanum als Heilige der röm.-kath. Kirche angeführt. Die inoffizielle Heiligsprechung erfolgte durch das Volk schon zu Lebzeiten der Heiligen.

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  2. Ad Anonym:

    Gerade, weil die "Heiligsprechung per Akklamation" recht leicht zu manipulieren war und zu manchmal sehr seltsamen Ergebnissen (seltsamen Heiligen ...) führte, hat sich ab dem Mittelalter das prozeßförmige Kanonisationsverfahren herausgebildet, bei dem Zeugenaussagen eine sehr wichtige Rolle spielen, aber genauso, wie im Mittelalter, die Wunder, heutzutage meist ein Heilungswunder.

    Ich erinnere mich, in Barbara Beuys' "Das Leben der Hildegard von Bingen" (Insel TB 3467, S. 24) gelesen zu haben, daß 1233 ein Anlauf zur Kanonisation der hl. Hildegard "steckenblieb", weil deren Nonnen sich weigerten, weitere Wunder der verstorbenen Äbtissin aufzuschreiben, so nach dem Motto: Diese Wunder hat sie getan, das muß reichen. Wenn's nicht reicht, muß Gott das ändern, wir nicht. Und tatsächlich - 779 Jahre später waren die zu wenigen Wunder kein Thema mehr ...

    Pompous Ass

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